Bankenfusion Commerzbank, die Beraterbank


In Deutschland entsteht eine neue Großbank. Die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank kostet 9000 Arbeitsplätze - eine Vielzahl von Filialen werden geschlossen. Trotzdem kann die Bankenfusion für den Kunden auch Vorteile haben.
Von Leonie Seifert

Die Bankensektor in Deutschland ist nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank wieder ein Stückchen kleiner geworden. Durch den Kauf der Allianz-Tochter wird die neue Commerzbank zur zweitgrößten Privatkundenbank des Landes. Fast zehn Milliarden Euro hat sie sich den Coup kosten lassen. Um künftig Kosten zu sparen und effizienter zu werden, will die Commerzbank in den kommenden drei Jahren 9000 Arbeitsplätze streichen. 6500 davon in Deutschland. Rund 700 der knapp 1600 Filialen beider Institute sollen geschlossen werden.

Für die Kunden wird das manchmal nur ein paar Schritte mehr bis zum Bankautomaten bedeuten, aber unter Umständen werden sie nun nicht mehr von ihren langjährigen Beratern betreut. Doch die Bankenfusion hat auch ihr Gutes. Das vermuten zumindest einige Finanzexperten. Die neue Commerzbank dürfte in den nächsten Jahren Kosten einsparen - damit könnte sie künftig Finanzprodukte billiger anbieten. Andere Banken könnten mitziehen. Bei stern.de erfahren Sie, was die Bankenfusion für Sie bedeutet.

Was ändert sich für die Kunden?

Zunächst ändert sich für die Kunden überhaupt nichts. Die Kontonummern und Bankleitzahlen bleiben gleich – und auch die EC-Karten müssen nicht getauscht werden. Letztere sollen erst nach und nach ausgewechselt werden, nämlich dann, wenn sie sowieso ablaufen.

Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) bleiben auch alle bisher bestehenden Vertragsbedingungen erhalten. Weder die Zinsen für Kredite noch die Kosten für bestehende Girokonten werden sich durch die Fusion ändern. Allerdings kann der Zusammenschluss dazu führen, dass das eine oder andere Angebot aus dem Portfolio der Banken verschwindet oder zu anderen Konditionen angeboten wird.

Für die bestehenden Kunden hat die Fusion noch einen weiteren Vorteil: "Sie werden bei den Filialen beider Institute ihre Bankgeschäfte erledigen können", sagt Frank-Christian Pauli, Bankenexperte beim VZBV. Allerdings werden es künftig deutlich weniger Filialen. Rund 700 der knapp 1600 Zweigstellen beider Institute sollen im Zuge des Zusammenschlusses geschlossen werden. "Das kann sich auch auf den Service auswirken und einige Kunden werden auf ihre langjährige Kundenberater verzichten müssen", sagt Pauli.

Kann ich auf sinkende Gebühren hoffen?

Für die Kunden könnte die Bankenfusion durchaus Vorteile haben. Diese vorsichtige Prognose wagt der Finanzmarktexperte Manfred Jäger vom Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW). "Durch den Zusammenschluss können die Commerzbank und die Dresdner Bank Kosten sparen und so Finanzprodukte den Kunden billiger anbieten", ist der Experte überzeugt.

Auf die Fusion werden auch andere Banken reagieren. Damit rechnet zumindest Christian Hamann, Wertpapieranalyst bei der Hamburger Sparkasse. "Mit Lockangeboten werden Banken versuchen, die Kunden der Dresdner Bank abzuwerben", sagt Hamann. Dafür sei genau jetzt, da die Fusion viele Kunden verunsichere, der richtige Zeitpunkt. So könnten andere Banken wie die Sparkassen und Volksbanken billigere Finanzprodukte wie Girokonten anbieten oder großzügiger Kredite vergeben. Die Commerzbank selbst will ihre Produkte jedoch vorerst nicht günstiger anbieten, wie ein Sprecher der Bank sagte.

Wo werden die meisten Filialen wegfallen?

Durch den Zusammenschluss sollen natürlich auch die Kosten der Institute gesenkt werden. Insgesamt 9000 Stellen will die neue Commerzbank streichen - zehn Prozent davon im Filialbereich. Zweigstellen werden vor allem da wegfallen, wo heute Dresdner Bank und Commerzbank nah beieinander liegen. Bislang hat sich Commerzbank aber noch nicht den konkreten Schließungsplänen geäußert-

Mit der Bankenfusion würden aber nicht nur Zweigstellen geschlossen, sondern in ländlichen Regionen vielleicht eröffnet, vermutet Finanzmarktexperte Manfred Jäger vom Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW). Denn mit den zusätzlichen Kunden könnte sich dort wieder eine Privatbank lohnen, wo in den letzten Jahren nur noch eine Sparkasse oder Volksbank vor Ort war.

Sollte ich jetzt die Bank wechseln?

Die Bank wechseln - das ist nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) übertrieben. Grundsätzlich hätten Fusionen für den Verbraucher zwar negative Auswirkungen, weil sich durch sie der Wettbewerb in der Branche verkleinert. Doch in der Banken-Branche sei das nicht zu befürchten, sagt Bankenexperte Frank-Christian Pauli. "Auch ohne die Dresdner Bank gibt es noch enorm viele Banken in Deutschland, zwischen denen Kunden auswählen können." Pauli empfiehlt, erst einmal abzuwarten, was die Geschäftsführung der neuen Commerzbank künftig ändern will.

Ist mit weiteren Zusammenschlüssen zu rechnen?

In Deutschland gibt es nach Ansicht der meisten Experten zu viele Banken und zu wenig Kunden pro Institut. Um ihre Kosten zu senken und effizienter zu werden, befindet sich die Branche seit Jahren in einem Konsolidierungsprozess. Die Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank ist eine Übernahme von vielen, wenn auch die größte der vergangenen Jahre. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) schrumpfte die Zahl der Banken und Sparkassen in Deutschland um rund zwei Fünftel von knapp 3400 auf etwa 2000 Ende 2006. Und mit weiteren Zusammenschlüssen ist zu rechnen. Denn die Kosten für die vielen Banken und Sparkassen sind immer noch zu hoch. Im internationalen Vergleich entwickeln sich ihre Erträge ungünstig. Ihnen droht die Übernahme ausländischer Investoren.

Zum Verkauf steht derzeit auch die Postbank. Seit Monaten wird über einen Verkauf des Bonner Instituts durch ihren Mehrheitseigner Deutsche Post spekuliert. Am 12. September trifft sich nach Informationen des "Handelsblatts" der Aufsichtsrat der Deutschen Post. Im Umfeld der Post ist jedoch die Skepsis gewachsen, ob bei den derzeit stark gesunkenen Bankenbewertungen ein Verkauf überhaupt lohnt.

Wie ist der Bankensektor in Deutschland aufgebaut?

Das deutsche Bankensystem beruht auf drei Säulen. Gemessen an der Bilanzsumme sind die öffentlich-rechtlichen Institute wie Sparkassen und Landesbanken mit einem Gesamtanteil von rund 46 Prozent und rund 50 Millionen Kunden der wichtigste Stützpfeiler der Branche. Die Sparkassen gehören mit wenigen Ausnahmen den Kommunen, sind also öffentlich-rechtliche Institute, ihr Geschäftsgebaren ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Im Gegensatz zu den Privatbanken besitzen sie noch ein sehr ausgedehntes Netz an Filialen.

Die privaten Geschäftsbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank und Dresdner Bank haben einen Anteil von rund 39 Prozent auf dem deutschen Markt. Die neue Commerzbank wird insgesamt elf Millionen Kunden betreuen, womit sie einen Marktanteil von acht Prozent erreicht.

Insgesamt 15 Prozent und damit 30 Millionen Kunden entfallen auf die Genossenschaftsbanken. Die Eigentümer der Volks- und Raiffeisenbanken sind dagegen deren Kunden, also Kleinsparer und Unternehmer in der Geschäftsregion der Bank. Die Idee dieser Genossenschaftsbanken stammt von regionalen Gewerbetreibenden. Sie gründeten vor mehr als 100 Jahren überall im Land sogenannte Kreditgenossenschaften, geschäftlich orientiert an ihren eigenen Bedürfnissen. Sie waren also selbst ihre Kunden. Dieses Prinzip gilt bis heute. Genossenschaftsbanken gehören nach wie vor einem breiten Kreis ihrer jeweiligen Kunden.


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