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Betreiber von EC-Kartennetzen Datenklau im Supermarkt offenbar gängig


Wer mit der EC-Karte einkauft, gibt viel von sich Preis: Offenbar ist es gängige Praxis, dass die Betreiber von EC-Kartennetzen die Daten ihrer Kunden sammeln und Analysen zur Bonität anbieten. Nach dem Marktführer Easycash ist nun auch der zweitgrößte Anbieter Telecash in die Kritik geraten.

Daten zu Kartenzahlungen von Verbrauchern werden in Deutschland offenbar nahezu flächendeckend gesammelt. Neben dem Marktführer Easycash bieten auch mindestens zwei weitere Betreiber von EC-Kartennetzen Analysen zur Bonität des Kunden an, wie die "Frankfurter Rundschau" am Freitag berichtete. Easycash war am Donnerstag in die Kritik geraten, da das Unternehmen Angaben zu Betrag, Zeitpunkt und Ort von Transaktionen speichert. Ziel sei es, auf Grundlage der Daten Empfehlungen für Vertragsunternehmen unter anderem im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit des Karteninhabers zu erstellen.

Beim zweitgrößten Anbieter Telecash wird bei Zahlung mit EC-Karte laut "Frankfurter Rundschau" sofort an der Kasse geprüft, ob das Bezahlen mit Unterschrift erlaubt wird. Ansonsten wird die Geheimnummer des Kunden verlangt. Hintergrund ist, dass das Bezahlen mit Unterschrift für die Händler deutlich kostengünstiger ist - zugleich aber auch risikoreicher, da die Geschäfte von den Banken kein Geld erhalten, wenn das Konto nicht gedeckt ist.

Ein ähnliches Angebot macht der Karten-Netzbetreiber Intercard seinen Kunden. Er wirbt auf seiner Internetseite, zunächst werde das Bezahlen mit Unterschrift autorisiert. "Nur bei erkannten Risiken wird automatisch auf das PIN-basierte electronic-cash-Verfahren umgeschaltet, um gegebenenfalls die Zahlung durch Anfrage bei der Bank des Kunden absichern zu lassen."

Betroffen von den Datensammlungen durch Easycash und andere Anbieter sind vermutlich Millionen deutsche Verbraucher, die mit ihrer EC-Karte etwa an der Supermarktkasse zahlen. Datenschützer kritisieren, für die Datenspeicherung sei das Einverständnis der Kunden notwendig. Dies wies Easycash am Donnerstag zurück.

Liberale wollen strengeren Datenschutz

Als Reaktion auf den Datenskandal will die FDP im Bundestag das Bundesdatenschutzgesetz verschärfen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Christian Ahrendt, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wir brauchen eindeutige gesetzliche Vorgaben für den Umgang mit Kundendaten im elektronischen Zahlungsverkehr. Es gilt, dreisten Datensammlern wie Easycash einen Riegel vorzuschieben." Die FDP werde das Thema in der Koalition jetzt mit Nachdruck vorantreiben, betonte Ahrendt. Der Kunde müsse wieder Herr seiner Daten werden.

Für den FDP-Rechtsexperten ist der Fall Easycash das jüngste Beispiel dafür, dass sich die Wirtschaft beim Thema Datenschutz nicht freiwillig bewegen wird. "Überall dort, wo man genauer hinschaut, treten Verstöße zutage." Nach Ansicht Ahrendts ist es deshalb "höchste Zeit, auch den Schmusekurs gegenüber der Internet-Wirtschaft zu überdenken". Wer zur Selbstregulierung nicht in der Lage sei, müsse mit entschlossenem Handeln des Gesetzgebers rechnen. Es dürfe nicht länger sein, dass Unternehmen ihre Kunden ohne deren Wissen von vorne bis hinten durchleuchteten.

ukl/AFP/DPA DPA

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