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Nachricht ans Diensthandy: "Solltest du ändern": Wie ein 19-Jähriger Martin Schulz vor dem Datenklau warnte

Dass der großflächige Datenklau bei Politikern und Promis aufflog, ist wohl auch einem 19-Jährigen zu verdanken. Der wandte sich vor Bekanntwerden des Falls per Whatsapp direkt an Martin Schulz - und bekam prompt Antwort vom ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten.

Datenklau - Martin Schulz - 19-Jähriger - Warnung

Nach der Datenklau-Warnung per Whatsapp schrieben sich SPD-Politiker Martin Schulz und der 19-jährige Jonas Ueberschaer weitere Nachrichten (Symbol- und Archivbild)

Picture Alliance

Seit fünf Tagen ist der großflächige Datenklau bei Politikern, Prominenten und Journalisten nun bekannt. Nach Angaben des Innenministeriums fielen dem Cyber-Angriff rund 1000 Personen in unterschiedlichem Ausmaß zum Opfer. Großteils wurden "nur" (teils veraltete) Kontaktdaten veröffentlicht, in rund 50 Fällen jedoch auch deutlich sensiblere Daten wie Familienfotos, Kontodaten und private Chats.

Dass der Datendiebstahl, dessen Veröffentlichung schon im Dezember 2018 begann, überhaupt aufflog, ist Medienberichten auch einem 19-Jährigen aus Bad Oldesloe bei Hamburg zu verdanken. Jonas Ueberschaer heißt der junge Mann, der sich - wie einige weitere Nutzer auch - am Donnerstagabend direkt an den ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz wandte. "Hey, deine Nummer steht im Neuland auf einer Anzeigetafel und die kann von circa zwei Millionen Menschen im Moment gesehen werden. Solltest du ändern. Schöne Grüße und so", schrieb Ueberschaer um 20.13 Uhr an das Diensthandy von Schulz, wie das dem ZDF vorliegende und in seiner Echtheit von Schulz' Büro bestätigte Chatprotokoll zeigt.

Martin Schulz antwortet, sein Mitarbeiter ruft an

Ueberschaer, der dem "Hamburger Abendblatt" berichtete, über eine Chatgruppe mit Freunden auf die geleakten Daten aufmerksam geworden zu sein, ahnte da noch nicht, was sich sich aus seiner Nachricht entwickeln würde. "Ich habe ja nicht damit gerechnet, dass es die echte Nummer ist", sagte der Fachinformatiker in Ausbildung dem ZDF. Und so räumte er dem Bericht zufolge erstmal seine Spülmaschine ein. Umso größer die Überraschung, als um 20.16 Uhr plötzlich eine Antwort auf seinem Smartphone aufploppt: "Vielen Dank! Ein Mitarbeiter versucht Sie gerade anzurufen." Offenbar von Schulz selbst abgeschickt.

Tatsächlich hatte Ueberschaer zu diesem Zeitpunkt bereits einen verpassten Anruf auf dem Display. "Da habe ich echt Schiss bekommen", so der 19-Jähriger gegenüber dem "Abendblatt". Plötzlich sei ihm durch den Kopf gegangen, ob man ihn nun vielleicht verantwortlich mache und er Ärger bekomme. Kurz darauf klingelt es erneut. Am anderen Ende: der zuvor erwähnte Mitarbeiter. "Ich war total perplex und wusste nicht, was abgeht. Ich habe abgenommen - und dann ist mir das Herz in die Hose gerutscht, als sich das Bundestagsbüro von Martin Schulz gemeldet hat", sagte Ueberschaer dem ZDF.

Schulz: "Sie haben uns sehr geholfen"

Seine Angst vor Konsequenzen löst sich dann schnell in Luft auf. Der Mitarbeiter habe lediglich wissen wollen, woher Ueberschaer die Nummer habe. "Der klang nicht wütend, eher erleichtert, von der ganzen Sache erfahren zu haben" , wird der 19-Jährige vom "Abendblatt" zitiert. Ueberschaer schickte per Whatsapp weitere Links, die auf Schulz' Nummer weiterleiten. 

Der SPD-Politiker selbst bedankte sich später bei dem Azubi. "Sowas ist immer unangenehm, weil nicht alle Menschen so nett sind wie Sie. Meinen Namen kennen Sie ja und wenn sich mal die Chance ergibt, dass ich mich revanchieren kann, mache ich das", schrieb Schulz laut ZDF an Ueberschaer gerichtet. Der wiederum antwortete, dass ein Follow auf Twitter "das Coolste und Genialste" wäre. Dann würde er auch aufhören, Schulz so zuzuspammen. Schulz' Reaktion darauf: "Wir werden überlegen, meine Leute und ich, wie wir das hinbekommen. Sie spammen mich auch nicht zu, sondern haben uns sehr geholfen."

Ueberschaer hat jetzt auch Schulz' neue Nummer

Bei diesem Versprechen blieb es laut "Abendblatt nicht nur. Demnach schickte Schulz, der seine Handynummer wie andere Betroffene auch schnell wechselte, Ueberschaer später noch einmal eine Nachricht. "Ich habe mich entschieden, Ihnen die neue Nummer zu geben", so der Inhalt, der Ueberschaer auch ein wenig stolz macht. "Die Nummer eines Spitzenpolitikers zu haben, kann ja irgendwann mal nützlich sein."

Quellen: ZDF / "Hamburger Abendblatt" (Bezahlinhalt) / "Neue Osnabrücker Zeitung" (Bezahlinhalt)

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mod

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