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Coupons: Neuer Volkssport: Jagd auf Spargutscheine

Statt feilschen heißt es jetzt für die Deutschen: Rabattcoupons ausschnippeln. Die Bonus-Welle schwappt auch online: Sparbons gibt's per Internet oder SMS aufs Handy.

Das Coupon-Fieber hat die Deutschen erwischt. Wer clever ist, schnippelt und sammelt: Mit bunten Gutscheinen aus dem Briefkasten kommt man billiger an den Schnellimbiss von Hamburger-Ketten, für einen ausgerissenen Zeitungsausschnitt winkt im Kaufhaus mächtig Rabatt. Zehn Prozent Nachlass beim Optiker bringt ein Werbecoupon aus der Mitgliederzeitschrift eines Autoclubs. Und nach dem zehnten »Brot«-Stempel auf der Sammelkarte des Dorfbäckers gibt es ein Pfund Hausbrot gratis obendrauf.

Die Bonus-Welle rollt, ob in der Stadt oder auf dem Land. Geld sparen mit der Jagd auf Rabattmärkchen ist wieder »in«. Nach amerikanischem Vorbild werfen immer mehr Händler - ob Unternehmensriesen, kleine Bäckerläden, Metzgereien, Friseurgeschäfte - Coupons, Gutscheine und Sammelkarten auf den Markt. In schlechten Zeiten müssen alte Kunden noch stärker gehalten und neue angelockt werden. Und die Bundesbürger ziehen offenbar begeistert mit. Kein Wunder. Der Effekt ist im strapazierten Geldbeutel sofort spürbar: Coupon an der Kasse vorlegen, und direkt zehn, 20, 30 Prozent weniger zahlen.

Verbraucher sind begeistert

»Die Verbraucher nutzen die Angebote des Einzelhandels gern«, bestätigt Manfred Dimper vom Verbraucherzentrale-Bundesverband in Berlin und räumt ein: »Wir dachten, die Leute würden nach dem Aus für das Rabattgesetz das direkte Preisgespräch wählen.« Doch statt Feilschen ist Ausschneiden und Sammeln zum Volkssport geworden. Da muss man sich wenig anstrengen und noch weniger genieren.

Eigene Online-Angebote

Für passionierte Coupon-Jäger gibt es seit neustem sogar eigene Online-Angebote. Mit Hilfe der Internetseiten www.kuponia.de oder www.couponweb.de muss man nicht mal mehr zur Schere greifen, sondern nur noch Gutscheinrubriken anklicken und den jeweiligen Bon ausdrucken. Da winken zum Beispiel sechs Euro Rabatt auf einen Blumenstrauß von Fleurop, 25 Prozent Nachlass auf das Mietauto von Sixt, zehn Prozent auf Haarpflegemittel renomierter Kosmetikfirmen, Spargutscheine einer bundesweiten Drogeriemarktkette.

Gratis-Coupons per SMS

Doch nicht nur die landesweit vertretenen Unternehmen nutzen die Online-Möglichkeiten zur Kundenbindung. Auch kleinere Geschäfte aus der Region bringen kräftig ihre Sparcoupons unters Volk - und zwar immer öfter übers Handy, per SMS-Nachricht. Und das geht so: Unter www.sms-rabatt.de registrieren lassen, Rabatte wie »Haareschneiden zum halben Preis bei Coiffeur xy..« aufs Mini-Telefon schicken lassen, die entsprechende SMS im Laden dann vorzeigen - fertig. Anmeldung und Empfang der elektronischen Coupons kosten keinen Cent, versprechen die Anbieter. Und die Handy-Nummer soll obendrein geheim bleiben, auch nicht an den Einzelhändler weiter gegeben werden, so die Beteuerungen.

Gutschein-Magazine nach US-Vorbild

»Wir finden es gut, dass auch die kleinen Händler aktiv werden, sich zu Werbegemeinschaften zusammenschließen und sich mit allen möglichen Rabatt-Varianten am Markt behaupten wollen«, betont Dimper. Was auf die Deutschen noch wartet, zeigt ein Blick auf die USA: Dort liegen überall komplette Gutschein-Magazine aus, aus denen man sich gezielt Bons ausschneiden und mit zum Shopping nehmen kann. Da hilft dann wohl nur noch eiserne Disziplin, damit die Rabatte nicht vom Kaufrausch aufgefressen werden.

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