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Crowdfunding für arme Menschen: Haste mal nen Euro?

Es sind die kleinen Dinge, die fehlen: Eine warme Decke oder neue Schuhe - doch diese Anschaffungen sind für Obdachlose oder Geringverdiener oftmals zu teuer. Spenden-Plattformen wollen hier helfen.

Katharina Grimm

Genaue Zahlen gibt es zur Obdachlosigkeit in Deutschland nicht. Schätzungen gehen von rund 280.000 Menschen aus.

Genaue Zahlen gibt es zur Obdachlosigkeit in Deutschland nicht. Schätzungen gehen von rund 280.000 Menschen aus.

Wer im Hamburger Stadtteil St. Pauli wohnt oder arbeitet, kennt Pepi. Der Obdachlose hat seinen Stammplatz auf dem Spielbudenplatz zwischen zwei Theatern, keine zehn Schritte von der bekannten Davidwache entfernt. Anfang Oktober wurde er im Schlaf von einem Mann attackiert. Er schlug und trat mit Springerstiefeln auf Pepi ein. Die stark blutende Kopfwunde musste genäht werden. Jetzt sucht Pepi ein sicheres Quartier für den Winter - aber Geld dafür hat er nicht.

13 Millionen Menschen von Armut bedroht

Für die Pepis dieser Welt haben einige Gründer HandUp ins Leben gerufen. Die Plattform sammelt Geld für lokale Projekte und funktioniert wie das klassische Crowdfunding. Jedes Projekt wird mit einem Finanzierungsziel und Zeitrahmen auf der Plattform veröffentlicht, um Geld zu sammeln für Obdachlose, finanzschwache Nachbarn und Menschen in Armut. Das gespendete Geld landet komplett im Projekt, die Plattform erhebt keine Gebühr. Um sich zu finanzieren, bitten die Initiatoren um eine kleine Spende für ihre Arbeit. Nach eigenen Aussagen machen das auch 80 Prozent der Spender. Die Wünsche der Menschen bei HandUp sind ganz alltäglich: Geld, um das Auto zu reparieren, um eine bessere Aussicht auf einen Job zu haben. Geld, um die Ausbildung zu Ende zu bringen. Geld für ein paar neue Schuhe.

Laut einer aktuellen Statistik ist jeder Sechste in Deutschland von einem Leben in Armut bedroht - das sind rund 13 Millionen Menschen. In der Europäischen Union gelten Menschen als arm, wenn sie monatlich weniger als 60 Prozent des jeweiligen Einkommensmittelwerts zur Verfügung haben. In Deutschland sind das rund 930 Euro im Monat. Schätzungen zufolge leben 280.000 Menschen auf der Straße.

"Es lebe die Familie"

Bislang gibt es HandUp nur in San Francisco. Allerdings hat das Unternehmen inzwischen 850.000 Dollar von Investoren bekommen, um zu expandieren. Andere Plattformen, wie beispielsweise Watsi, die medizinische Behandlungen auch für die Ärmsten auf der Welt ermöglichen wollen, oder Bettervest, die in saubere Energieprojekte investieren, gibt es schon länger. Lokale Hilfsmodelle sind allerdings noch selten.

Um Pepi zu helfen, ist HandUp zu weit weg. Eine Anwohnerinitiative sammelt nun Geld ein, um dem Mann einen Platz zum Überwintern zu finanzieren. Sie besuchten ihn nach der Attacke im Krankenhaus. Nach seiner Entlassung klebte er eine Danksagung auf den Gehweg, wo er angegriffen wurde. "Viva la familia" stand auf dem Plakat, es lebe die Familie.

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