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Deutsche Bank als Vorreiter: Anpfiff für Endspiel um Neuordnung der Bankenlandschaft

Die Aufsicht macht Ernst und setzt mit schärferen Regeln die Banken unter Zugzwang. Das heizt die Neuordnung der Branche an. Die Deutsche Bank macht den Vorreiter und sammelt auf einen Schlag so viele Milliarden ein, dass es für Postbankübernahme und "Basel III" reicht.

Die deutsche Bankenlandschaft steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Mit der Postbank gehört bald die größte am freien Markt verfügbare Privatkundenbank zur Deutschen Bank. In den Zentralen der meisten Landesbanken beginnt das Zittern vor den neuen Regeln der Schiedsrichter der Finanzbranche.

Notenbanker und Aufseher der 27 wichtigsten Industrienationen einigten sich knapp zwei Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers auf strengere Spielregeln für die Branche ("Basel III"). Diese treten zwar erst in einigen Jahren in Kraft. Doch bereits jetzt steht fest, dass die Zukunft vieler der seit Jahren wankenden Landesbanken in Gefahr ist.

"Die starken Häuser werden noch stärker werden und die schwachen werden noch schwächer", sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Vor allem die Probleme im Sparkassensektor würden durch die neuen Regeln aufgedeckt. "Wir haben das Sparkassenproblem immer noch nicht im Griff", meint Schiereck. "Vor allem bei den Landesbanken, die vielfach kein Geschäftsmodell haben, muss es bald zu einer Lösung kommen." Doch das sei schon oft der Fall gewesen. "Die entscheidende Frage ist: Kommt auch eine Lösung? Hier habe ich doch große Fragezeichen."

Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim geht fest davon aus, dass sich im Landesbankenbereich bald etwas tut. "Basel III bringt die Problematik der Häuser auf den Punkt. Die Sparkassengruppe muss jetzt sinnvolle Lösungen für die teils stark angeschlagenen Landesbanken finden."

So verwundert es nicht, dass gegen die neuen Regeln vor allem Vertreter aus dem öffentlich-rechtlichen Lager Sturm laufen. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), der unter anderem die Interessen die Landesbanken vertritt, hatte bereits vor Veröffentlichung der neuen Regeln vor Negativfolgen der strengeren Vorgaben gewarnt und sah seine Institute ungerecht behandelt.

Am Montag legte VÖB-Geschäftsführer Karl-Heinz Boos nach: "Insgesamt kann die Einigung nur als "regulatorischer Blindflug" bezeichnet werden." Die Möglichkeiten zur Kreditvergabe werde deutlich eingeschränkt.

Erstaunlich gelassen reagierten dagegen die großen Privatbanken auf die neuen Vorgaben, die im November von den wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) endgültig beschlossen und ab Anfang 2013 stufenweise umgesetzt werden sollen. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, geht davon aus, "dass die deutschen Privatbanken das im Großen und Ganzen stemmen können".

Fein raus dabei ist wie so oft Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Sein Haus ist stark genug, um sich auf einen Schlag fast zehn Milliarden Euro am Kapitalmarkt zu holen - eine in der deutschen Finanzbranche nie gesehene Summe. Damit kann er die schon länger anvisierte Übernahme der Postbank stemmen und sein Institut quasi nebenbei für "Basel III"-Zeiten rüsten.

"Wir werden die Basel-III-Kriterien bereits Ende 2013 erfüllen", betonte Ackermann am Montag in Frankfurt. "Wir haben sehr gut vorgearbeitet." Ein weiterer Gang an den Aktienmarkt wegen der strengeren Vorgaben sei nicht nötig.

Damit ist die Deutsche Bank Vorreiter. Ackermann handelt, während andere noch über das Wie nachdenken. So erklärte jüngst der Chef der teilverstaatlichten Commerzbank, Martin Blessing, um den Staat loszuwerden, wolle sich die Commerzbank auch Geld am Kapitalmarkt besorgen: "Die Frage ist nur wann, und in welcher Form."

Ackermann hat diese Frage längst geklärt und bläst zum Angriff: "Im Investmentbanking ist die Deutsche Bank bereits Weltspitze. Im Privatkundengeschäft sind wir dabei in die europäische Champions League aufzurücken." Gemeinsam mit der Postbank will Ackermann das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank kräftig aufmöbeln: "Um den Titel spielen wir, sobald diese Transaktion abgeschlossen ist."

Bernd Zeberl und Jörn Bender, DPA / DPA