EDELMETALL Enron-Effekt treibt Goldpreis in die Höhe


Der Skandal um den amerikanischen Energiehandelskonzern Enron und schwache Börsen haben den Goldpreis diese Woche drastisch in die Höhe getrieben.

Die Angst der Anleger vor weiteren so genannten »Enron-Effekten« und die schwache Verfassung der Börsen haben dem gelben Metall zu einem ebenso starken Preisanstieg verholfen wie nach den Terroranschlägen am 11. September in den USA.

Hausse-Grundtendenz

Gold zur Auslieferung im April stieg Freitagmorgen in New York um 3,4 Prozent auf 304,00 Dollar (348 Euro) und hat damit die psychologisch wichtige Grenze von 300 Dollar je Feinunze übersprungen. Der Goldpreis ist in New York seit Wochenbeginn um 8,5 Prozent gestiegen. Zum letzten Mal hatte das Edelmetall Anfang 2000 mit mehr als 300 Dollar notiert. »Der Markt bleibt extrem aktiv, wobei bei Rückschlägen aggressiv gekauft wird und es bei Hochs auch Abgaben gibt«, erklärte Rhona O?Connell vom World Gold Council in London. Nach ihren Angaben gibt es eine Hausse-Grundtendenz im Goldmarkt.

Kurs dümpelte dahin

Gold hatte selbst nach den Terroranschlägen und dem dramatischen Kurseinbruch an den Weltbörsen im September vergangenen Jahres nur um rund acht Prozent zugelegt und hatte am 21. September mit 293 Dollar notiert. Dann kam bis zum Jahresende eine beeindruckende Wall-Street-Erholung, und der Goldpreis rutschte bis zum Jahresanfang 2002 wieder auf 278 Dollar ab. Seither dümpelte das gelbe Metall in einem engen Rahmen, ehe es in dieser Woche wieder zulegte.

Verunsicherte Anleger

Die positive Tendenz ist nach Ansicht von Goldmarkt-Experten möglicherweise dauerhafter als der kurzzeitige Anstieg nach den Terroranschlägen. In Washington versucht ein Kongressausschuss die Hintergründe des größten US-Firmenbankrotts beim Energiehändler Enron aufzuhellen. Spekulationen über andere negative Bilanzüberraschungen bei Großkonzernen machen die Runde. Das Thema verunsichert die durch die dramatische Baisse seit Frühjahr 2000 schockierten Investoren.

Gold gilt als sicher

Die schwache Verfassung der Weltbörsen, die niedrigen Renditen an den Rentenmärkten sowie die Wirtschaftsprobleme in den USA, Europa, Lateinamerika und Japan stützen den Goldmarkt, weil sie das gelbe Metall als Sicherungsinstrument attraktiver machen. Amerikanische Goldaktion sind seit Anfang des Jahres teilweise um 20 bis 30 Prozent gestiegen, während einige kanadische Goldaktien sogar Kursgewinne von bis zu 70 Prozent verbuchten.

Konsolidierung der Branche

Außerdem wirkt sich die Konsolidierung unter den großen Goldproduzenten aus, die sich auf diese Weise Marktanteile, billigere Produktionsbasen und Goldreserven verschaffen wollen. Der amerikanische Goldkonzern Newmont Mining übernimmt die Franco-Nevada Mining und blättert für den australischen Konkurrenten Normandy Mining 2,1 Milliarden Dollar hin. Newmont wird damit zum weltgrößten Goldproduzenten.

Newmont-Konzernchef Wayne W. Murdy freute sich in dieser Woche über den Anstieg des Goldpreises und die Prognosen der Analysten, die eine weitere Besserung im Jahr 2002 vorhersahen.


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