Finanzkrise Kein Mitleid mit den Spielbanken


Eigentlich hätten Marktverdreher wie die Hypo Real Estate Pleiten verdient. Aber weil die Finanzzocker mit unser aller Wohlstand spielen, ist der Eingriff des Staates wichtig und richtig. Nur: Die Politik muss lernen, dass sie die Spielbanken auch bisweilen ihrem Elend überlassen kann - siehe IKB.
Ein Kommentar von Frank Donovitz

Der Experte staunt, der Laie wundert sich. Da gewähren staatliche Stellen und Geschäftsbanken Milliarden-Hilfe für ein Geldhaus, das bis vor kurzem wohl kaum jemand kannte: die Hypo Real Estate AG aus München. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben eine Bank, genauer gesagt: ein Hypothekenfinanzierer. Und sie habe "Refinanzierungsprobleme", zu wenig "Liquidität". Eine Bank ohne Cash?

Lehman Brothers & Co lassen grüßen

Der gesunde Menschenverstand trügt nicht: Banken ohne Kundengelder sind keine wirklichen Banken. Es sind Beraterfirmen, Geschäftseinfädler, mit engem Kontakt zum Kapitalmarkt. Sie machen gerne auf "dicke Hose", doch in ihren Taschen befinden sich überwiegend flüchtige Mittel. Geld, das unter Banken schnell hin und her gehandelt wird. Weltweit. Stockt dieser Handel, wie seit dem Platzen der globalen Kreditblase im vergangenen Sommer immer häufiger, ist die ganze Herrlichkeit blumiger Firmen à la Hypo Real Estate vorbei. Luftbuchungen, kaum reelle Werte, allenfalls fixe Geschäftsideen. Aus Amerika lassen Lehman Brothers & Co grüßen.

Keine Marktwirtschaft der Welt braucht solche "Banken", nicht die deutsche und auch nicht die amerikanische. Sie sind zwar deren Ausgeburt, doch standen sie schon seit langem nicht mehr in Diensten des Marktes, sondern nur noch in ihren eigenen - ein zirkuläres Paralleluniversum aus Hyper-Spekulation, Provisions- und Profitgier. Nach zerspekulierten Devisen, Aktien, Rohstoffen und Immobilien, haben sie sich am Ende den Markt vorgeknöpft, auf dem die Spekulation tödlich ist: den Kreditmarkt. Platzt dort eine Blase, erschüttert dies die Marktwirtschaft in ihren Grundfesten - wie nun täglich zu bestaunen.

Sparen wäre besser gewesen

Abenteuerlich wirkt die Rechtfertigung einiger Investmentbanker, dass ohne das große Kreditraddrehen viel weniger Menschen Geld geliehen bekommen hätten. Ja und?! Es wäre für viele Menschen, zum Beispiel für die bis ans Lebensende verschuldeten "Häuslebauer" in Amerika, Spanien oder sonstwo, sehr viel ratsamer gewesen, keinen Kredit zu bekommen - sondern schlicht zu sparen. Ur-Marktwirtschaftlich.

Jetzt erhalten Marktverdreher wie die Hypo Real Estate Hilfe. Warum? Zu eng sind die Verflechtungen mit "echten" Banken, zu groß das Risiko eines Strudels. Leider, möchte man hinzufügen. Denn eigentlich, so lehrt es die Arbeits- und Wirtschaftswelt jeden Tag schmerzlich, ist eine überkommene Geschäftsidee in der Marktwirtschaft dem Untergang geweiht, der Pleite.

Für die Finanzindustrie gelten andere Regeln. Auch das hat die Krise gelehrt. Um massenhaften Schaden abzuwenden, muss die Politik eingreifen - zur Rettung von Spekulanten freilich nicht. Notwendig waren deshalb die staatlichen Hilfen für den US-Großversicherer AIG, für den Benelux-Geldkonzern Fortis und wohl auch für die Hypo Real Estate in München. Nicht nötig waren hingegen die Milliardenspritzen für die marode IKB-Bank und für die absurden Geschäfte einiger Landesbanken. Sie alle gehörten - ganz marktwirtschaftlich - vom Markt gefegt. Allein ihre Kunden hätten Schutz verdient gehabt. Hinterher, so hält die Politik dagegen, sei man immer klüger. Als Verbraucher möchte man ihr zurufen: Hoffentlich!


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