Frankreich Vivendi sagt Hollywood au revoir


Vivendi Universal und der US-Fernsehkonzern NBC haben endgültig die Gründung eines gemeinsamen Medienkonzerns vereinbart, der den Abschied der Franzosen aus Hollywood einläutet.

Die Vivendi-Unterhaltungssparte mit den Universal-Studios, Kabel-TV-Kanälen und Freizeitparks geht im neuen Unternehmen NBC Universal auf, in dem die General-Electric-Tochter mit 80 Prozent der Anteile das Sagen hat. Der Medienriese mit einem Jahresumsatz von 13 Milliarden Dollar (11,1 Milliarden Euro) sei etwa 43 Milliarden Dollar (36,5 Milliarden Euro) wert, erklärten beide Konzerne am Mittwoch.

Verhandlungen seit Anfang September

Vivendi und General Electric hatten Anfang September Verhandlungen über den Zusammenschluss aufgenommen, der im ersten Halbjahr 2004 abgeschlossen werden soll. NBC besaß bislang als einziges der vier großen amerikanischen TV-Unternehmen kein bedeutendes Studio in Hollywood. Ab 2006 können die Franzosen ihre Anteile an dem von NBC-Chef Bob Wright geführten Unternehmen schrittweise verkaufen und damit das im Jahr 2000 begonnene Hollywood-Abenteuer endgültig beenden.

Kaufpreis lässt Vivendi-Schuldenberb sinken

Vivendi kassiert etwa 3,3 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) in bar, zudem übernimmt NBC Universal rund 1,7 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) Schulden. Vivendi-Chef Jean-Rene Fourtou sagte, die Verschuldung seines Konzerns solle bis Ende nächsten Jahres auf unter fünf Milliarden Euro gedrückt werden und werde 2005 "nahe bei Null" liegen. Der vor gut einem Jahr gefeuerte Ex-Vivendi-Chef Jean-Marie Messier hatte sein Unternehmen mit einem riskanten Expansionskurs zum Global Player im Mediengeschäft gemacht und Milliardenschulden angehäuft.

Neuer Schwerpunkt: Telekommunikation

Zuletzt drückten Vivendi noch Verbindlichkeiten von 13 Milliarden Euro. Messiers Nachfolger Fourtou verordnete dem Konzern eine neue Strategie, die sich auf das Telekommunikationsgeschäft (Cegetel, Maroc Telecom) und Fernsehaktivitäten (Canal Plus) konzentriert. Vivendi gehören zudem die Universal Music Group, der weltweite Branchenführer, und die Computerspielfirma Vivendi Universal Games.

TimeWarner weiter vorne

Die Gründung von NBC Universal soll jährlichen Synergien von 400 Millionen Euro bis 500 Millionen Dollar bringen, erklärten die Konzernchefs Fourtou und Jeff Immelt von General Electric bei der Vertragsunterzeichnung. Das neue Unternehmen, zu dem auch der spanischsprachige Fernsehkanal Telemundo sowie TV-Produktionsunternehmen gehören, erreicht aber nicht die Größenordnung von Medienkonzernen wie AOL Time Warner (Jahresumsatz 41 Milliarden Dollar) oder Disney (25 Milliarden Dollar).

DPA

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