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Fusion: Postbank will Bankenriesen schmieden

Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel plant den Aufbau einer mit Abstand größten deutschen Privatkundenbank. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat die US-Investmentbank Morgan Stanley Sondierungsgespräche mit mindestens drei potenziellen Fusionspartnern geführt.

Von S. Clausen, U. Brychcy, T. Bartz und A. Maier

Der deutsche Bankenmarkt könnte sich stark verändern. Die Deutsche Post plant den Aufbau der größten deutschen Privatkundenbank. Dazu habe die US-Investmentbank Morgan Stanley erste Sondierungsgespräche mit mindestens drei Instituten geführt, die als Fusionspartner der Post-Tochter Postbank infrage kämen. Erste Kontakte habe es mit der Deutschen Bank, der Allianz und ING gegeben, hieß es aus dem Umfeld des Konzerns. Morgan Stanley ist seit Jahren die Haus-Investmentbank der Post.

Damit eröffnet sich die Chance für eine Neuordnung des deutschen Privatkundengeschäfts. Bislang dominieren die 460 öffentlich-rechtlichen Sparkassen sowie 1250 genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken den Markt. Die Kombination der Postbank mit einer anderen privatwirtschaftlich organisierten Privatkundenbank ließe einen dritten Machtblock entstehen.

Marktführer Postbank mit Problemen

Die Postbank ist zwar mit 15 Millionen Kunden als Einzelinstitut Marktführer in Deutschland, hat aber Probleme, den Massenmarkt mit attraktiven Anlageprodukten zu versorgen. Großen Finanzkonzernen wie der Deutschen Bank, Allianz oder ING dagegen fehlt in Deutschland die Kundenzahl, um ihr Geschäft besser auslasten zu können.

Im Fall der Deutschen Bank wird nach "FTD"-Informationen über eine Kombination mit der Kleinkundentochter nachgedacht, die als Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG bereits eine eigene Rechtsform hat. Die Allianz könne die Dresdner Bank einbringen, die ING die deutsche Onlinebank ING-Diba. Für die Niederländer spreche, dass sie die Postbank ihres Heimatmarkts betreiben.

"Fusion unter Gleichen"

An der neuen Privatkunden-Großbank würden die jetzigen Mutterkonzerne dann jeweils Anteile halten - in welchem Umfang, würde abhängig von der Größe des neuen Postbank-Partners sein. "Wir streben eine Fusion unter Gleichen an", sagte ein hochrangiger Post-Manager. Man würde sich notfalls aber auch mit der Rolle des Juniorpartners abfinden. Postbank-Chef Wolfgang Klein sei in den Prozess eingebunden. Die Deutsche Post hält 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank, die an der Börse derzeit mit 8,4 Milliarden Euro bewertet wird.

Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel will spätestens in der zweiten Jahreshälfte eine Lösung für die Postbank finden. Der Vertrag des 64-Jährigen läuft im November aus. Der Konzern soll aber weiter einen wesentlichen Anteil halten, um Einfluss auf das Geldhaus ausüben und von dem möglichen Wachstum profitieren zu können. Einen kompletten Ausstieg hat Zumwinkel intern kurzfristig ausgeschlossen. Er fürchtet, dass seine Investoren aus dem Verkaufserlös die Forderung nach einer Sonderdividende ableiten, da die Post derzeit keine Großinvestitionen im Kerngeschäft Logistik und Post plant. Möglicherweise fällt bereits zwischen März und Mai eine Vorentscheidung für einen Partner. Am 5. März veröffentlicht die Postbank ihr Jahresergebnis; Thema werden dann auch die Folgen der Finanzkrise für das Institut sein. Am 8. Mai findet die Hauptversammlung statt.

Zehn ernsthafte Bieter

Ein offizieller Prozess ist noch nicht gestartet. Bankern zufolge müsste die Post für sämtliche Interessenten offen sein, um den Preis nach oben zu treiben. Als realistisch für die Schlussphase gilt in Finanzkreisen eine Zahl von zehn ernsthaften Bietern - darunter weitere ausländische Interessenten sowie die Commerzbank.

FTD