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Geldanlage: Wohin mit der Erbschaft?

Wer plötzlich zu Geld kommt, hat die Wahl: Er kümmert sich selbst um die Geldanlage oder lässt Profis ran. Der stern stellt beide Wege vor.

Von Frank Donovitz

Ein Traum: einmal im Lotto gewinnen. Oder Post von der verschollenen Erbtante aus Kanada. Lotto-Gewinne, zumindest hohe, sind selten, Erbschaften hingegen nicht. Umfragen zufolge rechnet rund die Hälfte der Bundesbürger mit einem Erbe im Wert von mehr als 50 000 Euro. Für viele Menschen bedeutet das, erstmals eine größere Summe Geld in den Händen zu haben. Und für die meisten stellt sich damit auch zum ersten Mal die Frage: Wohin mit der Kohle?

Variante 1: Der Erbe vertraut das Geld einer (seiner) Bank oder Sparkasse an. Dabei gilt: Je mehr angelegt werden kann, desto intensiver die Beratung - und desto geringer die prozentualen Gebühren. Wer zum Beispiel 500 000 Euro und mehr mitbringt, bezahlt jährlich etwa 1,5 Prozent Gebühren - alles Erdenkliche inklusive, überwiegend frei von weiteren Provisionen. "Private Banking" nennt sich neudeutsch das Rundum-Sorglos-Paket. Geboten werden Steuertipps, Versicherungschecks und ausgefeilte Anlagedepots. Doch schon bei unwesentlich weniger Vermögen ist der Eintritt in dieses Paradies der Gelddienstleistungen verwehrt. Jenseits dessen nennt sich das typische Angebot "standardisierte Vermögensverwaltung". Dabei handelt es sich in der Regel um eine Auswahl von Investmentfonds - gestuft nach Risikobereitschaft und Anlagezielen. Geboten wird dies schon ab 10 000 Euro. Kosten: ein bis zwei Prozent Jahresgebühr, oft zuzüglich Einmalprovisionen von drei bis fünf Prozent.

Variante 2 ist billiger und heißt: Do-it-yourself. Los geht es mit Schulden tilgen. Wer erbt, sollte mit dem Geld die eigenen Kredite auslösen. Ratendarlehen zählen in jedem Fall dazu. Aber auch Immobilienkredite, bei denen noch Zinsbindung besteht, gehören auf den Prüfstand. Oft ist trotz der Vorfälligkeitsentschädigung, die die Bank fordert, das Tilgen rentierlicher, als weiter Raten zu zahlen. Was dann noch übrig ist, gehört angelegt.

Das hat seine Tücken. Denn der Erbschaftssteuer folgt die Kapitalertragssteuer. Zum Jahresbeginn wurde der Freibetrag für Einnahmen aus Geldanlagen in etwa halbiert: Ein Single (Freibetrag 801 Euro) kann bei drei Prozent Jahreszins nur noch maximal 26 700 Euro steuerfrei anlegen. Doch wie bei jeder Steuer gibt es auch bei dieser "Gestaltungsmöglichkeiten", wie Experten das gerne nennen. Deren Idee klingt paradox: möglichst wenig Zinsen, Dividenden und Mieten einsacken - dafür umso mehr Kursgewinne. Denn die können heute (das soll sich ab 2009 ändern) nach zwölf Monaten steuerfrei eingeheimst werden. Der stern hat, angelehnt an die Anlagestrategie der Deutschen Bank für 2007, eine Wertpapierauswahl zusammengestellt (siehe Tabelle). Mit diesen oder vergleichbaren Angeboten lassen sich 25 000 Euro in Aktien, Zinswerten, Immobilien, Rohstoffen und Gold anlegen - für insgesamt nur rund 95 Euro Freistellungsauftrag. So kann das gesamte Plus dieses Depots - vergangenes Jahr wären es nach Kostenabzug rund 2300 Euro (etwa neun Prozent) gewesen - steuerfrei kassiert werden.

Steuersparsam anlegen

Die Tabelle zeigt beispielhaft, wie risikobewusste Anleger mit bestimmten Fonds und Zertifikaten steuergünstig investieren können. Ein Depotkonto von 25 000 Euro in der gezeigten Anteilsgewichtung erfordert einen Freistellungsauftrag von nur 95 Euro.

VermögensartZertifikate/ FondsRendite in ProzentKosten in Prozent: einmal/jährlich
Aktien (Anteil je 15%)EuroStoxx50-Performance-Index-Zertifikat (Commerzbank)+171,00/0
Dax-Index-Zertifikat (Dresdner Bank)+220,05/0
Anleihen (Anteil 50%)Cominvest Adireth-Fonds+30,80/0,67
Immobilien (Anteil 10%)Grundbesitz-Global-Fonds+81,20/bis 0,75
Agrar-Rohstoffe (Anteil 5%)GSCI-Agriculture Exc.Return-Index-Zertifikat (Goldman Sachs)+101,00/0
Gold (in Euro) (Anteil 5%)Unze-Zertifikat (Quanto) (Société Générale)+220,15/0
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