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Geschäfte mit Pleite-Bank: KfW hat halbe Milliarde verloren

Der Schaden der staatlichen Förderbank KfW durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers ist deutlich höher als bisher bekannt: Statt 300 Millionen sind es nun doch 536 Millionen Euro. Finanzminister Peer Steinbrück forderte personelle Konsequenzen. Zur Stunde tagt der KfW-Verwaltungsrat.

Der Staatsbank KfW ist durch Geschäfte mit der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers ein Schaden von 536 Millionen Euro entstanden. Die KfW bestätigte am Donnerstagabend entsprechende Medienberichte. Der Verlust durch die Überweisungspanne bei einem Währungsgeschäft beträgt sogar rund 350 Millionen Euro. Zunächst war von 300 Millionen Euro die Rede gewesen. Der höhere Betrag ergibt sich laut KfW durch Umrechnungskurse von Euro zum US-Dollar. Bei Schuldverschreibungen mit Lehman geht es um weitere Verluste von 186 Millionen Euro. Die Staatsbank hofft, einen Teil des Geldes aus der Vermögensmasse der zahlungsunfähigen US-Bank zurückzubekommen.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will die KfW für die Überweisungspanne an die zusammengebrochene US-Bank Lehman Brothers zur Rechenschaft ziehen. Steinbrück forderte am Donnerstag Konsequenzen im Management der Staatsbank. Die Überweisung von 350 Millionen Euro noch am Tag der Lehman-Pleite sei ein ungeheuerlicher Vorgang. "Ich jedenfalls habe so etwas in meinem Leben noch nicht erlebt", sagte Steinbrück am Donnerstag am Rande der Sitzung des KfW-Verwaltungsrats in Berlin. Die KfW gehört zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur will die Bundesregierung KfW-Chef Ulrich Schröder aber nicht abberufen. Er ist erst seit drei Wochen im Amt. Treffen könnte es das mittlere Management. Der Verwaltungsrat wollte zudem den Verkauf der KfW-Tochter IKB an den US-Finanzinvestor Lone Star absegnen.

Die Linkspartei sieht ein Versagen der Regierung. "Die Minister Glos und Steinbrück müssen politisch für die Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei der KfW gerade stehen", forderte Vorstandsmitglied Ulrich Maurer. Auch die FDP ist entrüstet. Millionen an Steuergeld der Bürger werde verschwendet. "Statt Risiken á la Steinbrück zu bagatellisieren, müssen endlich die Fakten auf den Tisch."

"Das Geld ist weg"

Auch in der Koalition wächst der Unmut. Der Unions-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs befürchtet, dass der Mittelstand unter dem KfW-Versagen leiden wird. "Das Geld ist weg. Das kriegen wir auch nicht mehr wieder, und es steht natürlich auch nicht mehr für Förderungsmaßnahmen zur Verfügung", sagte Fuchs im hr-Inforadio.

Steinbrück wies Forderungen nach einer raschen Verschärfung der Kontrollmechanismen für die Finanzbranche zurück. "Augenblicklich geht es um effektives Krisenmanagement. Das beschäftigt uns hier fast rund um die Uhr", sagte er der "Frankfurter Rundschau".

IKB auf Tagesordnung

Auf der Tagesordnung des Verwaltungsrats stand auch der bereits im August vereinbarte Verkauf der IKB. Lone Star zahlt an die KfW rund 115 Millionen Euro für 90,8 Prozent der IKB-Anteile. Dafür übernehmen die Amerikaner erhebliche Risiken aus den maroden Kreditgeschäften der Düsseldorfer Mittelstandsbank. Die KfW musste die Düsseldorfer IKB zuvor mit mehreren Milliarden vor dem Untergang retten.

Die IKB hatte sich mit US-Immobilienkrediten verzockt und musste mit Garantien über rund elf Milliarden Euro gerettet werden. Die eingetretenen Verluste sind bisher aber weit geringer. Den größten Teil des Hilfspakets stemmten KfW und Bund. FDP, Grüne und Linke erwägen, die Rettung und den umstrittenen Verkauf an Lone Star in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu beleuchten.

Die Grünen-Abgeordnete und KfW-Kontrolleurin Christine Scheel meldete erhebliche Bedenken gegen den Verkauf an Lone Star an. Vielen Mitgliedern des Gremiums seien wichtige Vertragsbedingungen überhaupt nicht bekannt, kritisierte sie in der "Süddeutschen Zeitung". Scheel warf der von Glos und Steinbrück geführten KfW-Kontrollspitze vor, den Verwaltungsrat vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters