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Gold: Der Preis ist zu heiß

Kaufen Sie jetzt kein Gold. Neuanleger sollten warten, bis aus der Spekulationsblase ein wenig Luft entweicht.

Von Joachim Reuter

Rund 20 Jahre lang konnten Investoren, die auf Gold setzten, damit praktisch nichts verdienen. Doch seit 2001 klettert der Preis für das Edelmetall zeitgleich mit dem aller Rohstoffe in immer neue Höhen. Vor allem in den vergangenen zwölf Monaten hat Gold enorm an Wert gewonnen: In dieser Zeit ist der Preis in Euro gerechnet um 70 Prozent gestiegen. Gold rangiert auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren, derzeit auf rund 540 Euro pro Feinunze.

Was sind die Gründe für das Comeback? Eine wichtige Rolle spielt das hohe Wirtschaftswachstum in Asien. Es macht die dortige Bevölkerung wohlhabender - was die Nachfrage nach Gold steigen lässt. Vor allem in Indien ist Goldschmuck wichtig für die Vermögensbildung. Die Chinesen wiederum dürfen erst seit 2003 privat Gold erwerben und kaufen seither kräftig ein.

Auch der Westen entdeckt das Gold wieder - als Krisenmetall. Das Vertrauen in die Weltwährung Dollar schwindet, zudem heizen die hohen Rohstoffpreise die Geldentwertung an. Immer mehr Investoren nutzen Gold als Schutz vor Inflation und Dollarverfall. Zudem hat der Konflikt zwischen den USA und dem Iran über dessen Atomprogramm dem Goldpreis zusätzlichen Schub gebracht. "Auch in Deutschland zieht die Nachfrage spürbar an", sagt Klaus Martini, Chefanlageberater bei der Deutschen Bank. Er empfiehlt Anlegern, bis zu fünf Prozent ihres Geldvermögens in Gold zu investieren.

Lohnt sich aber auf dem hohen Niveau der Einstieg ins Edelmetall überhaupt? "Wir haben noch nicht das Ende der Fahnenstange gesehen", sagt Reinhard Opitz, Rohstoffanalyst bei der Hamburger Sparkasse. "Der historische Rekordpreis von 850 Dollar je Feinunze aus dem Jahr 1980 dürfte zu knacken sein."

In den vergangenen Wochen

haben allerdings auch die renditehungrigen Hedge-Fonds das Gold entdeckt und den Preis nochmals getrieben. Diese Spekulanten dürften sich schnell wieder aus dem Edelmetall verabschieden und ihre Gewinne mitnehmen, sobald der Trend nur ein wenig abknickt. Anleger sollten also vor einem Einstieg noch abwarten, bis etwas Luft aus der aktuellen Spekulationsblase entwichen ist.

Mittelfristig bleiben die Aussichten positiv. Denn die Rohstoffexperten haben schon die nächsten Gold-Interessenten ausgemacht: die Notenbanken in Asien, Russland und dem Nahen Osten. Ihre Währungsreserven sind in Dollar angehäuft, Gold spielt kaum eine Rolle. Während die USA 73 und Deutschland 58 Prozent der Reserven in Form von Barren eingelagert haben, bringen die Chinesen nur 1,3 Prozent auf die Goldwaage, die Japaner 1,6 und die Russen 3,8 Prozent. "Wenn die beginnen, ihre Dollars in Gold zu tauschen, werden wir ganz andere Rekorde sehen", sagt Opitz.

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