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Inflation: So schützen Sie Ihre Ersparnisse

Die Preise steigen derzeit besonders schnell: Auch die Inflationsrate in der Eurozone hat im Juni einen Rekordwert erreicht. Was bedeutet das für die Ersparnisse der Bürger?

Von Elke Schulze

Mit einer Inflationsrate von vier Prozent hat die Teuerung in der Eurozone im Juni einen Rekord erreicht. Der bisherige Rekordwert von 3,7 Prozent im Mai sei damit deutlich übertroffen worden, teilte das europäische Statistikamt Eurostat auf Grundlage einer vorläufigen Schätzung mit. Es ist das erste Mal seit Beginn der regelmäßigen Inflationsmessungen durch Eurostat im Jahr 1997, dass die Preise um vier Prozent über dem Vorjahresmonat liegen.

Die Deutschen haben notorische Sorge vor einer Geldentwertung. Nichts beunruhigt uns so sehr wie die Teuerung. Nach einer Umfrage von infratest bereitet sie 86 Prozent der Deutschen große Sorgen. Die Zeiten stabiler Preise scheinen vorbei.

Die vorläufige Schätzung bezieht sich auf frühe Datenangaben aus 9 der 15 Staaten der Währungsunion, darunter Deutschland. Sie ist in der Regel sehr zuverlässig: Von den 24 vorläufigen Schätzungen der vergangenen zwei Jahre waren laut Eurostat 14 exakt, die übrigen 10 wichen nur um 0,1 Prozentpunkte von der endgültig festgestellten Inflationsrate ab. In die Inflationsmessung von Eurostat gehen Lebensmittel- und Energiepreise, Wohnungsmieten und Telefongebühren, die Kosten für Kleidung, Körperpflege und Haushaltsgeräte, aber auch für Fahrzeuge, Unterhaltungselektronik und Restaurantbesuche ein. Auch die Kosten für Bankdienstleistungen und einzelne Versicherungen werden berücksichtigt.

Aber auch bei einer steigenden Inflation muss niemand hilflos zusehen, wie sein Vermögen schrumpft. Es gibt lukrative Alternativen zum Sparbuch.

1. Sparbuch und Tagesgeldkonto

Die Inflationsrate liegt in der Eurozone im Juni bei vier Prozent - ein neuer Rekord. Ein Sparbuch ist zwar sicher, bietet aber nur rund 1,3 Prozent Zinsen. Deshalb empfiehlt es sich, Geld, das jederzeit verfügbar sein soll, lieber auf einem Tages- oder Festgeldkonto zu parken. Das bringt 3,5 bis 4 Prozent, für Neukunden oder die Anlage begrenzter Summen sogar 4,5 Prozent und mehr. Der Vorteil von Tagesgeldkonten ist, dass die Zinsen kurzfristig immer wieder angepasst werden. Auch für Festgeld bieten Direktbanken zurzeit deutlich mehr als die Inflationsrate (siehe Tabelle).

2. Immobilien und Immobilienfonds

Immobilienbesitzer haben in der Regel Kredite mit festgeschriebenen Zinsen aufgenommen. Ihr Vorteil: Je höher die Geldentwertung ist, desto stärker sinken real, also preisbereinigt, die Schulden. Als Vermögensanlage zum Schutz vor Inflation taugen Immobilien nur dann, wenn mit steigenden Preisen auch die Mieten steigen. Das ist eher in guten Lagen und in wachsenden Städten wahrscheinlich. Einfacher ist es, einen offenen Immobilienfonds zu kaufen. So wird das eingesetzte Kapital in viele Büro- und Geschäftsgebäude investiert, das Risiko ist breiter gestreut. Empfehlenswert sind deutsche Fonds, die nicht an den überhitzten Immobilienmärkten der USA, Spaniens oder Irlands engagiert sind.

3. Aktien und Aktienfonds

Auch Aktien sind Sachwerte. Denn wer sich an einem börsennotierten Unternehmen beteiligt, erwirbt auch Anteile an den firmeneigenen Maschinen und Immobilien. Aktien haben einen eingebauten Inflationsschutz. Steigen die Preise, steigen die Werte in der Regel mit. Helen Windischbauer, Analystin bei Union Investment, sagt: "Ohnehin bieten sich die jetzt niedrigen Einstiegskurse zum Aktienerwerb an." Da Energie und Lebensmittel Preistreiber sind, empfiehlt sich etwa der Energie- und Agrarsektor. Am einfachsten geht das mit gut gemanagten Aktienfonds, die sich auf die genannten Branchen konzentrieren und auf fundamentale Änderungen an den Energie- oder Rohstoffmärkten sofort reagieren können.

4. Rohstoffe

Gold ist eine sichere Bank – sein Preis ist allerdings bereits seit Jahren kontinuierlich gestiegen und hat im März 2008 bei über 1000 Dollar pro Unze ein Allzeithoch erreicht. Auch das ist keine Überraschung: Immer wenn der Dollar schwächelt, steigen Rohstoffe wie Gold oder Öl im Wert an. Die Alternative für Anleger ist es, in Rohstoff-Fonds oder Rohstoff-Indizes zu investieren. Denn Analysten erwarten, dass die Rohstoffpreise weiter steigen werden.

5. Anleihen

Festverzinsliche Papiere sind eigentlich die Hauptverlierer der Inflation. Aber neuerdings gibt es eine besondere Form, bei der das Vermögen der Anleger nicht angeknabbert wird: inflationsgeschützte Anleihen, Linker genannt. Bei diesen Anleihen wird ein fester, aber niedriger Zins gezahlt plus Inflationsausgleich. Beispiel: Eine fünfjährige herkömmliche Anleihe bringt einen Zins von 4,5 Prozent. Eine fünfjährige inflationsgesicherte Anleihe wird zum festen Zins von 2,1 Prozent angeboten. Plus versprochenem Inflationsausgleich von 3,0 Prozent kommt sie auf eine Rendite von 5,1 Prozent. Das wäre derzeit also eine empfehlenswerte Geldanlage. Sinkt die Inflation aber wieder auf 2,4 Prozent, bringt die Inflationsanleihe ebenfalls 4,5 Prozent (2,1 Prozent fest plus Ausgleich 2,4 Prozent). Sinkt die Inflation unter 2,4 Prozent, fährt man mit dem Produkt schlechter. Herkömmliche Anleihen werden wieder attraktiv, wenn es der EZB gelingt, die Inflationsrate zu drücken, oder wenn sich die Konjunktur in Euroland spürbar abkühlt und deshalb die Preise sinken.