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Kritik an Altersvorsorge Versicherungsbranche verteidigt Riester-Rente


Sinnvoll oder nicht? Der Streit um die Riester-Rente geht weiter. Die Versicherungswirtschaft verteidigt ihre Produkte. Aber auch die Kritiker der Altersvorsorge legen noch einmal nach.

Die Versicherungsbranche verteidigt ihre Riester-Produkte vehement. Die private Altersvorsorge mit Unterstützung des Staates sei vor allem für Geringverdiener und Familien besonders rentabel, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Dienstag. Auch für durchschnittlich verdienende Singles biete die Riester-Rente eine "interessante" Altersvorsorge.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte vor knapp zwei Wochen eine vernichtende Bilanz zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente gezogen und sie sogar grundsätzlich in Frage gestellt. Der GDV kritisierte nun die seiner Ansicht nach "zum Teil auch politisch motivierte Anti-Riester-Kampagne", welche die Bemühungen von Staat und Anbietern zur Förderung der privaten Vorsorge konterkariere.

Riester-Vorsorge lohnt sich nur Dank Zulagen

Der Verband präsentierte eigene Berechnungen, nach denen die Riester-Rentner spätestens mit 75 Jahren ihre Einzahlungen wieder zurückbekommen. Jedes weitere Lebensjahr steigere die Rendite. In den GDV-Rechenbeispielen werden für über 90-Jährige Renditen von 6,5 Prozent und mehr ausgewiesen - Überschussbeteiligungen mit eingerechnet.

Der GDV betonte, er habe bei seinen Rechenbeispielen im Gegensatz zum DIW auch die "wichtige rentabilitätssteigernde Wirkung der Riester-Zulagen" berücksichtigt - etwa die Steuerersparnis während der Einzahlungsphase. Der statistische Effekt: Durch die staatliche Förderung steigt die Rendite für den Beitragszahler.

An der wirtschaftlichen Rentabilität der Riesterprodukte ändert das jedoch wenig: Das DIW hatte bemängelt, die Angebote der Versicherer hätten sich im Lauf der Jahre zum Nachteil der Verbraucher entwickelt - wegen der höheren Lebenserwartung der Versicherten, einer zum Nachteil der Sparer veränderten Überschussbeteiligung und eines um fast ein Drittel gesunkenen Garantiezinses.

Vorsorgesparer müssen mindestens 85 werden

Die Versicherungsbranche verteidigte sich gegen den Vorwurf, zu Ungunsten der Versicherten zu kalkulieren: Sie müsse "vorsichtigere" Annahmen zur Lebenserwartung treffen als etwa das Statistische Bundesamt. Schließlich gehe es darum, auch für Versicherte, die immer länger leben, ausreichend Geld zurückzulegen. Wer privat vorsorge, indem er Geld in den Sparstrumpf stecke oder aufs Tagesgeld-Konto lege, gehe meist von einer subjektiven Lebenserwartung aus, die sich an der der Eltern oder Großeltern orientiere - das sei aber zu niedrig.

Aber auch die Kritiker der Altersvorsorge legten am Dienstag noch einmal nach: "Die Riester-Rente ist ein gutes Geschäft - aber nur für die Anbieter, nicht für die Verbraucher", schreibt die Zeitschrift Ökotest in einer Pressemitteilung. Allen "Zahlenspielereien des GDV" zum Trotz könne der Verband nicht widerlegen, dass die Vorsorgesparer im Schnitt 85 werden müssten, "um ihre Einzahlungen und die Zulagen annähernd zurückzuerhalten und mindestens 90, um eine Rendite zu erzielen, die bis zu ein Prozent unter der in Aussicht gestellten Gesamtverzinsung liegt."

pen/AFP/DPA DPA

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