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Langer Zeithorizont Alles spricht für Aktien


Es ist ein Dilemma: Die Lebenserwartung steigt, aber das Rentenniveau sinkt. Wer im Alter nicht auf Gewohntes verzichten will, sollte sich rechtzeitig überlegen, mit welcher Geldanlage er vorsorgen will.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat in einer Studie nachgewiesen, dass bei realistischer Einschätzung der Lebenserwartung 59 Prozent aller deutschen Haushalte die entstehende Rentenlücke mit dem heutigen Sparverhalten nicht füllen können. Vermögen zu bilden, ist somit wichtiger denn je. Die richtige Vorsorgestrategie hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Die wichtigsten sind das Lebensalter und somit die verbleibende Zeit bis zum Rentenantritt sowie die finanzielle Situation, die Lebensumstände, die Ziele und die Risikoneigung.

Mittelweg zwischen Rendite und Risiko

Über das Verhältnis von Rendite und Risiko zerbrachen sich schon viele schlaue Leute den Kopf. Zu den Bekanntesten gehört Harry M. Markowitz, der bereits 1952 herausfand, dass durch die optimale Streuung von Risiken, auch Diversifikation genannt, wesentlich höhere Renditen bei geringem Risiko erzielt werden können. Oder anders formuliert: Durch eine geschickte Kombination von Anlageklassen, die nur eine geringe Korrelation – sprich Wechselbeziehung – aufweisen, lassen sich bessere Resultate erzielen als mit mehr oder minder zufällig ausgewählten Wertpapieren.

"Lege niemals alle Eier in einen Korb", sagte Markowitz. Denn fällt der Korb herunter, gehen höchstwahrscheinlich alle Eier zu Bruch. Sinnvoller und effektiver ist es somit, die Eier auf mehrere Körbe zu verteilen. Für diese Portfolio-Theorie bekam Markowitz 1990 sogar den Nobelpreis.

Oberstes Gebot: Risikostreuung

Für die Anlage bedeutet dies, nicht nur auf Aktien oder Anleihen zu setzen, sondern in verschiedene Assetklassen zu investieren. Dass dabei speziell für Privatanleger Fondssparpläne zu empfehlen sind, ist unstrittig. Investmentfonds haben den großen Vorteil, dass sie die Markowitz-Theorie der Diversifikation bereits bis zu einem gewissen Grad umsetzen. Aktienfonds Welt oder Europa eignen sich am besten, weil sie bereits viele Aktien aus verschiedenen Ländern und Branchen im Depot haben.

Anhand des Rendite-Riskoprofils sollte der Anteil der Aktien- beziehungsweise der Anleihenquote im Depot ausgerichtet werden. Der Investor sollte sich also fragen: Bin ich ein eher vorsichtiger Typ und verzichte damit möglicherweise auf ein paar Prozentpunkte Rendite oder riskiere ich mehr, auch wenn damit das Risiko des Verlustes steigt? Die bekannte Faustformel "der Aktienanteil im Verhältnis zu Anleihen soll 100 minus Lebensalter betragen" ist dabei nicht mehr als eine sehr grobe Richtschnur. "Das ist eine Mentalitätsfrage. Aber je älter man wird, desto sicherer sollte man investieren", sagt Doris Kappes von der Verbraucherzentrale Hamburg. Umgekehrt bedeutet dies also, dass jüngere Anleger durchaus etwas riskanter investieren darf.

Aktien bringen mehr Ertrag

Gegenüber den als sicher geltenden Anleihen besitzen Aktien langfristig deutlich bessere Ertragschancen. Das hat Raimond Maurer, Professor für Portfoliomanagement und Alterssicherung an der Goethe-Universität Frankfurt in einer Untersuchung mit seinem Assistenten Frank Reiner nachgewiesen. In allen 25-jährigen Anlagezeiträumen seit 1950 konnte der Anleger, der in Dax-Werte investierte, bis 2003 bei einer Anfangsinvestition von 10.000 Euro durchschnittlich 112.000 Euro erzielen. Der beste Zeitraum hätte 300.000 Euro gebracht, beim schlechtesten Zeitraum wären immerhin noch 41.000 Euro herausgekommen. Zum Vergleich: Bei einer Investition in Renten schwankte der Wert der Untersuchung zufolge zwischen 35 700 Euro und 63.700 Euro. Im Schnitt kamen bei Renten 48 700 Euro heraus. "Die Renditen von Renten sind sehr kalkulierbar. Wenn man aber langfristig eine deutlich bessere Performance erzielen will, kommt man um Aktien nicht herum", sagt Maurer.

"Je nach Neigung des Anlegers oder Auslegung des Konzeptes eines Beraters sind natürlich Aktienfonds die favorisierte Anlageklasse", sagt auch Markus Zschaber von der V.M.Z. Vermögensverwaltung in Köln. Seiner Empfehlung nach können Anleger, die 30 Jahre Zeit haben, durchaus 100 Prozent in Aktienfonds investieren. "Der Vorsatz muss aber sein, je näher er an sein Rentenalter kommt, muss er die tatsächliche Aktienquote seines Depots minimieren, bis vielleicht auf 20 Prozent, wenn er im Rentenalter ist", sagt der Vermögensverwalter.

Je näher die Rente, desto risikoärmer die Anlage

"Die Aktie bietet gegenüber anderen Anlageformen einen klaren Renditevorsprung", sagt auch Christine Helbig vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Unverzichtbar für den Einsatz in der Altersvorsorge seien jedoch ein langfristiger Anlagehorizont und eine breite Streuung der Werte, um das Risiko zu minimieren. Allerdings ist es wichtig, den Ausstieg nicht zu verpassen. Darum lautet der Tipp von Finanzexperten wie Zschaber, Maurer und Helbig: Sparer mit einem langfristigen Anlagehorizont sollten zunächst auf die Ertragschancen von Aktien setzen und erst gegen Ende der Spardauer, also kurz vor der Rente in schwankungsärmere Produkte wie Renten-, offene Immobilienfonds oder Geldmarktprodukte wechseln.

Eine interessante Anlagemöglichkeit bieten auch die so genannte Life Cycle oder Zielfonds. Die Produkte mischen Aktien und Rentenpapiere und sind genau auf die Lebensplanung des Anlegers abgestimmt. Wer etwa heute mit einem Renteneintritt um das Jahr 2020 kalkuliert, kann sich für einen Fonds entscheiden, der genau bis zu diesem Zeitpunkt läuft. Dieser investiert derzeit, da das Rentenalter noch weit entfernt ist, ausschließlich in Aktien, um die Renditechancen zu erhöhen. Im Laufe der Zeit sinkt der Aktienanteil zu Gunsten von High-Yield-Bonds, die später Staatsanleihen, und Geldmarktpapieren Platz machen müssen. Im Jahr 2020 schließlich wird das Management nur noch Bargeld halten.

Zertifikate haben einen Haken

Um die Performancechancen zu erhöhen, kommen für das Altersvorsorge-Depot nicht nur aktiv gemanagte Fonds in Frage. So sind auch Indexfonds, Zertifikate und ETFs eine kostengünstigere Option. Einschränkung bei Zertifikaten: Bei diesen strukturierten Produkten handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen. Geht die Bank, die das Zertifikat begeben hat, pleite, geht der Anleger - anders als bei einer Fondsanlage - leer aus.

Heino Reents

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