Marktplatz Nasdaq Deutschland gestartet


Nach einem glatten Start der neuen Handelsplattform Nasdaq Deutschland am Freitag Morgen beginnt nun das Hoffen auf eine Rückkehr der Privatanleger an die Börse.

«Es läuft alles hervorragend», jubelten die Börsen-Manager am Freitagmorgen in Berlin zum Start der neuen Handelsplattform Nasdaq Deutschland. Fügten aber hinzu, «technisch» laufe alles bestens. Der Handelsstart punkt 9.00 Uhr verlief an den Monitoren in der Tat reibungslos. Allein in der ersten Stunde wurden nach Händlerangaben mehrere hundert Kauf- und Verkaufsaufträge über die elektronische Plattform abgewickelt. «Das System läuft perfekt», zog Börsenchef Jim Weber eine erste Bilanz.

Spezielle Angebote für Kleinanleger

Ob der Vorstoß der bisher international weniger erfolgreichen US-High-Tech-Börse Nasdaq und ihrer deutschen Partnerbanken und -börsen am Ende ein Erfolg wird, ist mehr als offen. Mit speziellen Angeboten für die frustrierten Kleinanleger will die Nasdaq Deutschland nicht nur auf dem deutschen Markt Fuß fassen, sondern auch international den Durchbruch schaffen. Hier zu Lande tritt der Nasdaq-Ableger in Konkurrenz zur bisher übermächtigen Deutsche Börse in Frankfurt und zu deren elektronischem Handelssystem Xetra.

Keine überzogenen Erwartungen

Die Nasdaq-Deutschland-Spitze hat wegen der Börsenturbulenzen und des ungünstigen Zeitpunkts für den Handelsstart vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Man sei mit dem Geschäftsmodell auf ein schwieriges Börsenjahr 2003 eingestellt und habe eine langfristige Vision für die Entwicklung in Europa, sagte Weber, der auch Chef des Mehrheitseigners der neuen Börse Nasdaq Europe ist.

Konkurrenz zu "Xetra"

Um Erfolg zu haben, verspricht Nasdaq Deutschland günstige Kurse über eine Bestpreisregelung und schnelle Orderabwicklung. Dazu können beteiligte Banken Aufträge ihrer Kunden aus eigenem Bestand realisieren und müssen ihre Order nicht über die Börse abwickeln. Sie sparen Gebühren und können bessere Preise anbieten. Das nennt sich «Internalisierung». Die Plattform dafür heißt bei Nasdaq Deutschland «Best Ex», das Konkurrenzprodukt der Deutschen Börse «Xetra Best».

Anerkennung als Börsenpreis

Die Nasdaq Deutschland kann nun dank ihrer Börsenpartner Berlin und Bremen für sich verbuchen, dass durch die Zulassung der Aufsichtsbehörde die über «Best Ex» ermittelten Aktienkurse auch als Börsenpreis anerkannt werden. Die Frankfurter Börse hat dagegen diese Zulassung durch ihre Aufsicht nicht. Ob der Inhalt auch hält, was die Nasdaq-Verpackung verspricht und Kunden nichts vorgegaukelt wird, mag dahin gestellt sein. Weber sagte jedenfalls, Inhalt und Verpackung stimmten «absolut» überein. «Wenn Börsenhandel stattfindet, werden auch Börsenpreise generiert», ergänzte Vorstandskollege Jörg Walter.

Zunächst 128 US-Aktien

Den Handelsstart ließ die neue Börse zunächst etwas ruhiger angehen. Die Gemeinschaftsplattform aus Nasdaq, Dresdner Bank, Commerzbank, comdirect sowie den Börsen Berlin und Bremen begann zunächst mit 128 US-Aktien. Weitere 110 Werte deutscher Indizes sollen am 7. April folgen. Mittelfristig sollen 3.000 Titel gehandelt werden. Dass der Start ausgerechnet auf den Freitag fiel, dürfte auch damit zu tun haben, dass der Konkurrent in Frankfurt an diesem Montag mit seiner neuen Indexstruktur beginnt. Ziel der Nasdaq war bisher, in drei Jahren einen Marktanteil von 15 Prozent zu bekommen und damit zweitgrößter deutscher Handelsplatz zu werden. Bei günstiger Marktentwicklung will die Börse im nächsten Jahr operativ die Gewinnschwelle erreichen.


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