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MLP: "Die Krise liegt hinter uns"

Die MLP-Führung möchte nach Vorjahresverlusten und Ermittlungen in Sachen Bilanzmanipulation gerne hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Doch zuvor galt es Schelte von den Aktionären einzustecken.

Der Finanzdienstleister MLP will nach einem Geschäftsjahr mit tief roten Zahlen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Bilanzmanipulation die finanzielle Talsohle wieder verlassen. "2003 wird ein Jahr des operativen Wachstums sein", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernhard Termühlen auf der Hauptversammlung in Mannheim. "Die Krise liegt hinter uns." Harte Kritik an der Bilanzierungspraxis und Informationspolitik des Heidelberger Unternehmens kam dagegen von den Aktionären.

Termühlen bekräftigte die Prognose, MLP werde in 2003 einen Vorsteuergewinn von 65 Millionen Euro erreichen. "Unsere Annahme basiert auf einem moderaten operativen Wachstum mit einem zum Vorjahr vergleichbaren Neugeschäftsvolumen", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Dabei gehen wir von einer hohen Nachfrage nach klassischen Lebensversicherungen aus." Die Zahl der Kunden soll auf 575 000 wachsen. Dazu soll wieder eine Dividende ausgeschüttet werden. In diesem Jahr gehen die Aktionäre leer aus.

Die Mannheimer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen MLP wegen Insiderhandels und Bilanzmanipulation. Die Aktie des auf Akademiker spezialisierten Finanzdienstleisters verlor 2002 den Angaben zufolge 88 Prozent ihres Werts. MLP war Mitte Mai nur knapp der Rauswurf aus dem DAX entgangen. Die Aktien legten am Dienstag um 2,63 Prozent auf 12,89 Euro zu.

Harsche Töne von den Aktionären

Die Union-Investment-Gruppe und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) forderten, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat abzulehnen. Als Grund nannte der Manager der Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Olgerd Eichler, die ungenügenden und mitunter der Täuschung nahe kommenden Informationspolitik von MLP. Der Absturz des Aktienkurses basiere auf Managementfehlern. Eine Aktionärin forderte den Rücktritt des Vorstandschefs.

Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft rügte, der Finanzdienstleister habe die Aktionäre nicht über die Gewinnsituation des Unternehmens informiert. Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf dem MLP-Vorstand eine "Bunker-Mentalität" vor. Mangelnde Transparenz bei MLP war auch eine Hauptkritik der Analysten. Die Aktionärsvertreter erklärten jedoch, mit der Einstellung von Finanzchef Uwe Schroeder-Wildberg habe es einen positiven Kurswechsel gegeben.

Tiefrote Zahlen im Vorjahr

2002 hatte der Finanzdienstleister beim Ergebnis nach Steuern einen Fehlbetrag von 47,6 Millionen nach plus 98,9 Millionen Euro im Vorjahr erzielt. Das Ergebnis vor Steuern lag bei minus 36,6 Millionen Euro (2001: plus 151 Mio). Die Erlöse stiegen auf 1,13 Milliarden nach 1,05 Milliarden Euro. Im ersten Quartal sank der Gewinn vor Steuern auf 8,5 Millionen nach 24,5 Millionen Euro. Der Überschuss lag bei 5,1 (Vorjahr: 15) Millionen Euro. Der Umsatz verringerte sich auf 233,7 Millionen nach 241,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Auf der Hauptversammlung wollte der Mitbegründer des größten deutschen Softwarekonzerns SAP, Dietmar Hopp, aus dem Aufsichtsrat von MLP ausscheiden. Hopp gehört seit 2001 dem Kontrollgremium an. Gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen des Verdachts ermittelt, mit Geld aus seiner eigenen gemeinnützigen Stiftung für MLP-Chef Termühlen gebürgt zu haben. Ende Mai wurde angekündigt, dass die Ermittlungen gegen Hopp eingestellt werden.

DPA