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Nach Nasdaq-Aus: Regionalbörsen bangen um ihre Zukunft

Das kurze Gastspiel des Nasdaq ist symptomatisch für das aktuelle deutsche Anlegerverhalten, fürchten die Regionalbörsen. Man rechnet mit einem Konsolidierungsprozess.

Nach dem Aus des Deutschland-Ablegers der US- Technologiebörse Nasdaq bangen einige Regionalbörsen im Land um ihre Zukunft. "Nur zwei bis drei Regionalbörsen können überleben", sagte die Geschäftsführerin der Börse München, Christine Bortenlänger, am Donnerstag der dpa. Auch nach Einschätzung der Düsseldorfer Börse werden die sechs kleineren Handelsplätze nach Frankfurt/Main ebenso wie die Nasdaq mit der zunehmenden Abneigung der Privatanleger zu kämpfen haben. Die Nasdaq Deutschland hatte am Dienstag angekündigt, den erst Ende März begonnenen Handel am 29. August einzustellen.

"Alle Regionalbörsen rechnen mittelfristig mit einem Konsolidierungsprozess", sagte der Geschäftsführer der Düsseldorfer Börse, Dirk Elberskirch. Er erwarte aber keine Zusammenschlüsse. "Das Thema Fusion ist schon Ende der 90er Jahre abgehakt worden, zudem ist nicht ersichtlich, wer davon profitieren könnte." Ein gemeinsames Computersystem, bei dem am meisten gespart werden könnte, hätten die deutschen Börsen seit mehr als zehn Jahren.

Dienstag war das Ende der Nasdaq bekannt geworden

Am Dienstag verlautete, der Deutschland-Ableger der US-Technologiebörse Nasdaq werde wenige Monate nach dem Start schon wieder geschlossen. Die Nasdaq Deutschland werde den Handel am 29. August einstellen, hieß es nach einer Sitzung des Aufsichtsrats. Künftig will sich die US-Börse, die in Deutschland mit drei Banken sowie der Börse Berlin-Bremen zusammenarbeitete, wieder auf den Heimatmarkt konzentrieren. Von den Handelsplätzen Brüssel und Tokio hatte sie sich schon verabschiedet.

Kurzer Ausflug in den deutschen Markt

Die Nasdaq Deutschland war erst Ende März gestartet. Die Hälfte der Anteile waren im Besitz der US-Börse, die auch die Namensrechte hält. Auf die Börse Berlin-Bremen sowie die Dresdner Bank entfielen jeweils 15 Prozent, die Commerzbank und deren Online-Tochter comdirect jeweils zehn Prozent. Die Anteile sollen nach dpa-Informationen jetzt an die Bremer Börse übertragen werden.

Ziel war eigentlich, bis 2006 auf einen Marktanteil von 15 Prozent zu kommen und hinter der Deutschen Börse die Nummer zwei zu werden. Bei "günstiger Marktentwicklung" sollten schon 2004 Gewinne geschrieben werden. Trotz eines leichten Aufschwungs an den Aktienmärkten kam die Nasdaq Deutschland jedoch nicht auf nennenswerte Umsätze.

Regionalbörsen wollen jetzt teilweise zusammenarbeiten

Unterdessen kündigten die Börsen Hannover und Hamburg im Berliner 'Tagesspiegel' an, mit der Börse Berlin-Bremen über eine Zusammenarbeit in Teilbereichen sprechen zu wollen. Dort wurde das Angebot positiv aufgenommen. Zugleich betonte eine Sprecherin in Berlin: "Wir konzentrieren uns jetzt wieder verstärkt auf unser Kerngeschäft, etwa internationale Werte oder das offene Orderbuch."

In Düsseldorf gab es bei den Orderzahlen der Geschäftsführung zufolge bis Ende Juli einen Einbruch um etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dagegen gab es auf dem Stuttgarter Parkett im ersten Halbjahr 12,9 Prozent mehr Orders als im Vergleichszeitraum. Bei Auslandsaktien kletterte der Umsatz an der Stuttgarter Börse um 52,8 Prozent auf 3,39 Milliarden Euro. Börsen-Vorstandsmitglied Andreas Willius wertete die Zahlen als Anzeichen für die Rückkehr der Anleger an den Aktienmarkt.

Lust auf Aktien schwindet

Nach Erkenntnissen des Deutschen Aktieninstituts vergeht den Menschen in Deutschland jedoch insgesamt die Lust auf Aktien. Nach Angaben des Frankfurter Instituts aus der vergangenen Woche besaßen im ersten Halbjahr dieses Jahres 11,1 Millionen Anleger Aktien oder Aktienfonds. Das waren 3,2 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2002. Der Anteil der Aktionäre an der Bevölkerung sank seit dem Höchststand im ersten Halbjahr 2001 von 21 Prozent auf 17,3 Prozent.

In einem stärker umkämpften Markt rechnen Düsseldorf, Stuttgart und Berlin sicher mit ihrem Überleben. Die Münchner Börse will mit ihrem neuen Handelssystem MAX-ONE Boden gut machen. Seit Einführung dieses Handelssystems verzeichnet München nach Angaben der Geschäftsführung deutliche Zuwachsraten. Während die Umsätze des Gesamtmarktes von Mai bis Juli im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent fielen, gab es im Münchner Handel 44 Prozent Plus.