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Prokon-Pleite: Was jetzt mit dem Geld der Anleger passiert

Sie wollten mit grüner Energie Geld verdienen, nun bangen die Prokon-Anleger um ihr Geld. Was die Insolvenz für die 75.000 Kunden bedeutet und wie Betroffene sich verhalten sollten.

Bis zuletzt hofften die Prokon-Anleger, dass das Unternehmen noch die Kurve kriegt. Doch am Mittwochnachmittag beantragte der Windkraftfinanzierer Insolvenz. Nun droht eines der brisantesten Insolvenzverfahren deutscher Unternehmensgeschichte. 75.000 Kunden haben 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten investiert, jetzt muss der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schauen, was noch zu retten ist. Möglicherweise könne das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit sogar fortsetzen, sagte Penzlin am Donnerstag. Die Sorge der Anleger um ihr Geld ist aber berechtigt.

Ist das Geld der Anleger verloren?

Ein Teil ist ziemlich sicher weg, wahrscheinlich aber nicht alles. Denn das Unternehmen ist zwar nicht mehr liquide, verfügt aber über Sachwerte wie Windkraftanlagen, in die das Geld investiert wurde. Diese könnten nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens verkauft werden. Das Problem der Anleger: Sie müssen sich mit ihren Ansprüchen hinten anstellen. "Als Kapitalgeber haben die Investoren lediglich sogenannte nachrangige Forderungen in der Hand", erklärt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Anlegerschutzvereinigung DSW. Bedeutet: Der gemeine Anleger bekommt erst dann Geld, wenn alle anderen Gläubiger - Banken, Lieferanten, Beschäftigte - befriedigt sind. Wenn dann noch etwas übrig ist. "Wie hoch dieser Rest ist oder ob die Genussrechtsinhaber gänzlich leer ausgehen, kann nicht sicher gesagt werden", schreibt die Verbraucherzentrale NRW. Bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens und einer möglichen Auszahlung an Genussrechteinhaber könnten Jahre vergehen.

Was können Anleger tun?

Derzeit wenig. Da sich Prokon im vorläufigen Insolvenzverfahren befindet, können Anleger ihr Geld nicht einklagen. Sie müssen auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens warten und dann ihre Ansprüche anmelden. Auf keinen Fall sollte man Prokon in irgendeiner Form weiteres Geld überweisen.

Sollten Betroffene einen Anwalt einschalten?

Rechtsanwälte können versuchen, die Chancen der geschädigten Anleger an ihr Geld zu kommen zu erhöhen. Könnte man beispielsweise nachweisen, dass die AGB von Prokon intransparent und somit unwirksam gewesen seien, hätten die Anleger bei der Verteilung der Insolvenzmasse bessere Karten, sagt Rechtsanwalt Marc Gericke. Auch Schadensersatzforderungen seien eine Möglichkeit. Verbraucherschützer raten aber zur Zurückhaltung, weil ein Prozess teuer und der Ausgang ungewiss ist.

Was gilt für Stromkunden?

Wer über Prokon Strom bezieht, den trifft es nicht besonders hart. Zum einen läuft die Versorgung bislang wohl noch. Sollte Prokon diese einstellen, würden Kunden automatisch in die Grundversorgung rutschen und könnten sich einfach einen neuen Anbieter suchen. Zum anderen hat Prokon im Gegensatz zu den Fällen von Teldafax und Flexstrom wohl keine Vorauskasse-Tarife angeboten.

Daniel Bakir