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Prokon-Insolvenz: Gläubigerversammlung stellt Weichen für Sanierungsplan

Tag der Wahrheit für das insolvente Windenergieunternehmen Prokon. In Hamburg stimmen die Gläubiger über das vorläufige Sanierungskonzept ab.

Eine der größten Gläubigerversammlungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte geht am Dienstag in Hamburg über die Bühne.

Gläubiger des zahlungsunfähigen Windenergieunternehmens Prokon stimmen über ein vorläufiges Sanierungskonzept des Insolvenzverwalters ab. Rund 75.000 Kapitalgeber hatten rund 1,4 Milliarden Euro in der heute überschuldeten Firma angelegt. Sie dürften ein Großteil ihres Kapitals verlieren. Wie viele Anleger zu der nicht öffentlichen Versammlung kommen werden, ist noch offen.

Seit 8 Uhr sind die Pforten einer Messehalle mit rund 13.000 Plätzen geöffnet, etwa 100 Gläubiger warteten schon. Die Versammlung beginnt um 11 Uhr.

Die Teilnehmer sollen dem Insolvenzverwalter den Auftrag erteilen, den Sanierungsplan auszuarbeiten. Anfang 2015 wird dann endgültig darüber abgestimmt. Seit Wochen tobt ein Kampf in der Öffentlichkeit zwischen Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus und dem Insolvenzverwalter, dem Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin. Er will das Kerngeschäft des Windparkbetreibers und rund 300 Arbeitsplätze von ehemals 450 erhalten.

Der Insolvenzverwalter hatte den Ex-Chef fristlos entlassen kurz bevor das Insolvenzverfahren über die Prokon Regenerative Energien GmbH am 1. Mai eröffnet wurde. Rodbertus will sein zahlungsunfähiges, überschuldetes Unternehmen als Ganzes erhalten. Er wirbt über die "Arbeitsgemeinschaft für eine lebenswerte Zukunft von Prokon" für seine Pläne. Mehr als 12.000 Anleger mit deutlich mehr als 200 Millionen Euro will er auf seiner Seite haben. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus wegen Insolvenzverschleppung.

Finanzielle Schieflage

Als Gegenpart agiert der Verein "Freunde von Prokon" mit rund 9500 Mitgliedern, der sich von Rodbertus losgesagt hat. Dieser Verein gibt das von ihm vertretene Kapital mit rund 270 Millionen Euro an. Andere Kapitalgeber kommen entweder selbst, bleiben weg oder lassen sich von Anlegerschützern vertreten. Auf rund 75 Millionen Euro hatte Penzlin die Forderungen von Banken, Lieferanten und Sozialversicherungen gegenüber Prokon beziffert. Die Summe der gekündigten Genussrechte lag bei rund 400 Millionen Euro und brachte das Unternehmen in finanzielle Schieflage, weil es diese Anteile nicht zurückzahlen konnte.

Am Dienstag erläutert der Insolvenzverwalter den Gläubigern Eckpunkte seines Sanierungskonzepts. Es sieht vor, Unternehmensteile und Beteiligungen zu verkaufen und damit Forderungen zu begleichen. Bisherige Genussrechtsinhaber sollen aber auch in Zukunft an der Firma beteiligt bleiben können. Bei der Versammlung muss mehr als die Hälfte des anwesenden und vertretenen Genussrechtskapitals den Plänen des Insolvenzverwalters zustimmen. Er hat in Aussicht gestellt, dass Gläubiger etwa 30 bis 60 Prozent (Insolvenzquote) ihrer Forderungen zurückbekommen könnten.

Maas: "Anleger besser vor Risiken schützen"

Unterdessen sollen Anleger künftig besser vor riskanten Finanzprodukten geschützt werden. Das bekräftigte Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) im "Tagesspiegel". Damit will die Politik auch auf ähnlich gelagerte Fälle wie Prokon reagieren. "Viele Anleger hoffen, dass sie im Insolvenzverfahren ihr investiertes Geld zurückbekommen", sagte der Minister und fügte hinzu: "In Zukunft sollte es so weit nicht mehr kommen." Anleger müssten die Risiken erkennen können. "Deshalb wird es strengere Vorgaben für den Verkaufsprospekt geben und die Zulässigkeit von Werbung für Vermögensanlagen wird beschränkt", unterstrich Maas.

kng/DPA / DPA