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Prokon-Gläubigerversammlung: Showdown vor Tausenden geprellten Anlegern

Die insolvente Ökofirma Prokon lädt zur Gläubigerversammlung nach Hamburg. Für manche Anleger geht es um 500 Euro, für andere um Hunderttausend. Die Versammlung begann mit einem Eklat.

Von Daniel Bakir

Sie kommen in Polo-Hemden und kurzen Hosen. Sie kommen aus Berlin, Porta Westfalica oder Leverkusen. Sie haben 500 Euro investiert oder Hunderttausend. Und alle wollen sie wissen, wie es weiter geht mit der insolventen Firma Prokon: Mehr als 4000 Anleger sind am Dienstag zum Hamburger Messegelände gepilgert, um an einer der größten Gläubigerversammlungen der deutschen Wirtschaftsgeschichte teilzunehmen.

Dort kommt es zum Showdown zwischen Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin und dem von ihm abgesetzten Firmengründer Carsten Rodbertus. Der hatte einst 75.000 Anleger mit Renditeversprechen von acht Prozent geködert, die durch Windparks und andere grüne Projekte erwirtschaftet werden sollten. Die Rechnung ging nicht auf: Am 1. Mai wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Auf der Gläubigerversammlung wirbt Penzlin nun für einen Sanierungsplan zur Rettung des Prokon-Kerngeschäfts. Die Gläubiger sollen so 30 bis 60 Prozent ihres Geldes wiederbekommen. Die drei großen Anlegerzusammenschlüsse DSW, SdK und "Freunde von Prokon" unterstützen den Plan. Rodbertus dagegen macht seit Wochen Stimmung gegen Penzlin und will ihn auf der Veranstaltung abwählen lassen. Er wirft ihm vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Insolvenzverschleppung.

Eklat um 15.000 Stimmrechte

Zum ersten Eklat kommt es bereits vor Beginn der Versammlung um elf Uhr: Das Gericht verweigert 15.000 Genussrechteinhabern ihr Stimmrecht, weil die von ihnen ausgestellten Vollmachten nicht formgerecht seien. Es soll sich dabei um Vollmachten handeln, die ein Vertrauter von Rodbertus eingesammelt hat. Ohne diese Stimmen dürften sich die Ambitionen des Ex-Chefs erledigt haben.

Definitiv abstimmen dürfen dagegen diejenigen, die sich persönlich aufgemacht haben. Wir haben einige von ihnen vor der Veranstaltung gesprochen. Es dürfte ein langer Tag für sie werden: Das Gericht hat in Aussicht gestellt, die Versammlung könne bis Mitternacht dauern.

Peter B. aus Rellingen (Schleswig-Holstein)

"Ich möchte Informationen über die Hintergründe der Insolvenz erfahren und Klartext hören, wie es jetzt weitergeht. Insolvenzverwalter Penzlin macht auf mich einen seriösen Eindruck, bei Rodbertus weiß ich nicht, was ich von ihm halten soll."

Agnes von Brandis aus Hamburg

"Ich stehe auf der Seite von Herrn Penzlin. Ich gehöre zu den Leuten, die denken, dass sich in der Welt etwas ändern muss. Darum bin ich bei Prokon eingestiegen. Dass Genussrechte eine heikle Angelegenheit sind, war mir klar."

Heinz Kuckert aus Berlin

"Ich bin dafür, das Kerngeschäft zu erhalten und das Unternehmen fortzuführen. Ich werde den Insolvenzverwalter Penzlin unterstützen."

Jens Ziebell aus Leverkusen

"Ich habe mir extra freigenommen, um herzukommen. Ich habe zwar nur 500 Euro eingesetzt, aber es geht mir ums Prinzip. Ich möchte Antworten, mit denen ich etwas anfangen kann, etwa wie viel das Unternehmen noch wert ist."

Holger Losz aus Porta Westfalica

"Ich habe eine fünfstellige Summe investiert. Das ist nicht existenzgefährdend, aber es tut weh. Es ist schwierig, heutzutage Geld anzulegen. Sparer bekommen kaum noch Zinsen. Früher bekam man die acht Prozent, die Prokon versprochen hat, noch aufs Festgeld."

Kerstin Pauli aus Uetersen (Schleswig-Holstein)

"Ich stehe auf der Seite des Insolvenzverwalters. Rodbertus hat uns alle getäuscht. Ich sehe aber ein, dass ich auch selbst schuld bin. Ich hätte mein Geld auch einfach für ein Prozent Verzinsung auf die Bank legen können."