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Windanlagen-Unternehmen: Prokon-Chef entschuldigt sich bei Anlegern

Carsten Rodbertus warnte davor, weiteres Kapital aus der Windanlagen-Firma abzuziehen - jetzt entschuldigte sich der Prokon-Chef bei seinen Anlegern. Diese müssen jedoch weiterhin um ihr Geld bangen.

Investoren zogen mehr als 200 Millionen Euro Kapital ab, die Insolvenz rückt näher - jetzt hat sich die Windanlagen-Firma Prokon bei ihren Anlegern entschuldigt und Fehler eingeräumt. "Wir bitten Sie ausdrücklich um Entschuldigung, wenn Sie sich durch unser Schreiben vom 10. Januar angegriffen oder gar bedroht gefühlt haben sollten", heißt es in einem Schreiben des Geschäftsführenden Gesellschafters Carsten Rodbertus auf der Internet-Seite des Unternehmens. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte am Vortag wegen dieses Schreibens eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt. Die Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe vor, seine Anleger unangemessen unter Druck zu setzen.

"Tatsächlich können wir in der jetzigen Situation keinerlei Rückzahlungen oder Zinsauszahlungen vornehmen", heißt es in dem Schreiben weiter. Rodbertus appellierte erneut an seine Kapitalanleger, auf eine Kündigung zu verzichten oder eine bereits ausgesprochene Kündigung zurückzunehmen. Er brauche Zeit, um die Genussrechte und das Unternehmen zu restrukturieren und wieder auf einen zukunftsfähigen Kurs zu bringen. Es sei im Interesse aller Investoren, eine Insolvenz zu verhindern.

Zudem teilte Rodbertus mit, die gekündigten Genussrechte seien möglicherweise in einem Insolvenzverfahren nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten. Da auch keine weiteren fälligen Forderungen anderer Gläubiger wie Banken, Lieferanten oder Sozialversicherungen bestünden, läge in diesem Fall keine Insolvenz vor und das Gericht müsste einen Insolvenzantrag ablehnen. Zur Überprüfung dieser Frage seien Rechtsgutachten in Auftrag gegeben.

227 Millionen Euro Genusskapital gekündigt

Das Unternehmen Prokon investiert in erneuerbare Energien und finanziert sich fast ausschließlich über Genussrechte. Bei mehr als 75.000 Anlegern hat Prokon rund 1,4 Milliarden Euro eingesammelt. Bislang zahlte das Unternehmen den Anlegern regelmäßig bis zu acht Prozent Zinsen. Weil viele Anleger ihre Genussrechte gekündigt haben, ist das Unternehmen jedoch in einer Liquiditätsklemme.

Die Firma hatte bis zum kommenden Montag von ihren Anlegern eine Erklärung gefordert, dass sie ihr Kapital nicht abziehen. Andernfalls müsse ein Insolvenzantrag gestellt werden. Gegenwärtig sind 227 Millionen von insgesamt 1,4 Milliarden Euro Genusskapital gekündigt - weit mehr als die von dem Unternehmen für vertretbar gehaltenen fünf Prozent.

Anlegerschützer warnen schon seit Längerem vor Genussrechten, weil Investoren im Fall einer Insolvenz meistens nur nachrangig ausgezahlt werden und ihr Kapital daher in der Regel verlieren. Der Fall Prokon hat deshalb auch eine neuerliche Debatte über einen besseren Schutz von Anlegern auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt ausgelöst.

fme/DPA/AFP / DPA