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Reich durch Cyberwährung: Kristoffer Koch, der Bitcoin-Glückspilz

Ein Student aus Norwegen tauschte vor fünf Jahren 27 Dollar in die Internet-Währung Bitcoin um - und vergaß seine Investition. Jetzt ist er reich und wohnt in einem der schicksten Viertel Oslos.

Von Annette Berger

Dieser Mann wäre ganz nach dem Geschmack des ungarischen Börsengurus André Kostolany, der Investoren gern riet: Kaufen - und dann nicht mehr daran denken. Der 1999 verstorbene Finanzfachmann meinte damit, dass man Investitionen ruhig lange liegen lassen soll, bis sie Gewinn abwerfen. So ähnlich hat es ein junger Norweger gemacht, allerdings unbewusst. Ihm ermöglichte jetzt ein eigentlich sehr kleines und lange vergessenes Bitcoin-Guthaben den Kauf einer Wohnung in Oslo.

Für seinen Reichtum benötigte der 29-jährige Ingenieur Kristoffer Koch sage und schreibe umgerechnet nur 27 Dollar. Für diesen Betrag kaufte er 2009 die entsprechende Menge an Bitcoins, der damals ganz neuen Internet-Währung

2009 war Koch gerade dabei, seine Abschlussarbeit zu schreiben - zum Thema Verschlüsselung. Und selbstverständlich verschlüsselte er auch das Passwort für sein Bitcoin-Konto nach allen Regeln der Ingenieurskunst, ist unter anderem bei "News.com.au" zu lesen. Dann vergaß er die ganze Sache.

Mit Bitcoins kann man einkaufen und Pizza ordern

Bitcoins sind ein spezielles Zahlungsmittel im Internet. Sie können gegen gängige Währungen eingetauscht oder als Online-Geld verwendet werden. Zweck und Idee des Computergeldes ist unter anderem - wie bei einer echten Währung - die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen. Die Währung wurde von mehreren Entwicklern als Antwort auf die weltweite Finanzkrise ins Leben gerufen. Die Bitcoin-Erfinder strebten eine Währung an, die unabhängig von Staaten und Banken sein sollte.

Inzwischen akzeptieren etliche Online-Dienste das virtuelle Geld, beispielsweise der Bloghoster Wordpress oder sogar Pizza-Lieferanten. Der Wechselkurs zu echtem Geld wird täglich errechnet und kann extrem schwanken. In manchen Großstädten kann man auch in Läden mit Bitcoins zahlen, unter anderem in San Francisco, Berlin und Vancouver.

In der kanadischen Metrolope Vancouver steht seit gestern sogar ein Bitcoin-Geldautomat, der weltweit erste. Wer ein Konto mit dem Cybergeld hat, kann an diesem Gerät kanadische Dollar abheben - oder im Tausch gegen Bitcoins einzahlen. Das Gerät stellten drei junge Geschäftsleute neben einem Café auf. Sie betreiben schon eine Bitcoin-Wechselstube.

Das Bitcoin-Netzwerk entstand im Januar 2009. Der glückliche Norweger Kristoffer Koch war also gleich am Anfang mit von der Partie.

War da nicht was?

Über Jahre dachte er nicht mehr an seine Investition - bis zu diesem Frühjahr. Im April las er einen Artikel über den Höhenflug der Cyberwährung und erinnerte sich: "Ich überlegte, habe ich nicht auch so etwas?", sagt er rückblickend unter anderem der norwegischen Zeitung "NRK", aus der mehrere Medien zitieren. Wie aber lautete das Passwort? Das war gut verschlüsselt. Als er es schließlich wieder nach einigem Nachdenken geknackt hatte, stellte er fest: Seine 5000 Bitcoins waren inzwischen gut fünf Millionen Kronen wert - oder mehr als 885.500 Dollar.

Er tauschte etwa ein Fünftel seines virtuellen Vermögens in echtes Geld um. Nach Abzug der Steuern hatte er genug Eigenkapital, um den Kauf einer Drei-Zimmer-Wohnung im Osloer Stadtteil Toyen zu finanzieren und sein neues Zuhause auch noch zu sanieren. Toyen zählt zu den reicheren Gegenden der norwegischen Hauptstadt.

Sonst kauft er gern Technik-Schnickschnack

Er habe niemals damit gerechnet, dass der Kurs derart in die Höhe schieße, sagt der junge Mann. Es sei schon "merkwürdig", dass etwas, was eigentlich keinerlei Eigenwert besitze, plötzlich so wertvoll sei. Seine Freundin war eingangs gar nicht begeistert, dass er die Bitcoins überhaupt kaufte. Sie halte eigentlich nichts davon, "echtes" in "falsches" Geld einzutauschen, sagt Koch. Inzwischen habe sie ihre Einstellung zu der ganzen Sache jedoch geändert. Seine Geschichte erzählte er auch der Nachrichtenagentur AFP.

"Sie meint immer, dass ich mein Geld für eine Menge Blödsinn ausgebe", erzählt der junge Mann. Denn er kaufe viele technische Geräte, habe aber meist keine Zeit, sie zu benutzen. Die Sache mit den Bitcoins sei in ihren Augen das Allerschlimmste gewesen - nämlich richtiges Geld in eine Fantasiewährung zu tauschen. Inzwischen dürfte er aber kaufen, was er wolle.

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