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Einkommensverteilung: Trendwende: Rentner erreichen höheren Lebensstandard als die Jungen

Eine neue Studie zeigt, wie die ältere Generation die Millennials abgehängt hat. Das verfügbare Einkommen des typischen Seniorenhaushalts liegt über dem der arbeitenden Bevölkerung. Nur an den Renten liegt das allerdings nicht.

Die ältere Generation kann das Leben genießen, sie hat die arbeitenden Haushalte abgehängt.

Die ältere Generation kann das Leben genießen, sie hat die arbeitenden Haushalte abgehängt.

Neuer Tiefschlag für die Millennials: Inzwischen erzielen Rentner-Haushalte mehr Einkommen als vergleichbare Haushalte der jüngeren und arbeitenden Generation. Die Studie "As Time Goes By" (Wie die Zeit vergeht) der Resolution Foundation hat diese Werte für Großbritannien berechnet. Im Königreich sind die Daten gesichert, der Trend dürfte aber auch für andere westliche Länder Bedeutung haben.

Einmalige Aufholjagd

Adam Corlett, Analyst der Resolution Foundation, ist verblüfft: "Das erstaunlichste Ergebnis unser Erhebung ist, dass der Lebensstandard des typischen Rentnerhaushalts zum ersten Mal in der Geschichte den der arbeitenden Haushalte überflügelt hat." Betrachtet wurden nicht nur die Rentenzahlungen sondern alle Einkünfte der Senioren und daraus wurde ein verfügbares Einkommen berechnet. Auch wenn die Älteren derzeit noch eine gute Rente bekommen, reichen die Rentenzahlungen allein nicht aus, die Jugend zu deklassieren. Das geschieht erst, sobald Zahlungen von Lebensversicherungen eingerechnet werden. Hinzu kommt, dass ältere Haushalte häufiger in belastungsfreiem Eigentum leben, also nur sehr geringe Mietkosten anfallen.

Außerdem wirkt sich der Fleiß von Oma und Opa aus: Immer mehr Rentner erzielen Einkommen aus Erwerbsarbeit. Und das wird nicht nur aus Not gemacht, auch reiche Pensionäre packen gern noch weiter mit an. Die Statistik zeigt, dass ausgerechnet die Rentner, die mit guten Pensionen, Kapitaleinkommen und Immobilien gesegnet sind, dazu neigen, über das gesetzliche Rentenalter gut bezahlt weiterzuarbeiten.

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Senioren: Um 450 Euro im Monat zugelegt

Bei der gleichen Berechnungsmethode lag das Monatseinkommen des Haushalts des Durchschnittsrentners im Jahr 2001 noch etwa 350  Euro unter dem der arbeitenden Bevölkerung, nun liegt es etwa 100 Euro darüber. Die Alten profitieren massiv von den gestiegenen Renten. Hinzu kommt der Faktor Wohnen. In England besitzen 73 Prozent der Rentner Wohneigentum. Sie haben günstige Wohnkosten, während die jüngeren Haushalte durch die gestiegenen Immobilienpreise belastet werden. Nicht berücksichtigt wird in der Studie das reine Vermögen, auch hier ist anzunehmen, dass der größere Teil des Besitzes in Rentnerhand ist.

Rente allein reicht nicht

Adam Corlett gibt zu bedenken, dass es auf den ersten Blick so aussähe, als erlebten die Rentner einen Boom auf Kosten von allen anderen, die für die Renten ausgepresst würden. Tatsächlich träfe das nicht zu, so Corlett. Senioren, die lediglich auf ihre Rente angewiesen sind und nicht weiter arbeiten, ginge es nämlich nicht besonders gut. "Natürlich können nicht alle Rentner auf diese verschiedenen Einkommensquellen zurückgreifen." Die Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer zeigt sich bei den Rentnern besonders stark. Das wohlhabendere Fünftel der Alten versammelt 74 Prozent des Arbeitsentgelts, 66 Prozent des Einkommens aus Geldanlagen und 52 Prozent der Renten auf sich.

Unsichere Zukunft

Der Staat hat direkt nur Einfluss auf die Höhe der Renten. Die Einkommen aus Hausbesitz, privaten Lebensversicherungen, Kapitalanlagen und dem Arbeiten im Rentenalter kann er bestenfalls indirekt beeinflussen. Nur der Einkommensmix macht die Rentner reich. Corlett: "Wir können nicht davon ausgehen, dass die jungen Menschen von heute diesen Wohlstand zusammenbringen werden, den die ältere Generation angehäuft hat. Vor allem nicht, wenn wir den Rückgang beim Immobilienbesitz und bei freiwilligen Betriebsrenten betrachten."

Das Zeitalter der Erben 

Aller Voraussicht nach dürfte sich die bestehende Ungleichheit weiter verschärfen. Das bisher historisch beispiellos hohe Vermögen der bessergestellten Senioren verschwindet nicht mit ihrem Tod. Ihre Rentenansprüche erlöschen, doch Kapital- und Immobilienbesitz werden in aller Regel an die jüngere Generation der Familie weitergegeben. Wer erbt, wäre demnach fein raus.

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