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Arbeitsmarkt für Millenials Top ausgebildet, aber 20 Prozent weniger Einkommen als die Elterngeneration

Einkommen Sparen
Für Rücklagen bleibt heutzutage nichts übrig.
© Melpomenem/Getty Images
Uns geht es so gut wie nie zuvor? Das stimmt nicht, wenn man jung ist. Im Vergleich zu den 80er-Jahren müssen Jüngere mit deutlich weniger Einkommen zurechtkommen.

Das Jahr 2016 sah den Aufstieg des Populismus. Der Erfolg Donald Trumps, der sich als Kämpfer gegen das Establishment inszeniert, wurde unter anderen mit den Sorgen der Abgehängten erklärt. Darunter stellte man sich gern entlassene hoffnungslose Arbeiter in aufgegebenen Industriestandorten vor. Eine neue Untersuchung über Einkommen und Vermögen junger Amerikaner verändert die Perspektive. Die Studie "Financial Health of Young America: Measuring Generational Declines between Baby Boomers & Millennials" (Der finanzielle Gesundheitszustand des jungen Amerikas: Zahlen zum Niedergang der Generationen zwischen Baby-Boomern und Millenials) zeigt, dass die ganze junge Generation zu den Abgehängten des Systems gehört.

Jung und ausgenutzt

"Young Invincibles" - in etwa "jung und unbesiegbar" – nennt sich die Denkfabrik hinter der Studie, aber die jüngsten Erkenntnisse könnte man eher mit "jung und ausgenutzt" beschreiben, denn hier wurden die ökonomischen Verhältnisse junger Menschen von heute mit der Vergangenheit der Reagan-Ära verglichen. Ein Fortschritt kann man nicht ausmachen, nicht einmal eine Stagnation – überall ist nur Rückschritt zu erkennen. Erste und bitterste Erkenntnis: Eine gute Ausbildung ist kein Garant für ein gutes Einkommen mehr. "Der Einkommensrückgang ist so stark, dass junge Leute mit einem Studienabschluss und Studienschulden in etwa das gleiche verdienen wie junge Arbeiter ohne Abschluss und Schulden in den späten Achtzigern," heißt es in der Studie.

Massive Einkommensverluste

Da die unqualifizierten Arbeitskräfte aber noch stärker unter Druck geraten, ist keine Ausbildung allerdings auch keine Alternative. Ein College- oder Universitätsabschluss bietet auch heute noch die beste Chance für ein überdurchschnittliches Einkommen – nur ist das Einkommen lange nicht mehr so hoch wie in den Reagan-Jahren. Dafür sind die Belastungen aus den Studienkosten stark gestiegen.  Das Durchschnittseinkommen junger Baby-Boomer betrug 1989 50.910 Dollar - im Jahr 2013 waren es nur noch 40.581 Dollar. Das ist ein Verlust von 20 Prozent - inflationsbereinigt. Wenig erfreulich ist auch die Entwicklung beim Ersparten. Weiße Baby-Boomer besaßen früher ein durchschnittliches Vermögen von 44.412 Dollar, heute sind es nur noch 16.025 Dollar.

Arbeitsmarkt für Millenials: Top ausgebildet, aber 20 Prozent weniger Einkommen als die Elterngeneration
© YoungInvincibles

Keine angemessenen Arbeitsstellen

"USA Today" illustriert das Phänomen am Beispiel von Andrea Ledesma. Die 28-Jährige sagt, in ihrem Alter besaßen ihre Eltern ein Haus und hatten bereits zwei Kinder. Bei ihr sieht es anders aus. Vor vier Jahren hat Ledesma  das College abgeschlossen. Nach einigen anderen Jobs ist sie nun bei einer Pizza-Kette gelandet. Ihr Einkommen beträgt lediglich 18.000 Dollar. Sie wohnt in einem kleinen Appartement mit ihrem Freund. Zusätzlich lasten 33.000 Dollar Ausbildungsschulden auf ihr. "So stellt man sich sein Leben nicht vor - ich hatte gedacht, ich wäre jetzt an einem anderen Punkt in meinem Leben ", sagte Ledesma.

Für diesen Zusammenbruch der Realeinkommen sind verschiedene Faktoren wichtig. In den einzelnen Berufen haben die Einkommen nachgegeben. Dramatisch wird es allerdings erst durch den Arbeitsmarkt. Wie Ledesma finden viele Absolventen keinen ihrer Ausbildung angemessenen Job. Sie müssen sich dann zum Mindestlohn im Dienstleistungssektor durchschlagen. Dadurch sinken die Durchschnittswerte so stark

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. McKinsey hat vor Kurzem die Haushaltseinkommen in 25 Industriestaaten untersucht. Zwei Drittel der Jungen müssen demnach mit einem realen Nullwachstum oder einem schrumpfenden Budget zurechtkommen. (Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern). Gleichzeitig erreicht die Zahl der jungen Menschen Rekordwerte, die bei den Eltern wohnen, weil sie sich keine eigene Unterkunft leisten können (Kinderzimmer für die Ewigkeit – warum viele junge Menschen bei den Eltern leben).

Aufstieg wird schwieriger

Selbst die Hoffnung, dass es wenigstens bei Themen wie Benachteiligung von Minderheiten voran geht, kann man fahren lassen. Zwar gibt es mehr Schutzgesetze wie früher, aber in der Realität hat das kaum Spuren hinterlassen. Junge Weiße sollen vier Mal so viel Vermögen besitzen wie Afro-Amerikaner und Latinos. Der Anteil der Hausbesitzer ist bei ihnen doppelt so hoch. Insgesamt lastet der ökonomische Druck vor allem auf den Abkömmlingen ärmerer Schichten. Der Aufstieg wird schwieriger. Mit dem richtigen familiären Background kann man das Studium auch ohne Schulden hinter sich bringen und dann liegt auch das Einkommen deutlich höher als bei den strauchelnden Altersgenossen.


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