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Ökonomie: Kinderzimmer für die Ewigkeit – warum viele junge Menschen bei den Eltern leben

Immer mehr junge Menschen leben in den USA auf Dauer bei ihren Eltern. Schlechte Jobs und geringe Einkommen verdammen sie zu einem Leben im Kinderzimmer.

Zu Besuch? Nein, nie weggekommen.

Zu Besuch? Nein, nie weggekommen.

Zumindest zu Weihnachten muss man die alten Eltern besuchen. Dieser kategorische Imperativ klingt für immer mehr junge Leute wie Hohn. Der Grund: Sie können es sich gar nicht leisten auszuziehen und verbringen von daher sowieso das Fest der Liebe bei den Eltern. So wie den Rest des Jahres auch.

Schlechtes ökonomisches Umfeld

"Kinderzimmer forever" – ein trauriger Schlachtruf. Doch auch in den Ländern der EU ist das ein langfristiger Trend, auch hier ziehen Kinder immer später bei den Eltern aus. Aus den USA liegen nun neue Zahlen vor, die das Immobilien-Portal Trulia erheben ließ: 40 Prozent der 18- bis 34-Jährige leben demnach daheim. Und das in einem Land, in dem Studenten meist auf dem Campus leben. Vor 2005 war es nur ungefähr ein Drittel.  Noch erschreckender sind Zahlen des Harvard Joint Center for Housing Studies. In den USA nahm die Gruppen der 18- bis 34-Jährigen in den letzten zehn Jahren um 5 Millionen zu. Aber die Zahl ihrer eigenen Haushalte wuchs nur um 200.000.  

Geringere Einkommen, hohe Mieten und hohe Kaufpreise halten junge Leute vom Wohnungsmarkt fern, sagte Ralph McLaughlin, Chefökonom von Trulia, dem "Wall Street Journal": "Ich glaube nicht, dass diese Probleme junge Haushalte für immer vom Wohnungsmarkt fernhalten werden, aber in der absehbaren Zukunft werden die Quoten auf einem historisch niedrigen Niveau verharren." 

Neue Untersuchungen legen zudem nahe, dass die junge Generation in den USA und auch in anderen Industriestaaten nicht mehr das Einkommensniveau ihrer Eltern erreichen wird. Schuld sind geringes Wachstum und eine wachsende Ungleichheit in der Gesellschaft.

Auf dem Niveau von 1940

Derzeit entspricht die Quote der Jungen mit eigenem Haushalt dem Jahr 1940. Es ist also der schlechteste Wert seit 75 Jahren. Und 1940 war eine Zeit in den USA, in der auf dem Arbeitsmarkt noch die Folgen der Großen Depression zu spüren waren. Auch heute, hängt die Neigung, daheim auszuziehen, direkt vom Einkommen ab. Je geringer es ausfällt, umso höher der Anteil der Daheimgebliebenen. Gleichzeitig steigt auch das Alter in der dauerhafte, feste Partnerschaften eingegangen werden oder in dem das erste Kind geboren wird. Sicherlich spielen hier auch psychologische Faktoren eine Rolle, aber der ökonomische Hintergrund solcher Entscheidungen ist der gleiche wie bei dem Entschluss, das Kinderzimmer nicht zu verlassen.

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