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Britische Studie: Kein Geld von Mama und Papa? Dann wird's mit dem Hauskauf schwer

In Großbritannien gilt traditionell: My Home is my Castle. Doch nun zeigt eine Studie: Ohne Finanzspritze der Eltern können sich junge Briten das Eigenheim kaum noch leisten. Auch in Deutschland wird die Mama-und-Papa-Bank immer wichtiger.

Hauskauf

Hauskauf aus eigener Kraft? Für viele nur ein schöner Traum.

Wer schon die Preise für Immobilien in München oder Hamburg für verrückt hält, der sollte lieber nicht nach Großbritannien gucken. Insbesondere in der britischen Hauptstadt ist der Häusermarkt überhitzter, als alles was wir kennen. In London erreichen sogar winzige Häuschen Millionenpreise und auch eine Garage in begehrter Lage kann schon mal ein halbe Million kosten.

Die steigenden Preise bedrohen zunehmend einen Kern der britischen Lebensweise: Denn die Briten wohnen gerne auch schon in jungen Jahren im Eigenheim, zahlen lieber hohe Kredite ab, als in abgewrackten Mietwohnungen bei schwach ausgeprägtem Mieterschutz zu leben. Zwei von drei Briten wohnen in den eigenen vier Wänden, in Deutschland ist es nur jeder Zweite.

Vorsprung durch Mama und Papa

Eine Studie der staatlichen "Social Mobility Commission" zeigt nun, dass immer weniger Briten es aus eigener Kraft ins Eigenheim schaffen: Besaßen im Jahr 1990 noch 63 Prozent der 25- bis 29-Jährigen ein Eigenheim, so sind es heute nur noch 31 Prozent, wie der "Guardian" berichtet. Der Rückgang wäre sogar noch gravierender, wenn nicht in vielen Fällen die Eltern in die Finanzierungslücke springen würden. Von denen, die zum ersten Mal in ihrem Leben ein Haus kaufen, greift jeder Dritte auf finanzielle Unterstützung der Eltern zurück. Noch 2010 war es nur jeder Fünfte.

Ein Eigenheim zu besitzen, sei nur noch ein entfernter Traum "für Millionen junger Leute mit geringen Einkommen, die nicht den Luxus einer Mama-und-Papa-Bank haben", sagte Alan Milburn, Vorsitzender der Kommission, die die Zahlen erhoben hat, laut "Guardian". Statistisch gesehen können sich die Briten, denen die Eltern unter die Arme greifen, 2,6 Jahre früher ein Eigenheim leisten als der Rest. Im teuren London beträgt der Vorsprung durch die elterliche Finanzspritze sogar 4,6 Jahre.

Auch in Deutschland werden die Eltern bemüht

Das Problem dürfte vielen jungen Deutschen, die ins Eigenheim wollen, bekannt vorkommen. Denn die Zinsen sind zwar historisch niedrig, doch die Kaufpreise in den Städten exorbitant. Zudem wurden im vergangenen Jahr die Vorschriften für die Kreditvergabe verschärft, um wacklige Finanzierungen zu verhindern.

Ohne die Eltern anzupumpen, ist es für viele junge Familien, die ins Eigenheim wollen, mittlerweile unmöglich, genug Eigenkapital aufzubringen. So ergab eine Umfrage des Baugeldvermittlers Hypotheken Discount schon 2010, dass mehr als jeder Zweite die Eltern anpumpen würde, um den Eigenkapitalanteil zu erhöhen. Jeder Vierte würde sogar auf die eigenen Großeltern zugehen.

Noch ist die Mama-und-Papa-Bank in Deutschland aber weniger angesehen als in anderen europäischen Ländern: Eine Umfrage der ING-DiBa aus dem vergangenen Jahr ergab, dass nur 38 Prozent der Deutschen finden, dass Eltern ihre Kinder beim Hauskauf unterstützen sollten. Im europäischen Durchschnitt waren es 47 Prozent. "Die 'Mama-und-Papa-Bank' erfreut sich in Deutschland noch keiner großen Beliebtheit. Bei weiter steigenden Immobilienpreisen könnte sich das in den kommenden Jahren allerdings ändern", erklärte dazu ING-DiBa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.