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Bumerang-Kinder: Mit 50 Jahren wieder im Kinderzimmer - was ist da schief gelaufen?

Kate Muley ist eine erfolgreiche Journalistin und Autorin, doch mit 55 Jahren lebt sie wieder in ihrem alten Kinderzimmer und grübelt darüber, was sie falsch gemacht hat.

Mit 50 wieder bei Papa - so war das nicht geplant (Symbolfoto).

Mit 50 wieder bei Papa - so war das nicht geplant (Symbolfoto).

Getty Images

Beim Thema Bumerang-Kinder denkt man meist an die Millennial-Generation. Junge Menschen, die nach dem Studium im Beruf nicht Fuß fassen konnten und aus Geldmangel wieder bei ihren Eltern einziehen. Auch in Europa ist das ein mit Zahlen nachweisbarer Trend (Der stern berichtete: Generation Bumerang – warum Eltern leiden, wenn die Kinder wieder zu Hause einziehen). Für die Eltern sind die Heimkehrer meist kein Segen. Misst man die Lebensqualität der Senioren, fällt sie rapide, wenn der Nachwuchs wieder zu Hause aufschlägt.

In der britischen "Daily Mail" hat Kate Muley berichtet, wie es sie wieder zurück nach Hause verschlagen hat und wie sie sich nun im Haus ihres Vaters fühlt. Die Besonderheit: Kate Muley ist bereits 55 und blickt auf eine beeindruckende Karriere als Journalistin und Autorin zurück.

Ihr Problem: Sie lebt in London und dort sind Mieten und Immobilienpreise so hoch, dass sich die freie Autorin dort keine Wohnung leisten konnte. Nun zieht sie ein bitteres Resümee: Ihre eigene Sorglosigkeit in Finanzdingen ist zu großen Teilen Schuld an der Misere. Hinzukommt ein unbekümmerter Lebensstil, der dazu führte, dass sie den richtigen Zeitpunkt für einen Nestbau und eine feste Partnerschaft versäumte.

Glamour statt Vorsorge

Seitdem Muley eine junge Frau war, hat sie ein glamouröses Leben geführt. Sie war eine erfolgreiche Reporterin und konnte sich vor Dates kaum retten. In den Dreißigern änderte sich das - unmerklich heirateten Dates und Freundinnen - ihre Welt der ungebundenen Singles lichtete sich. "Im Nachhinein hätte ich darüber nachdenken sollen, mich niederzulassen und ernsthafte Pläne für die Zukunft zu machen, aber ich war jung, idealistisch und lebte im Moment. Und ich liebte es, Single zu sein."

Leider zog sie nicht die Konsequenz, wenigstens in Sachen Finanzen Vorsorge zu treffen. Kurz überlegte Kate Muley, vom Vorschuss ihres ersten Buches eine tolle und günstige Wohnung anzuzahlen. Die Gelegenheit ließ sie sausen und "investierte" das Geld lieber in tolle Reisen. Heute soll diese Wohnung über eine Million Pfund wert sein.

Erst mit 46 Jahren ließ sich Muley auf eine feste Beziehung ein. Finanziell war das nicht ihr Schaden, ihr Freund verdiente sehr gut - das Paar lebte in seinem Londoner Haus und pflegte einen aufwendigen Lebensstil. Doch der Bankier wollte sich nicht zu ihr "bekennen" - wie Muley es nennt. Will sagen: Er wich dem Thema Ehe aus.

Das konnte die einst so freigeistige Frau nicht ertragen, kurz vor ihrem 50. Geburtstag brach sie die Beziehung ab - packte ihre Sachen entschlossen zusammen und wusste dann nicht weiter.

"Die harte Realität dessen, was ich mir von meinem Einkommen allein leisten konnte, kam wie Schock über mich. Ein Kauf war nicht einmal im Entferntesten möglich, auch keine Mietwohnung."

Vater war die Rettung

Von der Gästecouch einer Freundin rettete sie ihr Vater. Er schlug ihr vor, in ihr altes Zimmer zu ziehen. Der Vorteil: Diese Wohnung kostete keine Miete, und der Vater besaß ein großzügiges Haus mitten in Chelsea. Natürlich war es als Übergang gedacht. "An dem Tag, an dem ich meinen Fernseher und ein paar andere Dinge aus meinem Erwachsenenleben zurück in das Zimmer schleppte, in der ich zuletzt als Teenager lebte, hätte ich nicht gedacht, dass ich vier Jahre später noch hier sein würde."

"Manchmal liege ich nachts wach und frage mich, wie das alles schief gelaufen ist. Diese Sache hat sich auf mein Selbstvertrauen und mein Selbstwertgefühl ausgewirkt.

Ein ziemlicher Schock: Kate Muley war das aufwendige Leben an der Seite eines reichen Bankers gewöhnt mit vielen Reisen und üppigen Dinnerparties - nun lebt sie Haus ihres Vaters. Eines toleranten, aber schwerhörigen Mannes, der es liebt den ganzen Tag über, Nachrichtensender in ohrenbetäubender Lautstärke zu hören. Erschreckend für die erwachsene Frau war, dass die alte Mädchen-Daddy-Dynamik immer noch wirkt. Der Vater behandelt sie wie ein Kind und sie, eine Frau von 55, führt sich manchmal auf wie ein aufsässiger Teenie.

Wie eine "alte Jungfer"

Muley denkt, dass sie in die Rolle der alten Jungfer geraten ist, einer Figur des 19. Jahrhunderts, die den Absprung in die Ehe nicht hinbekam und ihr Leben den alternden Eltern widmet.

Dumm nur, dass die Gesellschaft diese Rolle nicht mehr anerkennt. Heute sollen Frauen supereffiziente, unabhängige Wesen sein, mit eigenen Wohnungen und einer Top-Karriere. Die Kinder ihrer Freundinnen beenden die Universität, und sie sitzt mit Papa in der Küche. "Was könnte trauriger sein, als eine Frau in der fortgeschrittenen Lebensmitte, die nicht einmal einen Freund auf ein Glas Wein vorbeibringen kann", fragt sich Muley.

Der einzige Trost ist die finanzielle Sicherheit: "Viele meiner Freunde sind nur einen Gehaltsscheck von den Gerichtsvollziehern entfernt. Da schlafe ich beruhigt ein, weil ich ein Dach über dem Kopf habe. Im Gegensatz zu einer Bank oder einem Vermieter wird mein Dad mich kaum vertreiben." Blickt sie auf die Immobilienpreise, wird ihr allerdings klar, dass sie diese Situation aus eigener Kraft nie wird lösen können.

Quelle: "Daily Mail": "The bittersweet reality of being a boomerang child aged 55: She's clever, independent and a published author... so why is KATE MULVEY back living in her dad's spare room?"

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