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Sparkassen-Chef warnt vor EZB-Plänen: "Niedrigzinspolitik gleicht Enteignung deutscher Sparer"

Morgen entscheidet die EZB über den neuen Leitzins. Wahrscheinlich wird dieser erneut gesenkt - und kostet deutschen Privathaushalten weitere Milliarden Euro. Sparkassen-Chef Fahrenschon warnt.

Einen Tag vor der Leitzins-Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, seine Bedenken bezüglich einer erneuten Leitzinssenkung bekräftigt. Die anhaltende Niedrigzinspolitik käme einer Enteignung der deutschen Sparer gleich, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) am Mittwoch im Deutschlandfunk. "Durch diese niedrige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank verlieren die privaten Haushalte in Deutschland pro Jahr etwa 15 Milliarden Euro an Zinseinnahmen", kritisierte Fahrenschon weiter. Pro Kopf seien das etwa 200 Euro im Jahr. "Wir reißen durch diese niedrigen Zinsen ein Loch in bestehende Altersvorsorge-Konzepte der Sparerinnen und Sparer und wir setzen auch ein völlig verkehrtes Signal, als würde man sagen, Sparen lohnt sich nicht, und das Gegenteil ist der Fall", bemängelte der oberste Sparkassen-Chef.

Für die Realwirtschaft werde ein weiteres Absenken des Leitzinses, der aktuell mit 0,25 Prozent bereits auf einem historischen Tief steht, außerdem "keine positiven Effekte mehr nach sich ziehen". Zudem erhöhe sich die Gefahr von Spekulationsblasen.

"Für dein Vermögen auch noch Strafe zahlen"

Die Zentralbank müsse bei den Zinsen die Trendwende einleiten, sagte Fahrenschon außerdem dem stern.Ich wünsche mir, dass wir in Europa in den nächsten sechs Monaten ein klares Signal bekommen, dass die Zinsen wieder angehoben werden", sagte er. Der negative Einlagenzins, der zur Zeit diskutiert wird, solle die Sparkassenkunden nicht treffen. "Wir können den Sparern nicht sagen: Jetzt musst du für dein Vermögen auch noch Strafe zahlen", betonte Fahrenschon.

Am Donnerstag wird das EZB-Direktorium seine monatliche Leitzins-Entscheidung verkünden. Wegen der anhaltend niedrigen Inflation im Euro-Raum wird erwartet, dass die Währungshüter den Leitzins weiter absenken. Außerdem hatten hochrangige EZB-Vertreter in den vergangenen Wochen angedeutet, dass es zusätzliche Schritte geben könne, um die Teuerungsrate und den Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone anzukurbeln.

Zu diesen Schritten könnten negative Einlagezinsen für Geschäftsbanken gehören. Sie müssten dann Zinsen an die EZB zahlen, wenn sie dort überschüssiges Geld zwischenparken, anstatt es beispielsweise an Unternehmen zu verleihen. Daneben könnte noch eine weitere Liquiditätsspritze stehen, um die Banken zu ermuntern, mehr Geld an Unternehmen zu verleihen. Vor allem in den Krisenländern Südeuropas stockt der Kreditfluss zu klein- und mittelständischen Firmen.

awö/AFP/Reuters / Reuters