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Steuern + Urlaub: Der Fiskus reist mit

Geht es in die Ferien, interessiert sich oft auch das Finanzamt für die Erholung. Das reicht von der Steuer aufs Urlaubsgeld über die Fahrtkosten bis hin zur Tätigkeit in der Ferne. Doch Sie können das Finanzamt auch an den Kosten beteiligen - wir sagen, worauf es ankommt.

Von Robert Kracht

Wie in nahezu jeden Lebensbereich mischt sich der Fiskus auch in die Ferienplanung der Steuerzahler ein, und das in erstaunlich vielen Bereichen. Das beginnt mit dem vom Arbeitgeber ausgezahlten Urlaubsgeld und endet erst, wenn der Beschäftigte anschließend braungebrannt wieder im Büro sitzt.

Urlaubsgeld

Das vom Arbeitgeber ausgezahlte Urlaubsgeld unterliegt in voller Höhe der Lohnsteuer - wie übrigens der finanzielle Ausgleich für nicht genommenen Urlaub auch. Geht es um eine Urlaubsabfindung für mehrere Jahre, kann allerdings eine Tarifermäßigung in Betracht kommen. Dannoch bleibt netto weniger vom Extrageld übrig, das der Chef tariflich oder freiwillig für die Erholung auszahlt. Natürlich kann eine Firma die Abgaben für das Urlaubsgeld auch aus eigener Tasche übernehmen. Will sie sich großzügig zeigen, zahlt sie eine pauschale Lohnsteuer und die sommerliche Unterstützung dann netto aus. Hierfür müssen im Betrieb aber mindestens 20 Mitarbeiter Urlaubsgeld erhalten.

Unbezahlte Ferien

Weil hier kein Geld fließt, entfällt auch die Besteuerung. Oft bringt der unbezahlte Urlaub für den Steuerzahler sogar noch eine Entlastung, da die Steuerprogression des Arbeitnehmers für das übrige Jahreseinkommen entsprechend sinkt. Eine Auszeit für ein paar Monate bringt also netto mehr für den Rest des Jahres. Ein unbezahlter Wochenurlaub hat den Vorteil, dass die Lohnsteuer nur für halbe Monate und damit gering ausfällt. Nimmt der Angestellte etwa vom 12. bis zum 30. unbezahlten Urlaub, bemisst sich die Steuer von weniger als dem halben Normallohn und kann hierdurch sogar ganz ausfallen. In der Sozialversicherung bleibt das Beschäftigungsverhältnis nur für einen Monat weiter erhalten. Dauert die unbezahlte Pause hingegen länger, endet die Mitgliedschaft in der Kranken- und Pflegeversicherung, der Urlauber ist abzumelden. Der Angestellte sollte dann eine freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung abschließen.

Urlaub mit Firmenwagen

Geht es mit dem vom Chef spendierten Pkw in die Ferien, kann der Betrieb sämtliche Benzinkosten und auch eine Reparatur am Urlaubsort übernehmen. Denn diese Aufwendungen sind bereits in der pauschalen Listenpreis-Besteuerung für den Privatanteil enthalten. Im Klartext: Der Angestellte zahlt keine Extra-Steuer, wenn er mit dem Firmenwagen durch halb Europa pendelt. Das gilt nur nicht für vom Chef bezahlte Maut- und Vignettengebühren, denn diese zählen als zusätzlicher geldwerter Vorteil. Meist werden diese Rechnungen aber ohnehin nicht im Büro zur Erstattung vorgelegt. Ermitteln Arbeitnehmer den Privatanteil ihres Firmenwagens allerdings mittels Fahrtenbuch, kommt es durch die Urlaubstouren zu einer kräftigen Erhöhung der Privatfahrten, was dann in der Jahresendabrechnung zu einem höheren geldwerten Vorteil führt. Da die Angestellten aber alljährlich zwischen beiden Methoden frei wählen dürfen, kommt bei längeren Urlaubstouren eher der Pauschalansatz mit einem Prozent vom Listenpreis in Betracht.

Rückorder

Holt der Chef seine Mitarbeiter wegen zwingender dienstlicher Gründe aus den Ferien zurück an Schreibtisch oder Werkbank, können Arbeitnehmer die Aufwendungen für die Rückfahrt steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Meist übernimmt der Chef den Aufwand für die Rückorder aber ohnehin auf eigene Rechnung, natürlich lohnsteuerfrei. Als Werbungskosten absetzbar sind auch Ausgaben, die dem Partner wegen der überraschenden Urlaubsbeendigung entstehen. Arbeitnehmer sollten sich die Rückbeorderung auf jeden Fall bescheinigen lassen, wenn nicht alle Kosten übernommen werden. Dann klappt's am Jahresende auch mit dem Finanzamt.

Volles Urlaubskonto

Wird ein Teil des Urlaubsanspruchs ins Folgejahr übertragen oder verzichten Angestellte darauf, vergessen sie meist, diesen Umstand in der späteren Steuererklärung zu berücksichtigen. Bei der üblichen Fünf-Tage-Woche akzeptiert das Finanzamt bedenkenlos 220 Pendelfahrten zur Arbeit. Dabei gehen die Beamten von 30 Tagen Urlaub aus. Wurden diese nicht ausgeschöpft, können Arbeitnehmer diese Tage mit einem entsprechenden Hinweis in der Erklärung addieren und dadurch eine höhere Entfernungspauschale geltend machen.

Belege sammeln - auch im Urlaub

In der Urlaubslaune mit Berg- oder Seeluft denken viele Arbeitnehmer nicht ans Finanzamt. Dabei kann es sich lohnen, Belege zu sammeln. Jedes Telefonat in die Firma gilt als Werbungskosten. Das gilt auch für die teilweise happigen ausländischen Handygebühren, die bei beruflichen Anrufen aus der Heimat anfallen. Wird während des Urlaubs ein Kunde aufgesucht, können neben den Fahrtkosten auch Verpflegungspauschalen für diese Tage abgesetzt werden. Findet eine dienstliche Fortbildungsveranstaltung in der Nähe des Urlaubsortes statt, sind die Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Zeit des Fachkongresses wie auch die Gebühren abziehbar. Das macht sich bei den Verpflegungspauschalen besonders positiv bemerkbar, da hier die hohen Sätze des jeweiligen Landes anzusetzen sind.

Sommerfest

Bittet der Chef die Belegschaft zum sonnigen Umtrunk, verlangt das Finanzamt von den teilnehmenden Mitarbeitern oft völlig überraschend Lohnsteuer. Damit keine Abgaben anfallen, muss der Chef einige Voraussetzungen beachten. Es muss sich um eine übliche Betriebsveranstaltung handeln und die Teilnahme allen Arbeitnehmern und nicht nur einzelnen Gehaltsgruppen oder erfolgreichen Mitarbeitern offen stehen. Der Chef darf auch nicht allzu großzügig sein. Denn eine Betriebsfeier darf pro Teilnehmer brutto nur 110 € kosten, inklusive Aufwand für Speisen, Getränke, Raummiete, Fahrten, Darbietungen und Geschenke an die Mitarbeiter. Ergibt nun die Gesamtsumme, dividiert durch die Teilnehmeranzahl, einen höheren Betrag, liegt insgesamt Arbeitslohn vor. Darf der Partner mit zum Sommerfest, wird sein Kostenanteil dem Arbeitnehmer zugeschlagen.

Heilung

Hat der Aufenthalt im Gebirge oder am Meer medizinische Gründe, muss das Finanzamt überzeugt werden, dass eine außergewöhnliche Belastung vorliegt. So ist bei einer Badekur etwa die Voraussetzung für einen Steuerabzug, dass sie nachweislich zur Linderung oder Heilung einer Krankheit notwendig ist - und eine andere Behandlung kaum Erfolg verspricht. Für die medizinische Notwendigkeit verlangt das Finanzamt ein Attest, das vor der Reise ausgestellt wurde, meist reicht schon die Bewilligung der Krankenkasse. Auch die Badekur fürs Kind ist unter den gleichen Voraussetzungen absetzbar. Dabei können sogar die Kosten der Eltern oder einer anderen Begleitperson geltend gemacht werden - dann muss aber ein amtsärztliches Gutachten vorgelegt werden.

Besuchsfahrten

Dieser Aufwand kann ebenfalls als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden, wenn die Visite medizinisch notwendig ist und unmittelbar der Heilung oder Linderung der Krankheit dienen soll. Als Nachweis gilt eine Bescheinigung des behandelnden Arztes. Bei Besuchsfahrten zu Eltern, die in Alten- oder Pflegeheimen im sonnigen Süden untergebracht sind, kommt eine Berücksichtigung nur in Betracht, wenn sie weit über das Übliche hinausgehen. Dafür können Eltern ihre Aufwendungen für Besuchsfahrten zu einem Kind bis zu einem Jahr lang bedenkenlos geltend machen, wenn dieses längere Zeit im Krankenhaus behandelt wird.

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