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So denkt Deutschland: Der Fiskus schont die Reichen

Wie denken die Deutschen nach den Panama-Enthüllungen über Steuerflucht und Steuerhinterziehung? Die Ergebnisse einer stern-Umfrage sollte die Bundesregierung aufhorchen lassen.

Mann entspannt sich auf einer Liege am Swimmingpool

Entspannt den Luxus genießen: Wer reich und prominent ist, muss weniger Angst vor den Steuerbehörden haben, meint die große Mehrheit der Deutschen

Die Panama-Papers über versteckte Vermögen in anonymen Briefkastenfirmen sorgen seit Tagen für Wirbel. In einer Umfrage hat das Forsa-Institut im Auftrag des stern ermittelt, wie die Deutschen nach den Enthüllungen über Steuerflucht und Steuerhinterziehung denken. Demnach findet mit insgesamt 19 Prozent nur jeder fünfte Befragte, dass die Bundesregierung schon genug gegen Steuerflucht und Geldwäsche unternimmt – darunter 35 Prozent der Anhänger der AfD, die ansonsten die Regierung gern heftig kritisieren. 75 Prozent sind davon nicht überzeugt.

Kavaliersdelikt oder schwere Straftat?

Mehr als drei Viertel der Bundesbürger (77 Prozent) sind der Ansicht, dass große Konzerne und reiche Prominente eher vom Fiskus verschont werden als normale Bürger und kleinere Unternehmen. Geld in Steueroasen wie Panama zu schaffen, sei ein vertretbares Kavaliersdelikt, sagen insgesamt 4 Prozent – darunter 9 Prozent der Selbstständigen und 7 Prozent der AfD-Anhänger. 22 Prozent halten das für eine leichtere Straftat, 71 Prozent für eine schwere.


Und wie sieht es mit der Steuermoral der Normalbürger aus? Immerhin 21 Prozent der Deutschen kennen Personen aus dem Verwandten- oder Freundeskreis, die bei der Steuererklärung schon mal geschummelt haben – bei den Beamten sind es 32, bei den FDP-Sympathisanten sogar 39 Prozent.

Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte am 7. und 8. April 2016 im Auftrag des Magazins stern 1009 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.