Telekom-Pläne Anlegerschützer gegen T-Online-Rückkauf

Die Deutsche Telekom prüft, ob man die ausgegliederte Tochter T-Online nicht wieder in den Konzern holt. Anlegerschützer kritisieren das als unfair gegenüber den Aktionären.

Anlegerschützer haben die Deutsche Telekom für ihre Überlegungen kritisiert, ihre Internet-Tochter T-Online wieder vollständig in den Konzern einzugliedern.

"Das käme einer Zwangsenteignung der Aktionäre gleich", sagte der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger(SdK), Markus Straub, der "Berliner Zeitung" laut der Internetausgabe des Blattes vom Mittwoch. "Die Anleger haben dem Unternehmen in schlechten Zeiten die Treue gehalten. Sie sollten jetzt, da T-Online wieder auf einem guten Weg ist, auch am Erfolg partizipieren", forderte Straub.

Nachdenken über Wiedereingliederung von T-Online

Die Deutsche Telekom prüft nach Angaben eines Sprechers derzeit, "ob und wie T-Online in den Konzern reintegriert werden könnte oder sollte". Spekulationen über eine vollständige Wiedereingliederung hatte zudem der Rücktritt von T-Online-Chef Thomas Holtrop am Freitag genährt. Seither haben die Aktien des Unternehmens rund 13 Prozent an Wert gewonnen.

Händler und Analysten halten Schritt für durchaus wahrscheinlich

Händler und Analysten bewerteten den Schritt als "realistisch und logisch: Wir halten ein solches Szenario für durchaus wahrscheinlich, auch kurzfristig", meinte ein Händler. Andere erwarten eine Integration nur mittelfristig. Der neue Festnetzchef Walter Raizner, der im Konzernvorstand auch die Online-Aktivitäten der Telekom verantworten wird, werde erst zum 1. November seinen Posten antreten. "Einen Rückkauf in der zweiten Jahreshälfte 2005 halten wir für wahrscheinlicher", sagte Telekom-Analyst Stefan Borscheid von der WestLB Research in Düsseldorf.

Droht ein Squeeze-out?

Unterdessen kursierten am Markt als Abfindungspreis bereits Summen zwischen 9,50 bis 11,50 Euro pro T-Online-Aktie. Da sich der Streubesitz bei T-Online bei rund 26 Prozent liege, müsse eine Übernahmeofferte ebenfalls eine Prämie in dieser Größenordnung beinhalten. Als völlig inakzeptabel bezeichnete es Straub, wenn es bei T-Online am Ende zu einem Squeeze-out von Restaktionären komme. Es sei denn, schränkte er ein, der Abfindungspreis falle mindestens so hoch aus wie der Ausgabepreis vom April 2000. Damals zahlten Erstaktionäre 27 Euro für das Papier. Am Dienstag schlossen die Aktien mit einem Kurs von 8,77 Euro. Ein Squeeze-out erlaubt es Mehrheitsaktionären, verbliebene Kleinaktionäre per Barabfindung aus dem Unternehmen herauszudrängen.

Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker