HOME

Tipps: Ganz legale Steuertricks

Quittungen sortieren, Formulare ausfüllen - machen Sie ihre Steuererklärung 2003 selbst? Steuerberater Walter Gessner hat für Arbeitnehmer wichtige Tipps und Empfehlungen zusammengestellt

Quittungen sortieren, Formulare ausfüllen - machen Sie ihre Steuererklärung 2003 selbst? Steuerberater Walter Gessner hat für Arbeitnehmer wichtige Tipps und Empfehlungen zusammengestellt

1. Kaution für Mietwohnungen

Meist wird die Mietkaution auf einem auf den Mieter lautenden Sparbuch angelegt und dieses Sparbuch an den Vermieter verpfändet. Dafür wird nur selten ein Freistellungsauftrag gestellt, sodass die Bank Zinsabschlagsteuer für den Mieter abführt. Die kann der Mieter in seiner Steuererklärung geltend machen und zurückbekommen. Auch wer die Freigrenzen zur Zinsbesteuerung von 1601 Euro (3202 Euro für zusammen veranlagte Eheleute) nicht erreicht, sollte daher die Anlage KAP für Kapitalerträge ausfüllen.

2. Eigentumswohnungen

Auch bei einer selbst genutzten Eigentumswohnung entstehen oft Zinsen, etwa für die Reparaturrücklage, für die Zinsabschlagsteuer gezahlt wird. Das erscheint dann auf der jährlichen Wohngeldabrechnung. Sie können (inklusive Solidaritätszuschlag!) über die Anlage KAP geltend gemacht werden.

3. Berufsbegleitendes Studium

Die Kosten für ein berufsbegleitendes Studium lassen sich nach mehreren Urteilen des Bundesfinanzhofs als Werbungskosten absetzen. Dazu zählen Bücher, Fahrtkosten, Studiengebühren, Arbeitszimmer, Computer und gegebenenfalls sogar die Kosten einer anschließenden Promotion. Eine Grenze, wie viel man absetzen kann, gibt es nicht.

4. Arbeitszimmer

Zunächst muss geklärt werden, ob es sich um ein "häusliches" Arbeitszimmer oder den Mittelpunkt der Tätigkeit handelt. Ist Letzteres der Fall, gibt es keine Beschränkung beim Abzug der Kosten. Liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor, sind folgende Punkte wichtig:

- Der Schwerpunkt der Tätigkeit muss im häuslichen Arbeitszimmer liegen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn am Ort der normalen beruflichen Tätigkeit kein oder nur ein eingeschränkter Arbeitsplatz zur Verfügung steht, etwa bei einem Vertriebsleiter, der die Termine seiner Mitarbeiter von zu Hause aus koordiniert.

- Eine private Mitbenutzung des häuslichen Arbeitszimmers muss ausgeschlossen sein (Gästebett etc.). Dies kann ein Finanzbeamter - ohne Ankündigung - nachprüfen. Wenn ihm der Zutritt zum Zimmer verweigert wird, dann geht das Finanzamt von einer privaten Mitbenutzung aus und erkennt Kosten für das Zimmer nicht an.

- Bei dem Zimmer darf es sich nicht um ein Durchgangszimmer oder um eine Empore handeln.

- Die Wohnung muss groß genug sein, um der Familie ausreichend Wohnraum zu belassen. Eheleute mit einem Kind werden bei einer Dreizimmerwohnung kaum ein häusliches Arbeitszimmer, das keiner privaten Nutzung zugänglich ist, glaubhaft absetzen können.

- Einrichtungsgegenstände oder Computer sind gesondert absetzbar. Die Aufwendungen dafür unterliegen nicht der Kostendeckelung für das häusliche Arbeitszimmer in Höhe von 1250 Euro.

5. Doppelte Haushaltsführung

Das Verbot, Werbungskosten für eine doppelte Haushaltsführung über zwei Jahre hinaus geltend zu machen, hat das Bundesverfassungsgericht aufgehoben. Man darf jetzt auch länger die Kosten für eine Zweitwohnung in der Nähe der Arbeitsstelle geltend machen. Außerdem können drei Monate lang Verpflegungsmehraufwendungen (pro Tag 24 Euro) und wöchentlich eine Heimfahrt abgerechnet werden. Manche Finanzämter berücksichtigen solche Urteile allerdings nicht. Es bleibt dann nur der Weg zum Gericht.

6. Umzugskosten

Wer umzieht, um eine neue Stelle anzutreten, versetzt wurde oder dadurch seinen Weg zur Arbeit um etwa eine Stunde verkürzt, kann die Ausgaben als Werbungskosten absetzen. Dazu zählen: Transport der Möbel, eigene Reisekosten zur neuen Wohnung, eventuell zwei Tage Übernachtungskosten am neuen Wohnort zur Vorbereitung des Umzugs, Mietentschädigungen (wenn ein Mietvertrag vorzeitig gekündigt werden musste), Maklergebühren sowie umzugsbedingte Unterrichtskosten für Kinder (maximal 1349 Euro je Kind). Wer den Einzelnachweis scheut, kann einen Pauschbetrag von 537 Euro (1074 Euro für Verheiratete, 237 Euro für weitere Personen) ansetzen.

7. Fachbücher

In vielen Berufen ist es erforderlich, sich anhand von Fachbüchern auf dem Laufenden zu halten. Wer solche Bücher selbst bezahlt und als Werbungskosten geltend machen will, muss darauf achten, dass der Titel des Buches schon vom Buchhändler auf dem Beleg eingetragen wird. Eine Quittung der Buchhandlung mit dem Stempel "Fachbuch" wird nicht anerkannt. Schreibt man den Buchtitel selbst auf den Beleg, begeht man - selbst wenn der Titel zutreffend ist - Urkundenfälschung.

8. Sonderausgaben

Einer der ergiebigsten Punkte beim Steuernsparen! Unbeschränkt abzugsfähig sind unter anderem Kirchensteuer oder Kirchgeld und Steuerberatungskosten (Steuerberater, Steuersoftware, Fachbücher).

Innerhalb von Höchstbeträgen lassen sich Spenden und Zuwendungen an Parteien und bestimmte Wählervereinigungen (maximal 1650 Euro, Eheleute 3300 Euro) absetzen. Spenden an als besonders förderungswürdig anerkannte gemeinnützige Zwecke können in Höhe von bis zu fünf Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte abgesetzt werden. Bei kulturellen Zwecken sind sogar zehn Prozent möglich. Außerdem können an jemand anderen bezahlte Renten und andere dauernde Lasten als Sonderausgaben geltend gemacht werden. In diesen Fällen sollte man sich allerdings steuerlich beraten lassen.

9. Vorsorgeaufwendungen

Soweit die Höchstbeträge von 2001 Euro (zusammen Veranlagte: 4002 Euro) überschritten sind, wirken Sozialabgaben, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Lebensversicherungen bisher nicht steuermindernd. Doch gegen die Höchstgrenzen läuft zur- zeit eine Verfassungsbeschwerde. Wer über den Höchstgrenzen liegt, sollte seinen Steuerbescheid in jedem Fall in diesem Punkt offen halten beziehungsweise darauf achten, dass dies das Finanzamt von sich aus getan hat (Vorläufigkeitsvermerk).

10. Versicherungen

Die Prämien für ideelle Versicherungen, die dazu da sind, Schäden, die man anderen zufügt, abzudecken, lassen sich ebenfalls absetzen. Dazu gehören zum Beispiel die Haftpflichtversicherung für ein Pferd, einen Hund, als Sportschütze oder etwa Drachenflieger. Auch die Haftpflichtversicherung für das eigen genutzte Haus ist als Sonderausgabe absetzbar, genau wie die für den Pkw, für ein Motorrad, ein Flugzeug oder ein Segelboot (nicht Teil- oder Vollkasko).

11. Riesterrente

Wer entsprechende Beiträge zur Altersvorsorge entrichtet, kann für 2002 und 2003 bis zu 525 Euro sowie für 2004 und 2005 bis zu 1050 Euro als Sonderausgabe geltend machen. Bis 2008 soll der Betrag auf bis zu 2100 Euro steigen.

12. Realsplitting

Unterhaltsleistungen an getrennt lebende oder geschiedene Ehepartner können bis zu 13.805 Euro pro Jahr als Sonderausgaben abgesetzt werden. Voraussetzung: Der Empfänger versteuert den Unterhalt als sonstige Einkünfte. Dies muss mit einem speziellen Formular von beiden Beteiligten beantragt werden.

13. Private Wertpapiergeschäfte

Derzeit ist noch völlig offen, ob Gewinne ("Spekulationsgewinne") aus Wertpapierkäufen und -verkäufen innerhalb eines Jahres überhaupt versteuert werden müssen, weil wegen mangelnder Erfassung aller derartigen Geschäfte der Gleichheitsgrundsatz bei dem verletzt wird, der diese Geschäfte angibt. Ein entsprechender Steuerbescheid, bei dem Steuern auf Gewinne angefallen sind, sollte deshalb offen gehalten werden. Verluste, die innerhalb der zwölf Monate realisiert werden, können nur mit Gewinnen ebenfalls aus Wertpapiergeschäften verrechnet werden.

14. Neujahrsfalle

Die Eigenheimzulage wird gewährt im Jahr der Anschaffung oder des Baus und in den folgenden sieben Jahren. Wird beispielsweise Ende des Jahres 2003 gekauft oder der Bau fertiggestellt, der Umzug findet aber erst im Januar 2004 statt, geht die Zulage für das Jahr 2003 unwiederbringlich verloren. Das verlorene Jahr kann auch nicht hinten angehängt werden. Die Förderung wird dann nur für sieben statt acht Jahre gewährt.

15. Verspätung

Wer seine Steuererklärung erheblich verspätet abgibt, riskiert, dass das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen schätzt und einen entsprechenden, meist unangenehm hohen Steuerbescheid mit Festsetzung eines Verspätungszuschlags erlässt. Ein dagegen eingelegter Einspruch verhindert zwar, dass der Bescheid nach einem Monat Bestandskraft erlangt. Ein gleichzeitiger Antrag auf Aussetzung der Vollziehung ist aber zwecklos, wenn nicht gleichzeitig die Steuererklärung, aus der sich eine kleinere Steuerschuld ergeben muss, mit abgegeben wird.

16. Originalbelege

Viele Steuervorteile lassen sich nur durch Vorlage der Originalbelege erreichen: Das gilt für die Anrechnung der Zinsabschlagsteuer, für Zuwendungsbestätigungen (früher Spendenquittungen) und einige außergewöhnliche Belastungen. Werden nur Kopien eingereicht, fallen die Beträge unter den Tisch. Daher: Kopien für die eigenen Unterlagen machen.

print