Überstunden und Sonntagsarbeit EU will Arbeitszeiten begrenzen


Seit Jahren wird darüber gestritten, jetzt wagt die EU einen neuen Vorstoß: Mithilfe eines Konsultationspapiers will sie gegen ein Übermaß an Überstunden und Sonntagsarbeit in den Mitgliedsländern vorgehen und dabei auch einen freien Tag pro Woche vorschreiben.

Zu viele Überstunden und ein Übermaß an Sonntagsarbeit sollen künftig in ganz Europa begrenzt werden. Die Europäische Kommission nimmt einen neuen Anlauf, um die Höchstarbeitszeiten EU-weit einheitlich zu deckeln. "Wenn Menschen zu viele Stunden arbeiten, schadet das ihrer Gesundheit", sagte EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor in Brüssel. Immerhin zehn Prozent aller Arbeitnehmer arbeiteten – inklusive Bereitschaftsdiensten - mehr als maximal 48 Stunden pro Woche. "Die meisten Probleme haben wir im Gesundheitssektor, bei Feuerwehrleuten und Polizisten", erklärte Andor.

Der Kommissar will auch einen freien Tag pro Woche vorschreiben. Allerdings müsse entgegen der Forderung von Gewerkschaften und Kirchen nicht unbedingt der Sonntag ein grundsätzlich arbeitsfreier Tag sein. "Ich bin davon überzeugt, dass wir einen freien Tag in der Woche brauchen", sagte Andor. "Ich finde aber nicht, dass wir diesen freien Tag in allen Mitgliedsstaaten an einem bestimmten Tag festmachen müssen." Jeder der 27 EU-Staaten habe ganz andere Traditionen.

"Dieses Mal geben wir dem Dialog viel Raum"

Der Sonntag ohne Arbeit und eine europaweite Begrenzung der Höchstarbeitszeit sind seit Jahren ein Streitthema in der EU. Nach jahrelangem Tauziehen scheiterte 2009 eine Vorlage aus Brüssel am Widerstand von Europaparlament und Mitgliedsstaaten. Das bisher unlösbare Problem geht Andor nun mit einem Konsultationspapier an. Darin werden Gewerkschaften und Arbeitgeber aufgefordert, sich an der Diskussion zu beteiligen. "Dieses Mal geben wir dem Dialog viel Raum", erklärte Andor. "Es ist ganz wichtig, dass wir nicht vorpreschen."

Im Idealfall soll Ende des Jahres ein neuer EU-Gesetzesentwurf vorgelegt werden. Die Konsultationen sollten im Sommer abgeschlossen sein. "Dann werden wir unter belgischer EU-Ratspräsidentschaft einen Vorschlag machen." Nötig geworden war die Überarbeitung durch drei Urteile des Europäischen Gerichtshofs, der Bereitschaftszeit grundsätzlich zu Arbeitszeit erklärt hatte. Einige Länder monierten aber, dass dann die Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern nicht mehr gewährleistet sei und zogen einen Ausstieg aus den gemeinsamen Höchstarbeitszeiten im Gesundheitssektor vor.

APN/AFP

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