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Umtausch: Die D-Mark sagt »Tschüss«

Bis Ende Februar 2002 kann mit Mark gezahlt werden, ab dann gilt unwiderruflich der Euro. Zum Umtausch der Bestände erwarten die Banken einen Massenansturm.

Wenn Anfang 2002 der Euro antritt, müssen D-Mark-Münzen und Banknoten eingezogen und umgetauscht werden. Millionen Sparstrümpfe und -schweine werden dann geplündert, Warteschlangen in den Banken könnten zum Alltag gehören. Die Banken und Sparkassen versuchen daher, ihre Kunden zu bewegen, schon vorher ihr Kleingeld - und auch größere Beträge - loszuwerden.

»Jede Münze, die deutlich vor Silvester eingezahlt wird, erleichtert uns den Jahreswechsel«, sagt Andreas Goralczyk, Euro-Koordinator beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) in Berlin. Im Mai werde es dazu einen Aufruf von Bundesbank und Geschäftsbanken zum vorzeitigen Bargeldrückfluss geben, der zum Weltspartag am 31. Oktober wiederholt wird, kündigt Peter Walter, der Leiter der Bundesbank-Hauptkasse, an.

Bis zu 100 Milliarden Mark befinden sich in gehorteten Beständen bei Bürgern zu Hause, schätzt Walter. Der Experte rät, sich entweder sehr frühzeitig an die Bank zu wenden oder aber viel Zeit zu lassen: Niemand werde gezwungen, sein Bargeld bis zu einem bestimmten Termin einzutauschen. Zwar kann im Jahr 2002 nur noch bis Ende Februar mit D-Mark bezahlt werden. Bei der Bundesbank und den Landeszentralbanken (LZB) sei der Umtausch in Euro zum Referenzkurs aber zeitlich unbegrenzt möglich. Wenn in 30 Jahren nach dem Tod der Erbtante noch größere Mengen 1000-Mark-Scheine unter dem Bett der Verblichenen gefunden werden, ist das Geld also keineswegs wertlos.

Außerdem sei damit zu rechnen, dass auch die Banken und Sparkassen »um die Ecke« über den Stichtag 28. Februar 2002 hinaus für längere Zeit alte Markmünzen und -scheine entgegennehmen, sagt Walter. Niemand wolle schließlich seine Kunden verprellen. Auch Geldscheine aus längst ausgelaufenen Druckserien, die etwa noch die Burg Elz oder die Gorch Fock auf der Rückseite zeigen, können weiterhin eingelöst werden, zumindest bei den LZB auch unbefristet und gebührenfrei.

Wie sehr sich die Bürger von der Infokampagne beeinflussen lassen, ist offen. Armin Czysz von der Aktionsgemeinschaft Euro in Bonn, an der unter anderem die Bundesregierung beteiligt ist, rechnet mit einem »spürbaren Impuls Anfang September, wenn bekannt wird, wie denn nun das neue Geld exakt aussehen wird. Das wird viele Leute zum Einzahlen alter Bestände bewegen.« Bundesbanker Peter Walter geht dennoch davon aus, dass das meiste alte Bargeld erst im Januar 2002 zurückfließen wird - und zwar nicht als Gutschrift aufs Girokonto, sondern tatsächlich im Umtausch gegen Euromünzen und -scheine.

Zum Teil hätten »die Leute das Geld ja gerade deshalb zu Hause, weil sie es nicht auf der Bank haben wollen. Daran wird die Einführung des Euros nichts ändern.« Außerdem sei es zu kurz gedacht, nur in den Banken Einrichtungen des Geldwechsels zu sehen, sagt Walter: »Der Einzelhandel spielt da eine überragende Rolle. Die Geschäfte müssen im Januar und Februar 2002 noch Mark entgegennehmen und in Euro herausgeben. Was die Leute Neujahr noch an D-Mark in der Tasche haben, werden sie nach und nach loswerden.«

Genau darin liege auch der »Charme dieser Übergangslösung«: Niemand müsse am Neujahrstag früh aufstehen und zur Bank gehen, auch wenn manche Kreditinstitute bereits angekündigt haben oder zumindest überlegen, am 1. Januar die Schalter für Privatkunden zu öffnen. Nötig sei das jedoch nicht, sagt Walter - nicht zuletzt deshalb, weil 70 bis 75 Prozent des Bargelds, das in den Verkehr kommt, heute aus Geldautomaten gezogen wird. Es gebe das ehrgeizige Ziel, 90 Prozent der Automaten am Neujahrstag bis zur Mittagszeit umgerüstet zu haben.

Wer schon in diesem Jahr seine Spardosen und Schuhkartons voller Pfennige loswerden will, wird in den Banken auf so genannte Safebags stoßen, erläutert Andreas Goralczyk. In diese Beutel füllt der Kunde sein Münzgeld, ohne es sortieren und in Rollen verarbeiten zu müssen. Hinzu kommt ein Zettel mit der Angabe, wie hoch die enthaltene Summe in etwa sein könnte. »Exakt ausgezählt wird der Inhalt von unseren Partnern in der Werttransportbranche«, erläutert der BdB-Direktor. Auch der Euro wird also keine Rückkehr der Geldzählmaschinen in die Schalterhallen mit sich bringen, jedenfalls nicht im großen Stil.

Erstmal wieder abgeflaut ist die Diskussion darüber, ob die Banken für die Entgegennahme von Mark-Beständen Gebühren erheben dürfen. Branchenvertreter wie Goralczyk versprechen »verbraucherfreundliche Regelungen«, auch wenn jedes Institut selbst festlegen könne, bis zu welcher Summe es »haushaltsübliche Mengen« kostenlos annimmt.

Manfred Westphal von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) in Bonn bleibt dennoch skeptisch: »Die Banken müssten verbindlich erklären, dass sie die D-Mark kostenlos zurücknehmen« - und zwar auch über den Stichtag 28. Februar 2002 hinaus. Nicht für jedermann seien LZB-Filialen gut zu erreichen. »Außerdem will man ja die Akzeptanz der Bürger bei der Euro-Einführung, und mit einem kostenlosen Umtausch könnten da auch die Banken etwas beitragen«, so Westphal.

Informationen:

Aktionsgemeinschaft Euro,

Poppelsdorfer Allee 44,

53115 Bonn

Fax: 0228/98 16 64

»Euro-Bürgertelefon«: 0180/321 20 02

(montags bis freitags von 9.00 bis 19.00; samstags von 9.00 bis 14.00, der Anruf kostet im Schnitt 18 Pfennig pro Minute);

Broschüren zum Thema Euro können auch bei der »Euro-Line« der Bundesregierung unter der Rufnummer 01805/22 19 99 bei Kosten von 48 Pfennig pro Minute bestellt werden.