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Vermögensreport: So reich sind die Deutschen

Private Haushalte in den USA, Westeuropa und Japan haben im Jahr 2006 mehr als 128.000 Milliarden Euro angehäuft. Das besagt der Vermögensreport 2007 der Allianz Gruppe. Die Zahl übertrifft das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieser Regionen um mehr als das Fünffache. Die Deutschen liegen in Europa nur im Mittelfeld.

Von Ruth Fend, Frankfurt

Deutschland, das Land der Sparer. Rund 580 Milliarden Euro liegen auf deutschen Sparbüchern. 53 Prozent der Bundesbürger haben eines, mehr als 260 Euro zahlt der Durchschnittshaushalt pro Monat ein - Tendenz steigend. Damit wandert jeder dritte gesparte Euro in diese mit Abstand beliebteste Anlageform. Weit vor Investmentfonds, die nur 29 Prozent der Deutschen im Portfolio haben. Das zeigen Studien der Bundesbank, des Statistischen Bundesamts sowie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

Doch das Interessante ist: Trotz ihrer Sparsamkeit sind die Deutschen nicht so vermögend wie die Schweizer oder Amerikaner. Ein Überblick über die Ergebnisse des aktuellen Allianz-Vermögensreports.

Wie reich sind die Deutschen im internationalen Vergleich?

Das Finanzvermögen in Relation zum BIP ist in der Schweiz am höchsten: Das Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte überstieg das Schweizer BIP 2006 um 371 Prozent, gefolgt von den USA mit 318 Prozent. Deutschland liegt mit 196 Prozent im Mittelfeld der EU-Länder, allerdings unter dem EU-Schnitt von 219 Prozent.

Wenn man den Wohlstand auf Basis des Pro-Kopf-Vermögens vergleicht, nehmen die US-Amerikaner die Spitzenposition ein. Mit 174.700 Euro besitzen die amerikanischen Haushalte um rund 15 Prozent höhere Bruttovermögen pro Kopf als die europäischen Haushalte. Ihr Geldvermögen ist sogar 75 Prozent höher als das der Europäer.

Wie sieht das deutsche Portfolio aus?

Private Haushalte in Deutschland verfügten 2006 über ein Bruttovermögen von insgesamt 10.300 Milliarden Euro. Mit gut 46 Prozent entfällt der größte Teil davon auf Immobilien, fast ebenso wichtig ist das Geldvermögen mit 43,6 Prozent. Das Gebrauchsvermögen - etwa in Form von Schmuck und Antiquitäten - trägt zehn Prozent bei. Die Aktienanlage spielt hierzulande im internationalen Vergleich nur eine untergeordnete Rolle.

Wie hat sich das Privatvermögen über die Jahre entwickelt?

Seit 1991 ist das Bruttovermögen um 73 Prozent gestiegen. Dabei haben sich die Anteile stetig zugunsten des Geldvermögens verschoben: 1991 lag der Immobilienanteil noch bei 56 Prozent und das Geldvermögen bei 34 Prozent.

Der Börsencrash von 2002 hat diesen Trend nur kurz unterbrochen. Er ist aber dafür verantwortlich, dass das Geldvermögen in den vergangenen 15 Jahren mit rund 5,5 Prozent vergleichsweise langsam stieg. Während der Wirtschaftswunderjahre legten Haushalte mehr Geld auf die hohe Kante: Zwischen 1960 und 1970 etwa legte das Geldvermögen um jährlich zwölf Prozent zu.

Während von 1960 bis 1990 das Sparvolumen für den Vermögensanstieg entscheidend war, gewannen in den 90er Jahren auch Kursgewinne an Bedeutung. 1997 bis 1999 trug das Sparen nur noch gut 60 Prozent zum Vermögensanstieg bei, knapp 40 Prozent resultierten aus Kursgewinnen. Die gute Börsenentwicklung 2006 wurde dazu genutzt, um Gewinne mitzunehmen und dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren - dieser Trend ist seit 2001 zu beobachten. Dafür schichteten Anleger Gelder in kurzfristige renditeträchtigere Termineinlagen um - etwa in Zertifikate.

Die Verschuldungen belaufen sich auf ungefähr 1600 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon sind Hypotheken. Die Verschuldung sank in den vergangenen zwei Jahren - vermutlich wegen der schwachen Einkommensentwicklung und der Unsicherheit vieler Haushalte über ihre Arbeitsplatzsituation.

Was machen die USA und die Schweiz anders?

Das Wachstum des Geldvermögens in den USA basiert stärker als in Deutschland auf Kapitalgewinnen. In den USA waren 2006 rund 43 Prozent des Geldvermögens in Aktien und Investmentfonds investiert, in Deutschland lediglich 24,5 Prozent. Die Realrendite von US-Anlagen entspricht 3,6 Prozent, das ist 1,3 Prozent mehr als in Deutschland.

Im Brutto-Finanzvermögen im Vergleich zum BIP ist die Schweiz mit 317 Prozent Spitzenreiter. Dafür werden in erster Linie die Altersvorsorgesysteme verantwortlich gemacht, die in der Schweiz einen hohen kapitalgedeckten Anteil umfassen. Dadurch ist der Anteil an Versicherungen und Pensionsfonds sowie Aktien und Investmentfonds besonders hoch: 70 Prozent und mehr sind in diesen Vermögensklassen in der Schweiz, den USA, Großbritannien und den Niederlanden angelegt.

Was empfehlen die Banken?

Der Grund für die bessere Rendite in den USA ist laut der Allianz-Studie der sehr viel niedrigere Anteil von Spar- bzw. Geldmarktanlagen. Der Finanzkonzern rät deshalb - nicht ganz uneigennützig - dazu, die deutschen Portfolios von Sparprodukten auf Aktien umzuschichten. Vorbild sind die USA: Konnten die US-Bürger im Zeitraum zwischen 1991 und 2006 real 3,6 Prozent Rendite aus ihrem Vermögen ziehen, so waren es bei den Bundesbürgern nur 2,3 Prozent. Eine Erhöhung der Aktienquote um zehn Prozentpunkte könnte rund 18 Milliarden Euro mehr Rendite jährlich erbringen, 27 Milliarden Euro wären es bei einer weitgehenden Angleichung an die US-Quote.

FTD