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Versicherungen: Mannheimer sieht sich auf Weg aus Talsohle

Harte Aktionärskritik gab es für die schwer angeschlagene Mannheimer nach der nur knapp abgewendeten Insolvenz der Lebensversicherungs-Tochter. Aktionäre wollten sogar dem Vorstand die Entlastung verweigern.

Die schwer angeschlagene Mannheimer Versicherung ist nach der knapp abgewendeten Insolvenz der Lebensversicherungs-Tochter und tiefroten Halbjahreszahlen von ihren Aktionären hart attackiert worden. Auf der Hauptversammlung in Mannheim wurde am Mittwoch gefordert, Aufsichtsrat und Vorstand die Entlastung zu verweigern. Vorstandssprecher Lothar Stöckbauer betonte bei dem turbulenten Aktionärstreffen dagegen, die Mannheimer sei durch die Partnerschaft mit der Versicherungsgruppe Continentale auf dem Weg aus der Talsohle.

Continentale half aus dem Schwersten heraus

Durch den 51-prozentigen Einstieg des sechstgrößten deutschen Krankenversicherers aus Dortmund bei der Mannheimer Krankenversicherung könne die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte abgewendet werden, erklärte Stöckbauer. "Die schwierigste Zeit liegt hinter uns." Die Mannheimer sehe ihrer Zukunft nun in der Kranken- und Sachversicherung. Bei der Holding seien jedoch noch etliche Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Stöckbauer räumte ein, dass das Vertrauen in den Name Mannheimer in den vergangenen Monaten verspielt worden sei.

Tiefrote Zahlen

Die finanzielle Schieflage der Lebensversicherungs-Tochter hatte dem Versicherer zum Halbjahr die tiefroten Zahlen gebracht. Deren Insolvenz hatte die Mannheimer Holding im Juni nur durch eine Einigung mit der Auffanggesellschaft Protektor verhindern können. Damit war die Mannheimer Leben zum ersten Fall für die von der Versicherungsbranche gegründeten Gesellschaft geworden. Die negative Entwicklung der Mannheimer könne als Lehrstück und Abschreckung für andere Versicherer gelten, kritisierten die Aktionäre. Aktionärsvermögen sei durch grobe Fehleinschätzung des Vorstands vernichtet worden. Es wurde eine Sonderprüfung der Geschäftszahlen der Jahre 2000 bis 2002 gefordert.

Keine Dividende für 2002

Im ersten Halbjahr war durch Abschreibungen auf Kapitalanlagen in Höhe von 147,5 Millionen Euro ein Fehlbetrag von 103,6 Millionen Euro erzielt worden. Davon waren 79,5 Millionen Euro auf die Mannheimer Leben entfallen. Im ersten Quartal hatte der Fehlbetrag bei 63,6 Millionen Euro gelegen. Eine Dividende für 2002 soll wegen der Finanzprobleme nicht gezahlt werden. "Das Geschäftsjahr 2002 war ein dramatisches Jahr", sagte Stöckbauer zur Erklärung. Er kündigte weitere Kapitalmaßnahmen an.

345.000 Verträge liegen bei Protektor

Protektor will bis Ende September formell alle 345.000 Verträge mit einem Volumen von etwa 18 Milliarden Euro übernehmen. Die Unterdeckung der Mannheimer Leben soll sich auf 215 bis 230 Millionen Euro belaufen. Diese Summe wurde in ein verzinsliches Darlehen an die Holding umgewandelt. An der Auffanggesellschaft haben sich 103 Lebensversicherer beteiligt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) muss der Übernahme noch abschließend zustimmen.