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Zwischenbilanz: Dramatischer Ergebniseinbruch bei Volkswagen

VW rauscht Richtung Talsohle: Schwacher Automarkt, sinkender Dollar und Modellanläufe belasten die Bilanz fürs erste Quartal - bis Jahresende wird aber eine Verbesserung erwartet.

Der VW-Konzern ist seit Jahresbeginn mit Vollgas Richtung Talsohle gerauscht. Dabei haben der starke Euro und hohe Kosten für neue Modelle wie den Golf negative Folgen der schwachen Autokonjunktur noch dramatisch verschärft. Der Gewinn der Wolfsburger stürzte deshalb von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 202 Millionen Euro auf ein Drittel ab. VW-Chef Bernd Pischetsrieder bekräftigte am Mittwoch mit Hinweis auf viele neue Modelle, er rechne mit einer deutlichen Erholung im zweiten Halbjahr.

Ergebnis kam nicht unerwartet

Der VW-Vorstandsvorsitzende hatte Anleger seit Vorlage der Bilanz 2002 Mitte März in Dresden auf ein äußerst schwaches erstes Quartal vorbereitet. Dennoch lag das Vorsteuerergebnis mit 331 Millionen Euro (minus 66,8 Prozent) nochmals deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Dazu hat auch eine Wertberichtigung bei Wertpapieren von 143 Millionen Euro beigetragen. Die VW-Aktie stieg trotzdem bis zum Mittag gegen den DAX-Trend um 1,7 Prozent auf 32,88 Euro.

China bügelte Absatzminus aus

Weil sich der Absatz anders als zuletzt mit plus 3,1 Prozent auf 1,21 Millionen Fahrzeuge leicht positiv entwickelte, hielt der Konzern seinen Anteil am Weltmarkt mit 11,3 Prozent stabil. Grund dafür war vor allem der boomende Markt in China. VW büßte aber am deutschen Heimatmarkt 0,3 Punkte auf 29 Prozent ein und in Westeuropa 0,2 Punkte auf 17,2 Prozent. Schmerzhaft fielen die Absatzverluste mit 16,3 Prozent in Südamerika aus, die wie die minus 4 Prozent in Nordamerika auch mit dem starken Euro zu tun haben.

Koppelung an US-Dollar schmälert Ergebnis

Dass der Umsatz trotz gestiegenen Absatzes um 2,7 Prozent auf knapp 20,7 Milliarden Euro gesunken ist, hat ausgerechnet mit dem explodierenden chinesischen Markt zu tun: Hier verdoppelten VW und Audi ihren Absatz nahezu auf 162.000 Fahrzeuge. Doch da der Konzern an den Gemeinschaftsunternehmen Shanghai-Volkswagen Automotive Company und FAW-Volkswagen Automotive Company weniger als 50 Prozent hält, werden nach internationalen Bilanzierungsstandards weder Umsatz noch operatives Ergebnis verbucht. Wegen der Kopplung des chinesischen Renminbi (=Volkswährung) an den US-Dollar bleibt bei geschmälerter Marge für das Finanzergebnis im Konzern kaum etwas übrig.

Starker Euro schadet Exporten

Tatsächlich soll VW mit jedem Cent, den der Euro gegenüber dem Dollar gewinnt, 38 Millionen Euro beim Vorsteuerergebnis verlieren. Das wären bei einem Kurs von 1,12 Euro allein rund 684 Millionen Euro, nachdem das Unternehmen bei der Gewinn- und Verlustrechnung 2002 den Dollar zu einem Durchschnittskurs von 0,94 Euro umrechnete.

Hohe Anlaufkosten für neue Modelle

Zu denken geben müsste normalerweise auch das als Indikator für die effektive Arbeit eines Unternehmens wichtige operative Ergebnis, das sich auf 604 Millionen Euro nahezu halbierte. Doch neben dem China-Effekt tauchen hier einmalig hohe Anlaufkosten für neue Modelle auf, die wie der Golf erst im Herbst auf die Jagd nach Käufern geschickt werden können.

Zweites Halbjahr entscheidet

Richtig ernst wird es deshalb für den Konzern im zweiten Halbjahr. "Wir gehen davon aus, dass sich das operative Ergebnis auf Grund steigender Absatzzahlen durch die erweiterte sowie erneuerte Produktpalette - vor allem die Modelle Touareg, Touran, Audi A3, Golf und die neue Transporter-Generation - im Jahresverlauf erheblich verbessern wird", sagte Pischetsrieder. Allerdings hatte er schon Mitte März die Märkte mit der Prognose geschockt, das operative Ergebnis des Vorjahres von 4,76 Milliarden Euro nicht erreichen zu können und erst für 2004 wieder einen neuen Ergebnisrekord angekündigt.