Währung Euro unbeeindruckt von EU-Entscheidung zum Stabilitätspakt


Der Verzicht auf EU-Sanktionen gegen die Defizitsünder Deutschland und Frankreich lässt den Devisenmarkt kalt. Von einer kurzfristigen Euro-Vertrauenskrise ist nichts zu spüren.

Keine Spur von einer Euro-Vertrauenskrise, im Gegenteil: Am Mittwoch notierte der Euro sogar wieder deutlich über der Marke von 1,18 Dollar. Zur Zeit seien andere Themen wichtiger als die Entscheidung des EU-Ministerrats, so die Devisenhändler. Dies erscheint auf den ersten Blick verwunderlich, da gerade der Stabilitätspakt sicherstellen soll, dass der Euro auf Dauer eine harte Währung bleibt. «Der Kompromiss ist nur die offizielle Bestätigung, dass sich keiner mehr um die Stabilität schert», sagte ein Devisenexperte. «Das wusste sowieso schon jeder, und deshalb hat es im Augenblick keine Auswirkung auf den Devisenmarkt.»

Terrorangst und US-Situation bestimmen Lage

"Die Angst vor Terror, das hohe US-Leistungs- und Haushaltsdefizit, die Protektionismusbestrebungen der USA sowie Devisenmarktinterventionen der asiatischen Länder bestimmten die Entwicklung an den Märkten", sagten Händler. Der Euro-Kurs werde sowieso eher von Dollar-relevanten Themen beeinflusst. Zunächst werde es daher keine Abschwächung des Euro geben.

Kaum Auswirkungen erwartet

Selbst der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, der sehr kritisch zur EU-Entscheidung steht, erwartet kurzfristig keinen Einfluss auf die Stabilität des Euro. "Die Amerikaner haben im nächsten Jahr eine Wahl, und dort wird man einen starken Dollar nicht haben wollen. Der Euro wird schon allein deshalb nicht schwach, weil die Amerikaner keinen starken Dollar wollen."

Zum 'Schönwetterpakt' verkommen?

Manche Experten meinen jedoch, dass die hohe Verschuldung der größten Euro-Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich und die Aufweichung des Paktes den Euro belasten werden, sobald diese US-Themen aus dem Blickfeld verschwunden sind. Der Stabilitätspakt drohe zu einem "Schönwetterpakt" zu verkommen. Deshalb plädiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dafür, das «Aussetzen» des Stabilitätspaktes so kurz wie möglich zu halten. Der Pakt sei zwar nicht perfekt, aber ohne ihn wären die Defizit noch höher. Die OECD erwartet, dass Deutschland auch 2005 den Stabilitätspakt verletzt.

Besonders solide Finanzpolitik gefordert

Wenn der Schaden nicht durch eine "besonders solide Finanzpolitik" in den kommenden Jahren wieder repariert werde, büße der Euro mittelfristig Glaubwürdigkeit ein, sagt auch Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Es bestehe die Gefahr, dass die ökonomisch begründeten Beschränkungen der Finanzpolitik "weichgespült werden". Und der Devisenexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank mahnt: "Warum sollten sich später die Euro-Kandidatenländer an das Defizitkriterium halten, wenn dies nicht einmal die großen Euro-Länder tun?" Die kurzfristige Härte des Euro ist also noch lange keine Garantie für seine langfristige Festigkeit.

Jürgen Sabel DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker