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Weihnachten: Beim Baum wird nicht gespart

Trotz Wirtschaftsflaute und Existenzangst, der Weihnachtsbaum wird von den Deutschen nicht angetastet. 2003 wurden rund 27 Millionen Bäume verkauft, Tendenz steigend. Denn ein neuer Trend geht zum Zweitbaum - für den Garten.

"Beim Weihnachtsbaum wird definitiv nicht gespart", sagt Trendforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut im hessischen Kelkheim. "Wenn es ansonsten wenig zu lachen gibt, möchte man doch wenigstens Weihnachten bunt erleben." 88 Prozent der Deutschen stellten sich einen Weihnachtsbaum in die Wohnung. Sie werden nach Schätzung des Verbands der Deutschen Holzindustrie in diesem Jahr mindestens 500 Millionen Euro für diesen Brauch ausgeben. Ungebrochen sei der Trend zum Zweitbaum im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon, berichtet Wenzel. Deshalb rechnet auch der Vorsitzende des Verbands der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Niedersachsen, Hamburg und Bremen, Bernd Oelkers, mit etwas höheren Verkaufszahlen: "Wir erwarten noch einen leichten Anstieg."

Knapp zwei Drittel sind heimische Gewächse

Rund 70 Prozent der verkauften Bäume sind nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) heimische Gewächse, der Rest wird hauptsächlich aus Dänemark importiert. Die Preise sollen nach Angaben der Händler stabil bleiben: Eine 1,50 Meter hohe Nordmanntanne werde etwa 20 Euro kosten, sagt Axel von Bülow von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Rund ein Drittel der Bäume werde in Baumärkten und Gartencentern vertrieben. Dort würden die Bäume häufig zu Dumping-Preisen angeboten.

Nur noch selten wird das Grün für den Heiligen Abend bei Durchforstungsaktionen im Wald gewonnen. "Das sind höchstens drei bis fünf Prozent", sagt Oelkers. Ein Grund ist nach Angaben der SDW, dass zunehmend mehr Laubwald angepflanzt wird. Um den Bedarf zu decken, wächst der Großteil der Weihnachtsbäume auf Plantagen. Rund 38.000 Hektar Plantagen für Christbäume gibt es in Deutschland. Dort gedeihen rund 7500 Bäume pro Hektar. Doch nicht alle erfüllen die Qualitätskriterien. "Nur 50 bis 60 Prozent der Bäume sind verwertbar", sagt von Bülow. Aber auch der Wandel des Weihnachtsbaum-Geschmacks hat die Plantagenwirtschaft gefördert. Früher packten die Deutschen ihre Geschenke gerne unter geschmückten Fichten aus. "Heute ist die Nordmanntanne besonders beliebt", sagt SDW-Sprecher Jens Stengert. Der Verkaufsanteil liegt bei rund 60 Prozent. Der Vorteil der robusten Nordmanntanne: Sie hat weiche Nadeln und hält länger.

Online-Handel nimmt zu

Beim Handel spielen die Online-Anbieter eine immer größere Rolle. Anhand von Fotos kann sich der Käufer eine Nordmanntanne oder Blaufichte aussuchen, die nach Hause geliefert wird. Keine langwierige Suche bei schlechtem Wetter, das Auto bleibt nadelfrei - so werben die Shops. Bis zu 250 Mitarbeiter beschäftigt zum Beispiel weihnachtsbaum.de in der Hochsaison. Geschäftsführer Hans-Lothar Werth betreibt Plantagen mit fast drei Millionen Weihnachtsbäumen. Gearbeitet wird an mehreren Verpackungsfließbändern. "Schon am nächsten oder spätestens übernächsten Tag ist der Baum da", sagt Werth. Genaue Verkaufszahlen will er nicht nennen.

In dem Geschäft mit dem Weihnachtsbaum liegen nicht etwa die waldreichen Länder Bayern und Baden-Württemberg vorn, sondern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Eine Christbaum-Hochburg ist das Sauerland. Jeder dritte Baum kommt nach Angaben der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen von dort. In Ostdeutschland wird dagegen nur wenig angebaut.

Stephanie Lettgen, dpa / DPA