Discounter Aldi befeuert neue Runde im Preiskrieg


Käse, Fleisch, Pommes, Reis - alles wird billiger: Die Discounter haben zum zehnten Mal in diesem Jahr die Preise gesenkt. Marktführer Aldi machte es vor, und die Konkurrenz zog nach. Was den Kunden freut, wird für den Handel selbst langsam zum Problem.

Seit Jahresbeginn tobt im deutschen Einzelhandel ein gnadenloser Preiskrieg. Zum zehnten Mal in diesem Jahr setzte Marktführer Aldi am Donnerstag die Preise auf einen Schlag für rund 30 umsatzstarke Artikel wie Joghurt, Käse oder Reis um bis zu 20 Prozent herunter. Und den Konkurrenten blieb keine andere Wahl als zu folgen. Der größte deutsche Lebensmittelhändler Edeka kündigte umgehend an, in seinem Preiseinstiegssegment mit Aldi gleichzuziehen. Auch die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount setzt den Rotstift bei 30 Artikeln an. Konkurrent Penny, der Rewe gehört, reduzierte bei mehr als 50 Artikeln die Preise. Auch Aldis größter Rivale Lidl reagierte am Donnerstag auf die Marktsituation. Details wurden nicht genannt.

Becher Sahnejogurt für 25 Cent

Gewinner der Preisschlacht ist der Verbraucher. Den billigsten Sahnejoghurt kann er inzwischen schon für 25 Cent pro Becher bekommen, Reis für 89 Cent pro Kilogramm und 500 Gramm gemischtes Hackfleisch für 1,89 Cent. Mit den erneuten Preissenkungen bleibt die kräftige Erhöhung bei Butter von bis zu 30 Prozent vorerst ein Einzelfall. Anfang des Monats hatte Aldi den Preis für das Päckchen 250 Gramm Deutsche Markenbutter von 65 auf 85 Cent angehoben. Die meisten anderen Handelsketten zogen auch hier nach.

Die Erwartung von Marktbeobachtern, dass nach Butter auch Milch, Quark und Sahne spürbar teurer werden, erfüllte sich bislang noch nicht. Der Preis von Sprühsahne fiel bei Aldi im Gegenteil jetzt sogar um 17 Prozent auf 99 Cent (250 ml). Bei Käsescheiben senkte Aldi den Preis um 20 Prozent. Pommes Frites wurden gut 10 Prozent billiger, Schinkenschnitzel um 6 Prozent.

Die vielleicht wichtigste Ursache für den gandelosen Preiskrieg: Nach Jahren des stürmischen Wachstums stoßen die Discounter erstmals an Wachstumsgrenzen. Ihr Marktanteil liegt inzwischen bei rund 42 Prozent und ist damit nach Einschätzung des Handelsexperten Joachim Zentes von der Universität Saarbrücken kaum noch zu steigern. Wo früher Wachstumsspielraum für alle Discounter war, droht jetzt ein erbarmungsloser Verdrängungswettbewerb.

Edeka verschärft Wettbewerb im Billigsegment

Er wird noch dadurch angeheizt, dass Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka im Discount-Bereich künftig eine wichtigere Rolle spielen will. Edeka hat seine Discount-Tochter Netto durch die Übernahme des Konkurrenten Plus gestärkt und den Platzhirschen Aldi und Lidl den Kampf angesagt.

Zugleich versuchen die großen Supermarktketten wie Edeka, Rewe oder Real inzwischen, die Discounter mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sie haben ein "Kampfsortiment" von 600 bis 800 Artikeln von der Billigbutter bis zum Brillenputztuch aufgebaut, das sie zum Discounterpreis anbieten. "Der Verbraucher hat erkannt, dass er auch bei Rewe oder Edeka diese Artikel zu Preisen wie beim Discounter finden kann, aber in einer attraktiveren Präsentation und mit einer viel größeren Auswahl an zusätzlichen Artikeln", sagt Zentes. Die erfolgsverwöhnten Billiganbieter sehen sich plötzlich unter Druck.

Ende der Preisschlacht nicht in Sicht

Doch Marktführer Aldi hat die Herausforderung angenommen. Fast im Monatsrhythmus senkte der Billiganbieter seit Jahresbeginn die Preise für umsatzstarke Produkte und schärfte so sein Image als preiswertester Anbieter. Dabei nahm die Discountkette offenbar auch Umsatzverluste bewusst in Kauf. Nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sank der Umsatz im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent und damit stärker als bei den traditionellen Supermärkten. Es ist eine Wette auf die Zukunft glauben viele Branchenbeobachter. Bisher haben die Discounter noch nicht von der Konjunkturkrise profitieren können.

Im Gegenteil: Nach Jahren des Niedergangs erlebten die klassischen Supermärkte zuletzt eine regelrechte Renaissance. Doch das könnte sich ändern, wenn die Konjunkturkrise den Arbeitsmarkt härter trifft als bisher und die gute Konsumlaune kippt. Dann könnte Aldi vom jetzt teuer erkauften Billigimage profitieren. Die Verbraucher können sich in der Zwischenzeit wohl noch auf so manches Schnäppchen freuen. "Es wird auf jeden Fall noch weitere Preisrunden geben", prognostizierte ein Branchenkenner.

AP/DPA/AFP AP DPA

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