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Fehler bei den Betriebskosten Jede zweite Abrechnung ist falsch


Die jährliche Betriebskostenabrechnung ist zu einem ständigen Reizthema zwischen Mietern und Vermietern geworden. Häufige Gründe sind Unübersichtlichkeit und die hohe Fehlerquote. Doch es gibt Hilfe.

Angesichts explodierender Nebenkosten für Wohnungsmieter sollten diese über gesetzliche Vorschriften und aktuelle Urteile auf dem Laufenden sein. Zu diesem Zweck hat der Deutsche Mieterbund (DMB) den Ratgeber "Die zweite Miete" neu aufgelegt. Mieter können sich darin über das Thema informieren. Enthalten sind Checklisten zur Abrechnung der Betriebskosten, Musterabrechnungen sowie der erste Betriebskostenspiegel Deutschlands. "Betriebskosten sind seit Jahren das Streitthema Nummer eins zwischen Mietern und Vermietern", sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des DMB. Gründe dafür seien auch die Unübersichtlichkeit und die hohen Fehlerquoten. Nach Einschätzung des DMB ist jede zweite Abrechnung falsch.

Gleich nach Erhalt prüfen

Mieter sollten ihre Abrechnung gleich nach Erhalt des Schreibens auf sachliche Richtigkeit überprüfen. Dabei ist darauf zu achten, dass grundsätzlich nur die Kostenarten abgerechnet werden dürfen, die laut Mietvertrag vereinbart wurden. Allerdings verstecken sich in Mietverträgen oft auch Positionen, die unzulässig sind, so der Deutsche Mieterbund.

So sei der Versuch recht verbreitet, Verwaltungskosten, zum Beispiel für Hausverwaltung, Bankgebühren, Porto, Zinsen und Telefon, auf die Mieter abzuwälzen. Das seien aber keine Betriebskosten und der Mieter müsse sie nicht zahlen, auch wenn im Mietvertrag etwas anders stehe.

Reparaturen trägt der Vermieter

Dasselbe gilt für Reparaturkosten im Haus oder in der Wohnung. Sie sind immer vom Vermieter zu tragen. Der Mieter braucht sich auch nicht an den Miet- und Anschaffungskosten für Müllbehälter zu beteiligen. Ebenso sind Kosten für die Reinigung einer von Ungeziefer befallenen Wohnung im Haus nicht auf die Bewohner umlegbar. Welche Kostenarten im Einzelnen als Betriebskosten im Mietvertrag vereinbart werden dürfen, ist in der Betriebskostenverordnung aufgeführt.

Vorsicht ist geboten, wenn die Zahlen der aktuellen Betriebskostenabrechnung erheblich von den Vorjahreswerten abweichen. Mieter sollten alle Positionen mit den Angaben der Vorjahresabrechnung vergleichen. Bei unplausiblen Preissprüngen können sie vom Vermieter Einsicht in die Original-Unterlagen fordern.

Billige Miete durch zu niedrige Betriebskosten

Schlechte Karten haben Neu-Mieter, denen im Mietvertrag niedrige Betriebskosten versprochen waren. Fällt dann die tatsächliche Abrechnung viel höher aus, müssen sie zahlen, wenn die Rechnung in Ordnung ist. Der Mieter kann nicht darauf vertrauen, dass die monatlichen Betriebskostenvorauszahlungen in etwa ausreichen werden, um alle Forderungen zu decken. Das entschied der Bundesgerichtshof (AZ: VIII ZR 195/03).

Der Deutsche Mieterbund rät betroffenen Mietern, vor dem Einzug bei Nachbarn oder Vormietern nach der tatsächlichen Höhe der Betriebskosten zu fragen, falls der Vermieter keine Auskunft dazu gibt.

Reiner Fischer/DDP DDP

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