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Portland in Oregon Frau erfriert nach Zwangsräumung - wegen 338 Dollar Mietrückstand

Obdachlose im Winter
Eine obdachlose Person übernachtet trotz niedriger Temperaturen nur unter einer Decke (Symbolbild)
© Picture Alliance
Wenn Sozialsysteme versagen, kann das tragische Folgen haben: In den USA verlor eine Frau ihre Wohnung, weil sie die Miete nicht gezahlt hatte. Nach knapp drei Monaten auf der Straße wurde sie erfroren in einer Parkgarage entdeckt.

Es ist ein tragisches Beispiel, was geschehen kann, wenn das System versagt: In Portland, im US-Bundestaat Oregon, hat die Polizei eine 52-jährige Frau namens Karen Lee B. tot in einer Parkgarage entdeckt. Offenbar war die Frau, die zum Zeitpunkt ihres Todes obdachlos war, in Einsamkeit erfroren. Doch B. lebte noch nicht lange auf der Straße, im Gegenteil. Wie die Zeitung "The Oregonian" berichtet, hatte die 52-Jährige vor knapp drei Monaten ihre Wohnung in einem Sozialwohnungsbau verloren. Sie musste ihre Bleibe, in der sie zuvor zehn Jahre gelebt hatte, im Zuge einer Zwangsräumung aufgeben - offenbar auch, weil sie mit ihrer Miete 338 US-Dollar im Rückstand war.

Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgehen soll, hatte sie sowohl im August als auch im September keine Zahlungen gemacht. Im Oktober dann begann der Prozess der Zwangsräumung. Martha McLennan, Leiterin der Nonprofit-Organisation "Northwest Housing Alternatives" und Mitbesitzern des Gebäudes in dem B. lebte, sagte dem "Oregonian", sie sei eine großartige Mieterin gewesen.

"Wenn sie Hilfe ablehnen, dann greift das System nicht"

Doch offenbar wollte sich die 52-Jährige bei ihren Problemen mit der Miete nicht helfen lassen. Demnach kümmert sich in dem Sozialbau in Portland ein Sozialarbeiter darum, Mietern bei der Kontaktaufnahme mit den Sozialbehörden zu helfen. In den letzten sechs Monaten vor der Zwangsräumung habe es vermehrt Beschwerden von Mietern über das Verhalten von B. gegeben. Dies sei ungewöhnlich für die 52-Jährige gewesen, die schon so lange in dem Sozialbau lebte.

Offenbar hatte die Frau ein Problem. McLennan sagte dem "Oregonian", der Sozialarbeiter habe immer wieder versucht sie zu überzeugen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch wenn sich jemand nicht helfen lassen möchte, folgt schnell der soziale Absturz - ein Problem, das auch Deutschland immer wieder vorkommt. "Momentan ist unser psychologisches Gesundheitssystem, unser System zur Suchtbewältigung, unser System zur Bekämpfung häuslicher Gewalt, darauf ausgelegt, dass sich die Opfer Hilfe suchen. Wenn sie diese Hilfe ablehnen, dann greift das System einfach nicht", so McLennan.

Gefühl extremer Wärme vor dem Erfrieren

Nachdem B. nicht zum Anhörungstermin vor Gericht bezüglich ihrer Zwangsräumung erschienen war, entschied der Richter zu ihren Ungunsten und ließ die Schlösser austauschen. Sie sei dann noch einmal zurückgekehrt, um ein paar persönliche Gegenstände aus ihrer Wohnung zu holen. Den Polizeibeamten habe sie gesagt, sie habe eine neue Bleibe gefunden. Doch dies war offenbar nicht der Fall. Und erstmal auf der Straße, fiel sie weiter durchs Netz und war auf sich alleine gestellt.

Am vergangenen Samstag dann erhielt die Polizei einen Anruf: Eine Frau würde sich in einer Parkgarage entkleiden. Bei Unterkühlung im Endstadium tritt bei Menschen häufig das Gefühl extremer Wärme ein, weil sich vor dem Erfrieren die Gefäße weiten und noch warmes Blut zurück in die Extremitäten strömt. Als die Beamten in der Garage eintrafen, war es für Karen Lee B. jedoch bereits zu spät.

amt

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