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20 Jahre Vermieter: Geständnis eines Vermieters – diese Horrorgeschichten erlebt man mit seinen Mietern

Tom Chiarella kaufte ein Kontorhaus und richtete Appartements ein. Die Investition sollte ihn reich und die Bewohner glücklich machen  - statt dessen kämpfte er mit seinen Mietern.

Regel Nummer Eins: Gehe niemals in eine Wohnung deiner Mieter.

Regel Nummer Eins: Gehe niemals in eine Wohnung deiner Mieter.

Zwanzig Jahre lang war Tom Chiarella Vermieter. Eine Epoche, die seinen Blick auf die Welt und seine Mitmenschen verändert hat – und das nicht zum Besseren. Seine Erfahrungen als Vermieter hat er nun veröffentlicht. Das Projekt startete vielversprechend. Zusammen mit seiner Gattin und zwei Freundinnen kaufte der US-Amerikaner ein Kontorhaus und verwandelte es in ein Apartmenthaus. Es sollte alle reich machen, so der Plan. 1999 wurde es gekauft, die Mieten sollten die Hypothek bis 2017 abbezahlen, dann wollte man fünf Jahre lang die Miete als Gewinn kassieren und das Haus im Jahr 2022 verkaufen. Bingo!

Aber vor der großen Ausschüttung, gab es eine Menge Arbeit zu tun. Für seine Rolle als Vermieter war Chiarella gut vorbereitet, sein Vater verwaltete große Immobilien. Doch während sein Vater ein beliebter und von seinen Mietern geachteter Mann war, kämpfte Tom Chiarella mit seiner Rolle.

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Einblicke, die niemand will

Jetzt lautet sein Rat Nummer Eins: Gehe nie in eine Wohnung, wenn es sich nur irgendwie vermeiden kannst. Man lernt Menschen erst richtig kennen, wenn man weiß, wie sie wohnen. Doch unter einem Abfluss liegend lernt man Seiten kennen, die dem Dinnerbesuch  verborgen bleiben. Dem Vermieter bleibt dagegen nichts erspart. Berge von gebrauchter Unterwäsche, spakige und nasse Handtücher sind noch normal. Ein Berg wochenalter Hummerschalen in der Spüle allerdings nicht. Man lernt auch die kreative Seite seiner Mieter kennen. Etwa wenn jemand den Abluftschlau des Wäschetrockners entfernt, um die gute Abwärme des Geräts zum billigen Heizen zu nutzen und sich dann beklagt, dass die Wohnung voller Flusenstaub ist.

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Nichts als unerklärliche Unfälle

Eine weitere Regel: Der Mieter ist nie schuld, an nichts. Das Klo fließt nicht ab. Die Erklärung des Mieters: Das kann nur ein Baumangel sein. Nachdem eimerweise Artischocken-Blätter aus dem Abfluss geholt wurden, heißt es: "Davon weiß ich nichts. Das muss ein Unfall gewesen sein."

Chiarella hat gelernt, der Vermieter darf den Mieter nie ausreden lassen. Denn der will immer eine Geschichte erzählen. Eine lange Geschichte mit vielen Windungen, die am Ende immer zu einem tragischen Unfall führt. Diese Geschichten fangen harmlos beim Kochen an und plötzlich fällt das Doppelglasfenster – während einer Halloween-Party – unerklärlicherweise auf die Straße, das Aquarium platzt – von allein - oder der seit Wochen abgeschaltete Kühlschrank ist auf einmal voller Maden. Die Botschaft an den Vermieter ist immer gleich: Ich kann nichts dafür! Kümmere dich um das Problem!

Messie Wohnung Leben Müll

Kontrolle ist besser

Ebenfalls wichtig: Im Gebäude muss man täglich auf Streife gehen. Dabei kann man Müll und leere Wasserfaschen entfernen. Denn der Mieter an sich geht ruppig mit den Gemeinschaftszonen um. Nach Umzügen finden sich Löcher in den Wänden und zerbrochene Fliesen auf dem Boden. In den USA so wichtig, wie bei uns: Die Hausordnung. Sie kann gar nicht ausführlich genug sein, meint Chiarella. Rauchen? Muss man verbieten. Kerzen auch.

Ebenso den Ölwechsel auf der Zufahrt. Auch Haustiere – Hunde, Katzen, Echsen gehören nicht ins Haus. Erwähnen sollte man, dass der Müllschlucker keine Matratze verträgt.

Nur AirBnB macht Spaß

Reich wurde Tom Chiarella übrigens nicht. Die Mieten entwickelten sich nicht so, wie erhofft. Seine Ehe auch nicht, es kam zur Scheidung, die Gattin wurde ausgezahlt und die Hypothek verlängert. Die einzig beglückende Erfahrung in der Rolle als Vermieter erlebte Chiarella mit AirBnB, nachdem er selbst ein Appartement mietete. Er richtete es schön und wohnlich ein, ein Engagement, dass seine Mieter meist vermissen ließen, und er bot es am Wochenende über AirBnB an. Auf einmal war die Vermieter-Welt in Ordnung: Die Kunden liebten die Wohnung, schreiben schöne Beurteilungen und ließen ihm kleine Aufmerksamkeiten zukommen. 

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