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Wohnen beim Discounter: Warum Aldi Wohnungen vermietet

Aldi verkauft nicht nur günstige Lebensmittel, sondern bietet auch Handyverträge oder Schnäppchenreisen an. Doch der Discounter betreibt noch ein anderes Geschäftsfeld: Aldi vermietet Wohnungen. Ganz freiwillig ist dieser Schritt aber nicht.

Aldi vermietet Wohungen

Aldi wird Vermieter

Aldi ist der Inbegriff für günstiges Einkaufen. Dabei handelt der Discounter längst nicht nur mit billigen Lebensmitteln. Wöchentlich bietet der Billigheimer Schnäppchenangebote anderer Produkte. Darüberhinaus können Kunden bei Aldi auch Reisen buchen oder Mobilfunkverträge abschließen - alles natürlich zu Discounter-Preisen. Und Aldi betreibt noch ein weiteres Geschäftsmodell, das bislang wenig registriert wurde: Aldi tritt zunehmend auch als Vermieter auf. Wohnen bei Aldi - wie passt das zum Discounter?

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, plant der Discounter im Stadtteil Rissen einen ungewöhnlichen Schritt. Der Discounter hatte sich ein Grundstück gesichert, auf dem bislang ein Bürogebäude steht. Dort will Aldi eine neue Filiale bauen. Doch außerhalb des Ortskerns ist eine Einzelhandelsfläche von 1000 Quadratmetern gar nicht vorgesehen, berichtet die Zeitung weiter. Damit Aldi für den Neubau die Genehmigung bekommt, muss der Discounter mehr anbieten als nur eine neue Filiale. Daher will sich der Billigheimer von der üblichen Bauweise seiner Filialen verabschieden und das Gebäude höher bauen - über dem Markt sollen dann Wohnungen entstehen.

Aldi als Wohnungsvermieter

Die Aldi-Gruppe (also sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord) ist ständig auf der Suche nach neuen Grundstücken und Immobilien. Doch die Kommunen benötigen die Baugrundstücke selbst, um der Wohnungsnot in den stark nachgefragten Städten zu begegnen. Laut dem Städtetag gebe es aktuell "fast überall" im Land zu wenig Wohnungen. Die Städte und Kommunen kommen mit Neubauten nicht nach. Vor allem in den Groß- und Universitätsstädten ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. 

Aldi weiß von diesem Missstand - und hat schon vor einigen Jahren auf diese Entwicklung reagiert. Statt nur noch Filialen auf den Arealen zu planen, entwickelt der Discounter Komplettlösungen, bei denen auch Wohnraum angedacht wird. Damit bekommen sie für die Bauplanungen eher den Zuschlag der Städte und Kommunen - ein cleverer Schachzug des Discounters.

So meldete Aldi Süd schon 2011 bei der Stadt Tübingen ein Bauvorhaben an. Eigentlich wollte der Discounter nur eine neue Filiale bauen, doch die Stadtverwaltung bremste das Vorhaben aus. "Wir fanden den Standort einfach zu schade, um dort eingeschossig zu bauen", sagte Baubürgermeister Cord Soehlke dem Schwäbischen Tagblatt, schreibt die "Südwest Presse". Also ging Aldi auf die Stadt zu. "Die haben vermutlich relativ schnell kapiert, dass es sich für sie rechnet", so Soehlke.

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Kerngeschäft bei Aldi seien Lebensmittel

Inzwischen ist das Projekt TÜ3 mit 43 Wohnungen fertiggestellt. Sieben Wohnungstypen zwischen 27 und 53 Quadratmetern, voll eingerichtet, werden für 500 bis 900 Euro im Monat vermietet. Im Preis inbegriffen sind Hausmeisterservice, Wlan und Kabel-TV. Schon Monate vor der Fertigstellung sollen sämtliche Wohnungen vermietet gewesen sein.

Offiziell wollte sich Aldi gegenüber der "Südwest Presse" nicht zu den Wohnungsplänen des Discounters äußern. Darüber, dass Aldi als Vermieter bei Gewerbeimmobilien auftritt, redet die Kommunikationsabteilung deutlich lieber: "Die Unternehmensgruppe Aldi Süd vermietet und verkauft bereits seit längerem eine Reihe an Immobilien, die in guter Geschäftslage liegen und sich für alle Branchen eignen", heißt es dort.

Ähnlich ist auch der Konkurrent Lidl unterwegs. Der Discounter kümmert sich in erster Linie um den Kauf und Verkauf eigener Filialgrundstücke - doch auch Lidl hat schon Ausflüge in die Wohnungswirtschaft gemacht. 2011 baute Lidl im Berliner Prenzlauer Berg insgesamt 30 Wohnungen über eigene Filialen. Die Wohnungen sollen zu "marktüblichen Preisen" vermietet werden, hieß es damals. Am bayerischen Tegernsee ist Lidl ebenfalls Vermieter. Dort musste sich der Discounter allerdings verpflichten, vor allem sozial Schwache zu berücksichtigen. 17 Wohnungen für 6,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete seien entstanden, berichtet ein Stadtratsmitglied dem "Berliner Mieterverein". Aktuell hat Lidl deutschlandweit keine freien Wohnungen - in Sachsen allerdings bietet der Discounter zwei Baugründstücke "zur Realisierung Ihrer Wohnträume" an. 

Aldi ist bereits Vermieter in Hamburg

In Hamburg ist das Wohnungsbauvorhaben von Aldi nicht das erste Projekt dieser Art. Bereits im November 2016 wurde bekannt, dass Aldi im Stadtteil Lokstedt die alte Filiale abreißen und neu bauen will - dabei sollen 18 Wohnungen entstehen. Aldi ist allerdings schon Vermieter in der Hansestadt. Insgesamt 48 Wohnungen an zwei Standorten betreibt der Discounter bereits. "In Ballungsräumen wie Hamburg muss man Kompromisse eingehen, um in Zukunft etwas zu erreichen", erklärt Maurice Witt, Leiter Immobilien und Expansion bei Aldi, dem "Hamburger Abendblatt". Das Kerngeschäft blieben aber die Lebensmittel, so Witt.

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