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Neues Geschäftsfeld: Aldi, Lidl und Tengelmann am Wohnungsmarkt: Wenn Supermärkte zu Vermietern werden

Deutschlands Supermärkte haben ein neues Geschäftsfeld entdeckt. Statt nur Lebensmittel zu verkaufen, vermieten sie nun auch Wohnungen. Das ist vielleicht nicht unbedingt lukrativ, hat aber einen großen Vorteil.

Konzept einer Aldi-Filiale: Wohnen beim Discounter

Konzept einer Aldi-Filiale: Wohnen beim Discounter

Es war ein zähes Ringen um die Supermarktfilialen von Kaiser's Tengelmann. Am Ende gab es eine Einigung: Edeka und Rewe teilten die Geschäfte unter sich auf, der Name Tengelmann ist im Lebensmitteleinzelhandel Geschichte.

Dass das Firmenimperium von Tengelmann viel größer ist, wird gern vergessen. So hält das Unternehmen an der Baumarktkette Obi 74 Prozent und 84 Prozent am Textil-Discounter Kik. Deutlich weniger bekannt ist Trei Real Estate. Das Tengelmann-Tochterunternehmen hat sich auf Immobilien spezialisiert. So entwickelt die Firma europaweit Einkaufszentren - aber auch Wohnhäuser. Erst kürzlich wurde in Köln-Ehrenfeld ein Studentenwohnheim eröffnet. Ein Grillplatz, Tiefgaragen, eine Lobby, vollmöblierte Räume und Highspeed-Wlan sind in der Miete für die 18 bis 32 Quadratmeter großen Zimmer schon eingerechnet, das gilt auch für die Kosten von Wasser, Strom und Heizung. Zahlen müssen die Bewohner zwischen 410 und 570 Euro im Monat. Eine Nebenkostenabrechnung gibt es nicht.

Tengelmann auf dem Wohnungsmarkt

Auch in Berlin soll in diesem Jahr gebaut werden. Das Unternehmen hat für zwei Areale am Prenzlauer Berg in Berlin Bauanträge gestellt. 246 und 187 Wohnungen sollen entstehen - sowohl kleine Studentenbuden, als auch große Familienwohnungen. Hinter diesen Vorhaben steckt Strategie. Laut der "Immobilienzeitung" will das Unternehmen sein Handelsimmobilienportfolio bereinigen, zwischen 2014 und 2015 hatte sich Trei bereits von Logistikimmobilien getrennt. Damit konzentriert sich Trei auf den Wohnungsmarkt - und will noch mehr. Denn Köln gilt als Pilotprojekt. Trei Real Estate plant, in weiteren Städten wie Düsseldorf, Hamburg, Berlin, München, Münster und Aachen ebenfalls Studentenwohnungen zu errichten, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger".

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Handelskonzerne, die in den Wohnungsmarkt investieren, sind nicht neu - aber immer noch ungewöhnlich. Erst kürzlich sorgte ein Bauvorhaben des Discounters Aldi in Hamburg für Aufsehen. Das Unternehmen plant nicht den üblichen flachen Bau, sondern will in die Höhe gehen, um über der Discounterfiliale auch noch Wohnraum zu bauen. Aldi Nord unterhält bereits einige Wohnprojekte. "Aldi Nord fokussiert sich seit jeher auf den Verkauf von Lebensmitteln an attraktiven, verbrauchernahen Standorten", so der Konzern zur "Immobilienzeitung". "Die Kombination von Aldi-Märkten mit Wohnraum stellt grundsätzlich nicht die Regel in Bezug auf unsere Expansionsstrategie dar."

Supermärkte nutzen Wohnungsnot

Auch Aldi Süd setzt auf Wohnraum. Doch die Aktivitäten auf dem Wohnungsmarkt sind nicht immer ganz freiwillig. "Wir haben seit längerer Zeit in einigen Regionalgesellschaften auch Filialen, die in Kombination mit Wohnraum eröffnet haben. Dies hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: So werden Wohnungen in Kombination mit einer Filiale errichtet, um zum Beispiel den jeweiligen Standort weiterzuentwickeln", lässt Aldi Süd die "Immobilienzeitung" wissen. "Teilweise liegen auch städtische Anforderungen vor, die eine solche Kombination erforderlich machen. Wir realisieren solche Projekte sowohl in Ballungsgebieten als auch in normalgroßen Städten." Hinter den "städtischen Anforderungen" stecken wohnungswirtschaftliche Notwendigkeiten. Denn die Supermärkte konkurrieren inzwischen bei unbebauten oder umzunutzenden Flächen mit dem Wohnungsbau, der in vielen Metropolen der Nachfrage hinterherhinkt.

Wohnungsbau ist teuer

Denn die Städte stecken in der Zwickmühle: Ihnen selbst fehlt das Geld, der Wohnungsnot mit eigenen Bauprojekten zu begegnen. Investoren bringen zwar genug Geld mit, doch sie scheuen den Sozialbau und bauen lieber hochpreisig. Hier greifen die Supermärkte an. Sie entwickeln ein Grundstück nicht nur für die neue Filiale, sondern setzen auch noch günstigen Wohnraum drauf. Mit diesem Schritt erkaufen sie sich ein Stück Stadtbauentwicklung. So baute der Discounter Lidl am bayerischen Tegernsee 17 Wohnungen, die für eine Kaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden - ein Schnäppchen für die Region.

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