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Handelsexperte warnt: Aldis riskante Luxusstrategie

Aldi Süd modernisiert die Filialen: heller, mehr Platz und mehr Service für die Kunden. Damit wildert der Discounter im Bereich der Supermärkte. Das könnte ein großer Fehler sein, meint der Handelsexperte Roman Becker. 

Aldi wird schick: Ein großer Fehler

Aldi baut um - ein großer Fehler, sagt Handelsexperte Roman Becker. 

Aldi Süd hübscht die Filialen auf. Die alten Regale und die lieblose Präsentation sollen verschwinden. Das neue Konzept sieht helle Gänge, viel Platz, Kaffeemaschinen und Sitzecken vor. Der Einkauf beim Discounter soll zum Erlebnis werden.

Aldi und Lidl motzen Filialen auf

Ähnliche Pläne verfolgt auch der Konkurrent Lidl. Auch Deutschlands zweitgrößter Discounter setzt auf ein neues Einkaufsgefühl. Damit rücken die Billigheimer näher an die Optik der großen Supermarktketten wie Edeka, Rewe und Co. So soll eine neue Zielgruppe angesprochen werden. "Ich sehe die Entwicklung kritisch und bin skeptisch, ob sich Aldi damit langfristig richtig aufstellt", schreibt Roman Becker, Markenexperte und geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens forum! in einem Beitrag für den "Focus". Er glaubt, dass Aldi die Hauptbedürfnisse der Kunden aus den Augen verliert.

Neues Laden-Konzept: So schick sehen bald alle Aldi-Filialen aus
Aldi der Zukunft

Aldi wagt den Spagat zwischen Billig-Preisen und Edel-Optik: Das Weinregal sieht künftig deutlich hübscher aus. Konkurrent Lidl hat seine Weinabteilung bereits vor geraumer Zeit erheblich aufgewertet.

Aldi-Kunden sind wie Fans

Becker argumentiert mit dem Fan-Prinzip, das sein Unternehmen entwickelt hat. Dabei sollen Firmen die Kunden nicht mit immer noch mehr Angeboten überschütten, sondern sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Die Idee stammt aus dem Sport: Wenn gelegentliche Kunden zu treuen Fans werden, profitiert das Geschäft davon. 

"Unsere Grundlagenforschung belegt seit Jahren, dass dies Aldi Süd bisher ausgezeichnet gelang", so Becker. "Die zentralen Kundenbedürfnisse werden hier konsequent bedient: Es geht den Aldi Süd-Kunden vor allem darum, schnell und zu günstigen Preisen einkaufen zu können." Daher seien auch alle Filialen sehr ähnlich aufgebaut, die Mitarbeiter nicht zu freundlich und der Kassenbereich sehr kurz. Effizienz war ausschlaggebend - nun soll es das Einkaufserlebnis sein.

Lässt Aldi sich vom Markt treiben?

Becker sieht das skeptisch. "Aldi lässt sich vom Markt treiben und schielt auf Marktanteile, beraubt sich jedoch durch diese Anpassungen der Chance, Kunden zu Fans zu machen", schreibt Becker. Mit dem Umbau und der "Edekaisierung" des Discounters spreche der Discounter zwar eine neue Zielgruppe an - und könne doch die Stammkunden verlieren. 

Stammkunden halten, Neukunden gewinnen

Wichtig sei es,  so Becker, dass sich für die Fans, also die Stammkunden von Aldi Süd, wenig ändert. "Zunächst einmal ist nicht gesagt, dass die zentralen Bedürfnisse 'schnell und billig' damit nicht mehr bedient werden", so Becker. Ob die Modernisierung von Erfolg gekrönt sein wird, hängt also davon ab, wie gut die neue Einkaufswelt angenommen wird - und wie wenig Stammpublikum vergrault wird. Offenbar weiß Aldi das. Angesprochen auf die Veränderungen in den Neubau-Filialen sagte Anfang des Jahres eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber der "Wirtschaftswoche": "Einige Elemente werden wir in Zukunft auch in anderen Filialen übernehmen, sofern sie von unseren Kunden angenommen werden." 

kg