HOME

Theo Albrecht junior legt nach: Familienstreit eskaliert: Aldi-Erbe schießt gegen die "peinliche" Schwägerin

Jahrzehntelang äußerte sich Theo Albrecht junior gar nicht, aber dann: Erst brach der Aldi-Erbe im stern sein Schweigen, nun legt er in einem Interview mit dem "Handelsblatt" nach. Ziel seiner Aussagen: die "peinliche" Frau seines verstorbenen Bruders.

Kampf um Aldi Nord: Theo Albrecht junior kämpft gegen die Witwe seines Bruders Berthold, Babette Albrecht

Kampf um Aldi Nord: Theo Albrecht junior kämpft gegen die Witwe seines Bruders Berthold, Babette Albrecht

Verschwiegenheit und Diskretion gehörten bei den Aldis immer zu den Grundtugenden. Doch im erbitterten Erbstreit bei Aldi Nord geht es nun auch öffentlich immer härter zur Sache. Vergangene Woche meldete sich Theo Albrecht junior im stern erstmals überhaupt öffentlich zu Wort. Er kämpft um das Vermächtnis seines verstorbenen Bruders Berthold - und gegen dessen Witwe Babette. "Ich bin sehr traurig darüber, dass Babette und ihre Kinder das Testament und die Stiftungssatzung ihres Ehemanns nicht akzeptieren wollen und diese bekämpfen", erklärte der 65-Jährige dem stern.

Nun legt Theo junior noch einmal nach. Im Interview mit dem "Handelsblatt" wiederholt er seine Vorwürfe in drastischen Worten: "Mein Bruder würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er wüsste, was hier abläuft", sagt Theo Albrecht junior. Und weiter: "Meine Schwägerin und ihre Kinder wollen nicht anerkennen, was Berthold in seinem Testament und in der Stiftungssatzung geregelt hat."

 Firma vs. Familie

Das will Theo junior nicht akzeptieren: "Ich verteidige das Testament meines Bruders und die Satzung der Stiftung." Der Sinn der Stiftung sei es, das Unternehmen vor einem zu großen Einfluss der Familie zu schützen. "Dafür kämpfe ich."

Babette Albrecht und die Kinder haben den Vorwurf, gegen den Unternehmenssinn zu handeln, gegenüber dem stern zurückgewiesen. Der besondere Zweck einer Familienstiftung bestehe eben in der Förderung der Familie. Theo Albrecht junior dagegen fürchtet, dass die Erben seines Bruders sich zu ausführlich an dem Geld der Stiftungen bedienen, das eben auch für Investitionen ins Unternehmen gedacht ist.

Die "peinlichen Auftritte" der Schwägerin

Theo junior sieht auch in dem für Aldi-Verhältnisse ausschweifenden Lebensstil seiner Schwägerin eine Bedrohung:  "Die - teilweise peinlichen - Auftritte meiner Schwägerin in der Öffentlichkeit und auch die zahlreichen, von ihr geführten Prozesse sind eine Belastung für unser Unternehmen", sagte der Sohn des Gründers im "Handelsblatt"-Interview.

Im Kern geht es bei dem Streit um eine Änderung der Satzung der Jakobus-Stiftung, die gemeinsam mit zwei weiteren Stiftungen - der Markus- und der Lukas-Stiftung - 100 Prozent des Aldi-Nord-Kapitals hält. Seine Schwägerin habe nicht ihn verklagt, "sondern die Stiftungsaufsicht, die die neue Satzung genehmigt hat", sagte Theo Albrecht jr. Sein Bruder Berthold Albrecht war 2012 plötzlich gestorben.


"Am Nasenring durch die Manege"

Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig erstritt Babette Albrecht im Januar zunächst in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss in der Institution - und damit auch in dem Essener Unternehmen. Das Gericht kippte aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010, die der Kreis Rendsburg-Eckernförde als Aufsichtsbehörde angenommen hatte.

Theo Albrecht jr. sieht dies extrem kritisch: Er und sein Bruder hätten die Stiftungssatzungen nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam auf den neuesten Stand gebracht. Wenn die alte Satzung wieder gelte, "könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen. Sie hätten damit ein unbegrenztes Erpressungspotenzial", warnte er in dem Interview.
Denn das Unternehmen sei auf das Kapital der Stiftungen angewiesen und alle drei Stiftungen müssten jeder Auszahlung zustimmen. Gelder würden etwa für die Renovierung der Filialnetze in Frankreich und Dänemark benötigt.

bak / DPA