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Trotz Pfand: Warum die Getränkedose ein Comeback erlebt

Vor gut 13 Jahren sollte das Dosenpfand die Müllberge der Einwegverpackungen für Getränke eindämmen. Das funktionierte aber nur zum Teil - und inzwischen erobert die Dose wieder die Regale im Supermarkt. 

Einige geöffnete Dosen

Diese Dose ist zurück

Der Energiedrink Red Bull war wohl am konsequentesten: Während Bier - und Limohersteller nach der Einführung des Dosenpfand ihre Getränke in Plastikflaschen umfüllten, blieb das österreichische Unternehmen bei der Dose. Inzwischen steht die silber-blaue Dose nicht mehr allein in den Kühlregalen der Kioske, Getränke- und Supermärkte: Die Dose ist wieder da. 

Diese Entwicklung dürfte dem ehemaligen Umweltminister Jürgen Trittin gar nicht gefallen, schließlich wollte er durch die Einführung des Dosenpfands 2003 die Einwegverpackungen für Getränke vom Markt drängen. Mit 25 Cent extra sollte den Kunden die Verpackung madig gemacht werden. Und das schien anfangs auch aufzugehen: Der Absatz von Getränkedosen brach von rund acht Milliarden Stück vor dem Pfand auf rund 500.000 Stück im Jahr 2003 ein. Allerdings konnten Mehrwegverpackungen nicht profitieren. Statt zur Büchse griffen die Verbraucher eben zur Einwegflasche. 

Dosen boomen in Deutschland

Inzwischen verbuchen die Dosenhersteller wieder bessere Absatzzahlen. 2015 knackte die Branche die Marke von über zwei Milliarden Dosen, ein Plus von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Seit fünf, sechs Jahren steigt der Absatz wieder. Die Dose hat sich beachtlich in den Handel zurückgearbeitet", sagt eine Sprecherin des Verbandes der europäischen Getränkedosenhersteller (BCME) dem stern. Vor allem Dosenbier scheint den Kunden gefehlt zu haben -  fast jede zweite verkaufte Büchse enthält Bier. Während Cola oder Limo vom Verbraucher auch in Plastikflaschen akzeptiert wurde, waren Biertrinker von den Alternativen zur Dose nicht überzeugt. "Die Dose hat bestimmte Vorzüge, an die sich die Verbraucher nun zu erinnern scheinen: Eine gute Transportfähigkeit, ein leichtes Gewicht und die Unzerbrechlichkeit der Verpackung“, sagt Birte Kleppien von der Radeberger-Gruppe gegenüber der "WAZ".

Für das Comeback sind auch Deutschlands Discounter verantwortlich. Aldi Nord und Süd nahmen das Dosenbier im vergangenen Jahr wieder ins Sortiment - nachdem dies im Jahr 2003 aus den Regalen verbannt wurden. Der Discounter Lidl stapelt ebenfalls wieder Bier in Büchsen in den Filialen. "Der Handel ist Treiber dieser Entwicklung", heißt es auch beim BCME. "Und Kunden lassen sich von den 25 Cent nicht mehr schrecken." Mit der Marktmacht der größten Discounter ist die Dose zurück, allerdings wird sie ihren Anteil von 25 Prozent, wie zuletzt vor der Pfandeinführung, nicht mehr erzielen können, glauben Experten. Realistische Prognosen gehen von bis zu zehn Prozent aus. 

Hohe Recyclingquote bei Dosen

Aber nicht nur Bier punktet in der Dose, sondern auch hippe, neue Limos werden in Dosen verkauft. Der Umweltaspekt, der die Zielgruppe eigentlich abschrecken müsste und einst das Hauptargument im Kampf gegen die Dose war, zieht nur noch teilweise. Sicherlich, Mehrwegflaschen, die regional mit Getränken befüllt werden, haben sicherlich ökologische Vorteile. Doch die Dose hat das Wergwerf-Image der Vor-Pfand-Zeit abgeschüttelt. Vor der Pfandeinführung wurde nur eine von vier Dosen recycelt. Heute liegt die Wiederverwertungsquote zwischen 95 und 98 Prozent, so der BMCE.